Die große Hoffnung im Kampf gegen den Krebs


Immuntherapie

Die große Hoffnung im Kampf gegen den Krebs

Die Nutzung des körpereigenen Immunsystems gilt neben der Chirurgie, Strahlen- und Chemotherapie mittlerweile als vierte Säule in der Krebsmedizin.

Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

 

Es klingt fast zu schön um wahr zu sein: Der Körper heilt sich selbst vom Krebs, zerstört Tumoren oder hindert sie am Wachstum. 2013 wurde im Wissenschaftsmagazin „Science“ der Durchbruch der Immunonkologie postuliert. Bruce Beutler, Jules Hoffmann und Ralph Steinman konnten einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie die Schlüsselprinzipien des Immunsystems aufgeklärt haben, erklärt Dr. Wilfried Stücker vom Immunologisch Onkologischen Zentrum Köln. Dafür wurde ihnen im Jahr 2011 der Nobelpreis für Medizin verliehen. „Die Erkenntnisse dieser Wissenschaftler sind die Basis für unser Therapiekonzept“, erklärt Dr. Stücker, „seit gut einem Jahr verfügen wir zusätzlich über Medikamente und Möglichkeiten, um das Immunsystem bei der Bekämpfung von Krebstumoren zu unterstützen, die der körpereigenen Abwehr bisher entgehen konnten“.

 

Aktive, passive und adaptive Immunisierungsmöglichkeiten

Bei der aktiven Immunisierung müsse der Körper dazu gebracht werden, die Tumorzellen als schädlich zu identifizieren und zu bekämpfen, so Onkologe Stücker. Tumorzellen neigen im Gegensatz zu gesunden Zellen dazu, sich zu verändern. Sie produzieren vermindert das Zytokin „Interferon“, das bei gesunden Zellen eine antivirale und immunaktivierende Wirkung entfaltet. „Genau diesen Zustand machen wir uns zunutze“, erklärt Dr. Stücker. „Wir infizieren den Tumor mit einem Virus. Er kann dieses aufgrund des fehlenden Zytokins nicht eigenständig bekämpfen, sondern wird durch die Infektion für das Immunsystem ‚sichtbar’ und dementsprechend angegriffen“. Bei der passiven Immunisierung verwenden Mediziner Antikörper, die ebenfalls den Effekt haben, dass sie Tumorzellen markieren und somit das Immunsystem aktivieren oder aber die Tumorzellen durch ihren Wirkstoff am Wachstum hindern. Der Nachteil: Die Antikörpertherapien können unerwünschte Nebenwirkungen auslösen, da sie sich auch gegen gesunde Körperzellen richten. Dadurch sind Attacken des Immunsystems auf gesunde Organe möglich, warnten Wissenschaftler kürzlich in der New York Times. Auch bei der sogenannten adaptiven Immunisierung gebe es aktuell noch hohe Nebenwirkungsraten, bestätigt Dr. Stücker. „Dabei werden Immunzellen aus dem Körper entnommen und nach einer Bearbeitung in veränderter Form sowie höherer Anzahl in den Körper zurückgegeben. Diese Zellen haben im Labor sozusagen ‚gelernt’, was sie zu tun haben, um einen Tumor zu bekämpfen. Der Vorteil einer Immunisierung liegt darin, dass das Immunsystem hierbei selbst lernt und eine Art Gedächtnis entwickelt. Das heißt, auch nach abgeschlossener Therapie funktionieren die Abwehrmechanismen weiter. Das ist ein nachhaltiger Effekt, wie bei einer Impfung“.

 

Tumorzellen mit Antikörpern austricksen

Tumorzellen verfügen über die Eigenschaft, das Immunsystem zu unterwandern, indem sie Stoffe produzieren, die die Immunabwehr lahm legen. Sollte trotz dieser ungünstigen Situation eine Immunreaktion gegen die Tumorzellen entstanden sein, was selten vorkommt, dann sind die Tumorzellen in der Lage, bei angreifenden Immunzellen den programmierten Zelltod auszulösen. Aufgrund dieses Wissens wurden sogenannte „Checkpoint-Inhibitoren“ entwickelt, die den Vorgang der Immununterdrückung sowie das Auslösen des Zelltods verhindern sollen. Durch die Infusion dieser Antikörper ist es dem Immunsystem wieder möglich, gefährliche Tumorzellen zu erkennen und anzugreifen. „Diese neue Form der Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren rückt aktuell stark in den Vordergrund“, erläutert Dr. Stücker. „Sie wird bei vielen Tumoren ausprobiert. Bei der Behandlung von Bronchialkarzinomen wird sie sogar vorrangig eingesetzt. Wir haben festgestellt, dass sie besonders gut bei Lungenkrebspatienten wirkt, die weiterhin rauchen. Die Effekte liegen hier mit bis zu 20 Prozent bereits deutlich höher als bei einer Chemotherapie“.

 

Individuelle und aufwändige Therapieform

Bevor die Immuntherapie als Standardtherapie bei Krebserkrankungen zur Anwendung kommt, ist es noch ein langer Weg für die Medizin und Forschung, befürchtet Dr. Stücker. „Bisher ist es eine sehr aufwändige und individuell zugeschnittene Therapie, die noch nicht für die große Masse der Patienten zur Verfügung stehen kann. Jeder Tumor ist einzigartig, was bedeutet, dass wir für jeden einzelnen Patienten ein persönliches Medikament und eine spezielle Strategie entwickeln müssen“. Daher übernehmen die Krankenkassen die Kosten bisher auch nur in Einzelfällen. Hinzu kommt, dass für solche Therapien eine Zulassung beim Paul-Ehrlich-Institut beantragt werden muss. Auch wenn die Voraussetzungen noch schwierig sind – Onkologe Dr. Stücker glaubt fest daran, dass die Zukunft der Krebsbehandlung in der Immuntherapie liegt: „Wir müssen immer weiter daran forschen herauszubekommen, wie die Biologie unseres Körpers funktioniert und unsere Gesundheit aufrecht  erhält. Und diese Vorgänge müssen wir dann reproduzieren“.

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