Was tun bei Gelenkverschleiss?


ARTHROSE KANN JEDEN TREFFEN. DOCH WER SICH SCHMERZFREI BEWEGEN MÖCHTE, KANN ETWAS TUN. ALLES ZU VORBEUGUNG UND THERAPIE.

Ein Beitrag von Prof. Dr. med. Dr. phil. Victor Valderrabano

Viele Menschen klagen mit zunehmendem Alter über Gelenkbeschwerden. Rund 15% der Bevölkerung sind vom frühzeitigen Verschleiß der schützenden Knorpelschicht in ihren Gelenken betroffen. Damit ist die Arthrose die häufigste aller Gelenkerkrankungen. Je älter wir werden, desto größer wird die Gefahr. Zirka die Hälfte der Frauen über 65 Jahren und ein Drittel der Männer leben mit der Diagnose. Oft tritt die Arthrose im Bereich der Kniegelenke auf. Aber auch Hüfte, Sprunggelenk, Fuß, Schulter, und Finger bleiben nicht immer verschont.

Obwohl bislang nicht alle Gründe für die Entstehung der Arthrose bekannt sind, konnten einige Risikofaktoren identifiziert werden. Besonders das Altern, der Mangel an Bewegung, Übergewicht und Verletzungen können unseren Gelenken zu schaffen machen.

Eben diese Risikofaktoren sind Ansatzpunkte für die Prävention von Arthrose. Eine gesunde Ernährung und konsequenter, moderater sowie unfallfreier Sport können unsere Gelenke vor übermäßiger Belastung oder Fehlbelastung schützen.

Einen positiven Einfluss haben gesunde und kräftige Muskeln. Die Knochen allein können unsere Gelenke nicht ausreichend stabilisieren. Hier greift die Muskulatur unterstützend ein, indem sie die Gelenke führt und Bewegungsenergie aufnimmt. Mit zunehmendem Alter und durch Mangel an Bewegung nimmt die Muskelmasse stetig ab und der Gelenkknorpel wird spröde. Dieser Vorgang kann durch regelmäßige sportliche Betätigung (Radfahren, Nordic-Walking, Fitnessprogramme, Aerobic, o.ä.) verhindert werden.

Auch bereits Betroffene profitieren von diesen Maßnahmen. Denn ein kräftiger Muskel schützt nicht nur das Gelenk, auch die mit Arthrose verbundenen Schmerzen nehmen durch Sport deutlich ab. Da Arthrosepatienten den Sport oftmals wegen Schmerzen meiden, können Schmerzmittel und orthopädisch-technische Hilfsmittel, wie Einlagen, Bandagen und Schienen, den Einstieg erleichtern. Später führt die Bewegung durch den Muskelaufbau selbst zur Schmerzreduktion. Für übergewichtige Menschen ist Wassersport als Bewegungstherapie ideal. Sowohl die Schmerzen als auch das gelenkschädigende hohe Gewicht zeigen im Wasser deutlich geringere Auswirkungen.

Gelenkerhaltende Therapien – Schmerzfrei im Leben stehen

Sind schon erste Anzeichen einer beginnenden Arthrose erkennbar, sollte frühzeitig der Gang zum Spezialisten, dem Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie erfolgen. Dieser kann mittels Röntgen, MRT (Magnetresonanztomografie) und anderer bildgebender Verfahren erste Schäden an den Gelenken einfach und schnell diagnostizieren.

Damit sich das beschädigte Gelenk nicht weiter verschlechtert, bietet die moderne Medizin verschiedene konservative und operative Therapiemöglichkeiten. Oberstes Ziel ist es, das eigene Gelenk und seine Funktion so lange wie möglich zu erhalten.

In frühen Stadien können konservative Therapien den geschädigten Gelenkknorpel entlasten. Dazu werden Stoffe, die in der natürlichen Gelenkschmiere vorhanden sind, entweder eingenommen oder in das Gelenk gespritzt. Diese Stoffe hemmen Entzündungen, ernähren die Knorpelzellen und wirken als Stoßpuffer im Gelenk. So nimmt der Schmerz für mehrere Monate ab – schmerzarme oder sogar schmerzfreie Bewegung wird wieder möglich.

Heilen lässt sich die Arthrose bislang nicht. Durch eine angemessene Therapie kann jedoch eine Verschlechterung deutlich verlangsamt werden.

Führen konservative Therapiemaßnahmen allein nicht zum Ziel, so soll der Orthopäde/Unfallchirurg primär versuchen, ihr Gelenk durch gelenkserhaltende operative Eingriffe zu retten (gelenkerhaltende Chirurgie). Ist ein Gelenk einseitig von Arthrose betroffen (beispielsweise das Knie oder Sprunggelenk durch Fehlachsen, wie bei X- oder O-Beinen), kann eine operative Veränderung der Gelenkachse durch eine Knochenkorrektur (Osteotomie) den Druck im knorpel-verletzten Gelenksbereich reduzieren und so weitere Schäden verhindern.

Je nach Ausmaß der Schäden wird der verletzte Knorpel repariert, durch Fördern des körpereigenen Reparaturprozesses (Mikrofrakturierung) oder mit Methoden bei denen Membranen (AMIC) oder Knorpeltransplantation (ACI, MACI) zum Zuge kommen. Dadurch wird der natürliche Knorpel wieder aufgebaut und kann seine Funktion als Stoßpuffer erfüllen. „Wichtig ist es bei der gelenkserhaltende Chirurgie, die Mechanik im Gelenk gesamthaft zu adressieren und verbessern: bessere Druckverteilung, bessere Stabilität, bessere Bewegung“, so Professor Valderrabano als spezialisierter Arthrosechirurg.

Die Gelenkprothese – Mehr Lebensqualität bei fortgeschrittener Arthrose

Schreitet die Arthrose dennoch weiter fort, kommt es zum vollständigen Verschleiß des schützenden Gelenkknorpels und des darunterliegenden Knochens. Meist klagen Betroffene dann über anhaltende Schmerzen, die auch mit Medikamenten schlecht zu behandeln sind und über deutliche Bewegungseinschränkungen, die ein normales Alltagsleben beinahe unmöglich machen.

In diesen Fällen ist der letzte Ausweg ein künstliches Gelenk (Prothese). Millionen von Patienten erhalten jährlich durch Prothesen in Knie, Hüfte, Sprunggelenk, Schulter, Ellbogen ihre frühere Lebensqualität zurück. Mit Hilfe stetiger Forschung wurden die Gelenkimplantate im Laufe der letzten Jahre anatomisch und qualitativ immer besser. Dies führt in vielen Fällen zu einer fast natürlichen Beweglichkeit, höheren Belastbarkeit und besseren Lebensqualität.

Aber nicht nur die Medizintechnik hat sich verbessert, auch die Operationstechniken wurden weiterentwickelt. Prothesenoperationen wurden mit schonenden Implantationstechniken Stück für Stück zu einer sicheren und wirksamen Behandlung für die fortgeschrittene Arthrose mit deutlich längerer Haltbarkeit der künstlichen Gelenke.

Vorsorge ist besser als Nachsorge

Der schmerzhafte Teufelskreis der Arthrose lässt sich dank moderner Therapiemethoden in jedem Stadium der Erkrankung lindern. Um Schmerzen und Operationen im Alter zu vermeiden, können Sie bereits heute etwas tun – ernähren Sie sich gesund und treiben Sie regelmäßig Sport.

Autor: Prof. Dr. med. Dr. phil. Victor Valderrabano

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