Meniskus Wrapping - Chance bei nicht reparablen Meniskus-Rissen


Meniskus Wrapping

Eine den Meniskus umhüllende Matrix kann für Patienten mit problematischen Meniskus-Rissen eine echte Chance auf Heilung darstellen, erklärt Dr. Heino Kniffler, Orthopäde und Spezialist für Knorpelchirurgie und Gelenkerhalt sowie Inhaber der Orthopädischen Praxisklinik im GesundheitsZentrum Kelkheim.

Interview: Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

 

Bei welchen Meniskus-Verletzungen kann ein sogenanntes Meniskus Wrapping helfen?

Innen-Meniskus-Verletzung

Dr. Kniffler: „Die Matrix- oder Membran-basierte Meniskus-Reparatur kommt für alle Meniskusverletzungen in Frage, die nicht primär genäht werden können. Das kann der Fall sein, wenn sie sich nicht nah genug an der Gelenkkapsel befinden oder nicht ausreichend oder gar nicht mehr durchblutet sind. Auch bei komplexeren, mehreren Rissen oder Lappenrissen, die nicht genäht werden können, kann das Meniskus Wrapping helfen. Zudem ist es eine Option für Patientinnen und Patienten, die zwar genäht wurden, bei denen es aber nicht zu einer Ausheilung kam.“

Wie läuft die Behandlung beim Meniskus Wrapping ab?

Dr. Kniffler: „Der arthroskopische Eingriff wird unter Narkose durchgeführt und dauert für einen geübten Operateur etwa 1 Stunde. Um das Transplantat, also die Membran oder Matrix, postoperativ zu schützen, wird die Beugung des Kniegelenks mit Hilfe einer Orthese für 6 Wochen eingeschränkt. Während dieser Zeit darf die Patientin oder der Patient das Gelenk nicht voll belasten. Durch Unterarmstützen wird die Belastung für 6 Wochen auf 20 kg beschränkt. Eine Beugung des Knies wird in den ersten 4 Wochen auf 60 Grad, anschließend auf 90 Grad limitiert. Aber bereits nach 6 Wochen darf die Beugung des Kniegelenks die 90 Grad überschreiten und das Gelenk kann mehr belastet werden. Abhängig vom persönlichen Schmerzempfinden der Patientinnen und Patienten können Beugung und Belastung dann langsam gesteigert werden. Spätestens nach 3 Monaten sollte dann eine volle Belastung und Beugung erreicht sein.“

Wie wird die Matrix am Meniskus befestigt?

Innen-Meniskus eingepackt

Dr. Kniffler: „Sie wird arthroskopisch über 2 kleine Zugangslöcher an die Gelenkkapsel genäht. Zunächst erfolgen 1-2 Nähte, um den beschädigten Meniskus zu stabilisieren und in Form zu bringen. Anschließend wird die Matrix über den Meniskus gelegt. Dafür verwenden wir jeweils 2 lange biegsame Nadeln, die mit einem langen Faden verbunden sind. Über ein gebogenes Führungsinstrument wird die erste Nadel in das Gelenk gebracht, die Matrix und die Gelenkkapsel über dem Meniskus damit durchstochen und über einen kleinen seitlichen Schnitt herausgezogen. Dann erfolgt das Gleiche mit der zweiten Nadel, die unter dem Meniskus durch Matrix und Kapsel gestochen wird. Beide Nadeln werden abgeschnitten, der Faden wird verknotet und außen an der Gelenkkapsel verlegt. Dieser Vorgang wird, je nach Größe der beschädigten Zone, 7 bis 10 Mal durchgeführt. Am Ende sind die Matrix und das Meniskusgewebe sehr stabil an der Gelenkkapsel befestigt. Zum Schluss wird in einem nicht mit Knorpel überzogenem Bereich der Oberschenkelknochen (Femur) angebohrt, damit Knochenmarkflüssigkeit ins Gelenk fließen kann. Darin befinden sich Stammzellen und Wachstumsfaktoren, die in die zuvor geschaffene biologische Kammer gelangen und dort die Heilung des geschädigten Meniskusgewebes unterstützen.“

Warum ist im Anschluss an diesen Eingriff keine Drainage erforderlich?

Dr. Kniffler: „Weil es bei dieser Art von Operation in der Regel nicht zu Blutungen im Gelenk kommt. Die Operation kann übrigens auch ohne Blutsperre erfolgen. Und man will ja nicht riskieren, mit einer Drainage die kostbare Knochenmarkflüssigkeit wieder abzusaugen.“

Erfolgt der Eingriff ambulant oder stationär?

Dr. Kniffler: „Technisch könnte er ambulant erfolgen. Aber um die Behandlung über das leistungsorientierte Fallpauschalensystem (DRG) der Krankenkassen abrechnen zu können, muss der Eingriff stationär ausgeführt werden. Eine Meniskus-Matrix kostet übrigens rund 900 Euro.“

Wie lange dauert es, bis die Patienten eine Besserung spüren?

Dr. Kniffler: „Bis wieder ein uneingeschränktes Beugen und Belasten des Kniegelenks möglich sind, vergehen etwa 3 Monate.“

Kann es passieren, dass die Membran abgestoßen wird oder sich das umliegende Gewebe entzündet?

Dr. Kniffler: „Das ist bisher noch nicht passiert und ist eher unwahrscheinlich, da die Kollagen-Matrix aus einem biologischen Material besteht und sich innerhalb 3 Monaten vollständig abbaut.“

Wie sind die Erfolgsaussichten beim Meniskus Wrapping?

Dr. Kniffler: „Sie sind sehr gut! Eine in 2020 veröffentlichte Studie konnte nachweisen, dass sich in 90% der Fälle (bei 54 Patienten) der reparierte Meniskus nach 5 Jahren in einem sehr guten Zustand befand. Dies wurde jeweils bei einer Kernspintomografie nachwiesen. Es ist nach dem Meniskus Wrapping nicht zu Knorpelschäden gekommen, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit entwickelt hätten, wenn der Meniskus nicht repariert, bzw. reseziert worden wäre. Das ist ein sensationelles Ergebnis!“

Gibt es ergänzende Behandlungen, die das Meniskus Wrapping unterstützen?

Dr. Kniffler: „Ja, man kann die Heilung unterstützen mit einer sogenannten PRP-Therapie. PRP steht für Plättchen-reiches Plasma. Diese Behandlung kann 3 Wochen nach der erfolgten Meniskus-Operation begonnen werden. Hierbei wird der Patientin oder dem Patienten Blut abgenommen. Dieses wird zentrifugiert, so dass eine hohe Konzentration an körpereigenen Blutplättchen gewonnen wird. Diese Thrombozyten haben viele Eigenschaften, insbesondere entzündungshemmende und geweberegenerierende. Sie werden dann drei Mal in wöchentlichem Abstand per Injektion verabreicht.“

Könnte das Meniskus Wrapping Teil der Regelversorgung werden?

Dr. Kniffler: „Dazu müsste zum einen die Behandlung unter den Ärzten bekannter werden. Und zum anderen müsste sie ambulant abrechenbar sein. Wenn die Matrix als Implantat von den gesetzlichen Krankenkassen anerkannt werden würde, dann wäre das möglich. Implantate werden bei ambulanten Operationen grundsätzlich erstattet.“

 

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