Prof. Wolf Petersen empfiehlt gelenkerhaltende Therapie bei Kniegelenksarthrose sofern möglich


Gonarthrose

Verschleißerscheinungen führen im Knie häufig zu starken Schmerzen. Bevor Betroffene über eine Knieprothese nachdenken, sollten sie sich über gelenkerhaltende Behandlungsmöglichkeiten informieren.

Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

Martin-Luther-Krankenhaus Berlin

Von einer Arthrose des Kniegelenks sind fast 75 Prozent der über 50-Jährigen betroffen. Eine Behandlung ist allerdings erst dann erforderlich, wenn aufgrund der  Veränderungen im Kniegelenk Schmerzen auftreten oder der Verschleiß zu schnell voranschreitet. Zu den wichtigsten Ursachen einer Arthrose zählen Fehl- und Überbelastungen, Fehlstellungen wie X- oder O-Beine sowie verschleppte oder nicht auskurierte Verletzungen des Kniegelenks. Auch wenn der Einsatz von Knieprothesen heutzutage zu den Standardoperationen zählt und eine erhebliche Verbesserung der Bewegungsfähigkeit verspricht, gibt es eine Reihe von Gründen, die für den Erhalt des natürlichen Kniegelenks sprechen. Prof. Dr. med. Wolf Petersen ist Spezialist für Kniechirurgie und Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Martin-Luther-Krankenhaus in Berlin. Eine Teil- oder Vollprothese des Kniegelenks versucht er bei Patienten unter 60 Jahren möglichst zu vermeiden: „Aus meiner Sicht sollte ein künstlicher Gelenkersatz immer das Endstadium einer Arthrose-Therapie sein, wenn nichts anderes mehr geht. Dafür spricht u.a., dass die Haltbarkeit der Endoprothesen begrenzt ist. Die Revisionsrate bei Patienten unter 55 Jahren liegt immerhin bei bis zu 20 Prozent. Sofern gelenkerhaltende Verfahren möglich sind, können wir den Einsatz eines künstlichen Kniegelenks um 10 bis 15 Jahre hinauszögern.“

 

Welche gelenkerhaltenden Kniegelenkstherapien gibt es?

Gelenkerhaltende Therapie

Um ein Arthrose-geschädigtes Kniegelenk zu erhalten, dürfen nicht alle Bereiche des Knies von den Verschleißerscheinungen betroffen sein, erklärt Prof. Petersen. „Selbst bei schweren Knorpelschäden 4. Grades können wir das Gelenk erhalten, indem wir die Belastung von dem geschädigten Bereich des Knies auf ein intaktes Areal des Knies  mitverlagern. Dieses erreichen wir durch eine sogenannte Umstellungsosteotomie, eine Korrektur der Beinachse.“ Bei kleineren Knorpelschäden bis zu einer Größe von 2,5 Quadratzentimetern wird das Gelenk angeregt, den Schaden selbst zu beheben. Dazu wird der Knochen in dem geschädigten Bereich angebohrt (Mikrofrakturierung). Aus diesen Löchern gelangt Blut in die Defektregion und setzt sich dort ab. Die im Blut enthaltenen Stammzellen sind in der Lage, sich in Knorpelgewebe umzuwandeln. „In einigen Fällen setzen wir zusätzlich eine Matrix ein, ein Netzgewebe, an dem die Stammzellen leicht andocken können. Dieser Eingriff kann arthroskopisch erfolgen, in der sogenannten Schlüssellochtechnik. Die anschließende Heilung verläuft aus meiner Erfahrung sehr schnell und unkompliziert.“

 

Wann ist eine Knorpelzelltransplantation notwendig?

Bei größeren und schwerwiegenderen Knorpelschäden ist es möglich, körpereigenen Knorpel im Labor nachzuzüchten und an der geschädigten Stelle aufzubringen. „Dazu werden in einer ersten Operation der geschädigte Bereich gesäubert und die Ränder begradigt. Anschließend wird aus einem gesunden Bereich des Gelenks eine Knorpelprobe entnommen, um die Zellen im Labor zu vervielfältigen. Für den Fall, dass eine einseitige Belastung oder eine Instabilität die Arthrose ausgelöst haben, erfolgt im Rahmen dieses Eingriffs auch eine Achs- bzw. Bandkorrektur.“ Nach fünf bis sechs Wochen werden dann in einem zweiten Eingriff die neu gezüchteten Knorpelzellen eingesetzt. Dies geschieht in der Regel minimalinvasiv durch einen maximal fünf bis sechs Zentimeter langen Schnitt, so Prof. Petersen.

 

Rückgewinn an Lebensqualität durch gelenkerhaltende Therapien

Prof. Dr. med. Wolf Petersen

Bei einer reinen Achskorrektur müssen die Patienten nach dem Eingriff zwei Wochen lang Gehstützen verwenden, um das behandelte Gelenk zu entlasten. Nach allen Knorpelersatz-Eingriffen sollte das Gelenk sechs Wochen geschont werden, so Kniespezialist Petersen. Hilfreich ist während dieser Zeit eine Motorschiene, die das Gelenk bewegt, ohne es durch Gewicht zu belasten. Anschließend erfolgt eine Reha zum Aufbau der Muskulatur. Im Idealfall ist der neue Knorpel anschließend voll belastbar, obwohl er in seinem Aufbau nicht ganz dem ursprünglichen Knieknorpel entspricht. „Normale Alltagsbewegungen sollten anschließend problemlos möglich sein“, erklärt Prof. Petersen. „Ich hatte auch schon einen Patienten, der nach einer Umstellungs-OP einen Marathon gelaufen ist. Das ist sicher nicht optimal, aber es geht.“ Grundsätzlich rät der Kniespezialist dazu, die Sportarten auszuüben, die man bereits vor der Erkrankung beherrscht hat. „Skifahren geht, Tennis ist auch ok, genauso wie ruhiges Joggen. Was ich vermeiden würde, wären Kontaktsportarten wie z. B. Fußball. Hier ist die Gefahr einer erneuten Überbelastung oder Verletzung einfach zu hoch.“

In naher Zukunft sollte es möglich sein, eine Knorpelzelltransplantation nur noch mit einem Eingriff durchzuführen, so Prof. Petersen. Dazu könnten gewonnene Stammzellen aus Fettgewebe oder dem Beckenkamm verwendet werden. Generell kommen auch allogene Stammzellen in Frage, die von einem Stammzellenspender stammen. Hier sei laut Prof. Petersen die Hemmschwelle allerdings noch ziemlich hoch.

 

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