Knorpeltherapie mit Eigenfett bei Kniearthrose


Kniearthrose

Mit Hilfe von aufbereiteten, körpereigenen Fettzellen können bei Arthroseschäden im Kniegelenk regenerative Prozesse angestoßen werden, sagt Dr. Heino Kniffler, Spezialist für Orthopädie und Knorpelchirurgie der Orthopädischen Praxisklinik im GesundheitsZentrum Kelkheim.

Interview: Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

 

Wie läuft eine Eigenfett-Behandlung bei Kniearthrosen ab?

Fettzellen

Dr. Kniffler: „Dem Patienten wird eine kleine Menge Fett am Bauch entnommen. Dies geschieht entweder unter Lokalanästhesie oder unter Narkose. Dieses Fett wird anschließend mit dem dafür zugelassenen Medizinprodukt ‚Lipogems’ gereinigt und fein zerkleinert. Dadurch lässt sich das Fett bzw. die daraus entstandene AMFAT Gewebezubereitung durch eine dünne Spritze an die dafür vorgesehene Stelle, wie zum Beispiel das Knie oder die Hüfte, applizieren.“

 

Was genau bewirken Sie mit der AMFAT-Therapie?

Herstellung von AMFAT mit Lipogems

Dr. Kniffler: „AMFAT steht für die englische Bezeichnung ‚autologous microfragmented adipose tissue’, also körpereigenes, zerkleinertes Fettgewebe. Dieses Fettgewebe, sprich  diese AMFAT Gewebezubereitung, besteht aus verschiedenen Zellen, die eine positive Wirkung auf die Geweberegeneration haben. Oft ist bei Knieschmerzen aufgrund von verschiedenen Faktoren die Gelenk-Homöostase (Stoffwechsel-Gleichgewicht im Gelenk) gestört. Dies führt zu einer fortschreitenden Schädigung wichtiger Strukturen im Knie bis zur Arthrose. Die AMFAT-Therapie zielt darauf ab, die Gelenk-Homöostase via Stimulation der Fettkörper im Knie wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die Rolle der Fettkörper im Knie oder in der Hüfte ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt, doch wird den Fettkörpern eine immer wichtiger werdende Rolle bei der Entzündungsregulation sowie bei der Entwicklung einer Arthrose zugeschrieben.“

 

Was ist der Unterschied zur Therapie mit plättchenreichem Plasma (PRP)?

Herstellung von AMFAT mit Lipogems

Dr. Kniffler: „PRP steht für den englischen Begriff ‚platelet rich plasma’, sprich körpereigenes, mit Blutplättchen angereichertes Blutplasma. Dieses Eigenblut wird, wie das Eigenfett bei AMFAT, mittels Spritze ins Knie appliziert. Die Eigenbluttherapie gibt es schon seit langem und hat sich vor allem bei den niedergelassenen Ärzten aufgrund der relativ geringen Kosten und der einfachen Handhabung etabliert. Die wissenschaftliche Evidenz zur Wirkung von PRP bei gewissen Indikationen wird nach wie vor kontrovers diskutiert und auch uneinheitlich bewertet. Die Zellzusammensetzung bei AMFAT gegenüber PRP ist sehr unterschiedlich. Während es beim PRP vor allem um das Gewinnen von Blutplättchen geht, die verschiedene Wachstumshormone enthalten, setzt sich AMFAT aus Adipozyten und MSCs (Mesenchymale Stammzellen) wie Perizyten, Endothelial- sowie Vorläuferzellen und der extrazellulären Matrix zusammen. Insbesondere den Perizyten wird eine spezielle Funktion bei der Geweberegeneration zugeschrieben. Im aufbereitendem Fettgewebe gibt es 100 bis 500 Mal mehr aktive MSCs als in der gleichen Menge Knochenmark.“

 

Welche Vorteile hat die AMFAT-Therapie gegenüber einer Knorpelzelltransplantation?

Dr. Kniffler: „Die AMFAT-Therapie kann in einer einmaligen Sitzung vorgenommen werden. Die entnommenen Fettzellen werden direkt im OP bearbeitet und an die geschädigte Stelle appliziert. Bei einer Knorpelzelltransplantation (ACT) sind zwei Operationen notwendig, weil im ersten Behandlungsschritt Knorpelzellen aus dem Knie entnommen werden. Diese werden dann im Labor vermehrt und in einer zweiten Operation wieder in das Kniegelenk eingebracht. Dadurch ist die Behandlungsdauer natürlich erheblich länger als bei der AMFAT-Therapie. Diese ist auch in Bezug auf die Behandlungskosten günstiger, ist allerdings wie eine PRP bisher noch eine reine Selbstzahlerleistung, während die Knorpelzelltransplantation bei entsprechender Indikation von den Krankenkassen getragen wird. Die AMFAT-Therapie eignet sich auch zur Behandlung von frühen Arthrosen mit diffusen Knorpelschäden im Gelenk, während die Knorpelzelltherapie nur bei klar umschriebenen und bis zum Knochen reichenden Knorpeldefekten Anwendung findet.“

 

Für welche Patienten kommt die Eigenfetttherapie in Frage?

Dr. Kniffler: „Von der Eigenfett-Therapie profitieren vor allem drei Patientengruppen: Das sind zum einen Patienten, bei denen eine Injektion von Hyaluronsäure oder PRP oder auch beide Verfahren in Kombination nicht zum gewünschten Erfolg der Schmerzreduktion geführt haben. Oder es sind zweitens Patienten, noch zu jung für eine Endoprothese sind, diese ablehnen und die stattdessen zunächst regenerative biologische Therapien zum Gelenkerhalt versuchen möchten. Und, wie schon erwähnt, Patienten, die unter einer frühen Arthrose leiden.“

 

Wie hoch ist die Erfolgsquote?

Dr. Kniffler: „AMFAT ist eine innovative Therapie, daher liegen noch keine Langzeitdaten vor. Die Applikation von AMFAT als Gewebezubereitung ist in Deutschland aufgrund von regulatorischen Gründen momentan nur in Fettkörper möglich. Dazu gibt bis jetzt nur vereinzelte, positive Erfahrungsberichte. Im Ausland wird AMFAT direkt ins Knie (intraartikulär) appliziert, analog der Hyaluronsäure oder dem PRP. Dort gibt es von verschiedenen europäischen und amerikanischen Forschungsgruppen vielversprechende mittelfristige Ergebnisse, die eine deutliche Schmerzreduktion über 12 bis 36 Monate zeigen. Auch hat die Mehrheit der Patienten, die mit AMFAT behandelt wurde, ihr natürliches Kniegelenk erhalten können, und musste sich nicht einer Gelenkersatzoperation unterziehen.“

 

Welche Risiken/Komplikationen hat die AMFAT-Therapie?

Dr. Kniffler: „AMFAT wurde mittlerweile weltweit über 50.000 Mal eingesetzt mit sehr geringen Risiken und Komplikationen und kann daher als sicher bezeichnet werden.

Wie bei jeder Fettgewebeentnahme können vorübergehend lokale Schmerzen entstehen. Bei unsachgemäßer Fettentnahme können vereinzelt blaue Flecken sowie minimale ästhetische Veränderungen entstehen. Und wie bei jeder Spritze ins Knie besteht ein sehr geringes Risiko einer Infektion. Auch entsprechende Studien berichten nur selten von Effekten wie leichten Schmerzen oder Schwellungen, die innerhalb weniger Tage von selbst wieder verschwinden.“

 

Welche weiteren Entwicklungen erwarten bzw. erhoffen Sie im Rahmen der Arthrosetherapie im Kniegelenk?

Dr. Kniffler: „Wir möchten unsere Patienten so schonend wie möglich behandeln und so wenig und schonend operieren wie es nur geht. Vor allem wollen wir den endoprothetischen Gelenkersatz vermeiden. Leider gibt es noch keine allheilende Arthrosetherapie. Aber die sich entwickelnden biologischen Behandlunge, wie die Eigenfetttherapie, sind sehr vielversprechend in ihrem Ansatz, einen weiteren Verschleiß zu unterbinden oder zumindest stark zu verzögern. Auch die operativen Behandlungen von vollschichtigen, großen Knorpelschäden können immer schonender und erfolgreicher ausgeführt werden. Was ebenfalls vielversprechend klingt, ist eine Kombination aus einer regenerativen Knorpeloperation und einer biologischen Behandlung. Hier scheinen die langfristigen Ergebnisse noch besser zu sein, weil die eine Therapie die andere unterstützt.“

 

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