Das stabile Knie: Personalisierte Behandlungsoptionen beim Riss des vorderen Kreuzbandes


Knieverletzungen mit Beteiligung der Kreuzbänder heilen ohne Therapie nur selten zur Zufriedenheit der Betroffenen aus. Meist folgt im Alter dann der Knieersatz. Doch das muss nicht sein, sagt Prof. Dr. Rudolf Schabus, langjähriger Team-Arzt der Österreichischen Tennismannschaft beim Davis-Cup.


Knieverletzungen gehören zu den häufigsten Verletzungen im Bereich des Bewegungsapparates. An erster Stelle der beschädigten Bandstrukturen des Knies steht (nicht nur bei Profi-Sportlern) das vordere Kreuzband. Gerade Sportarten mit abrupten Dreh- und Stoppbewegungen wie Fußball, alpines Skifahren, Tennis, Squash etc. sind dafür prädestiniert.

Bleibt eine operative Therapie des gerissenen Kreuzbandes aus, kommt es zur zunehmenden Instabilität und Fehlbelastung des Kniegelenks. Der ehemals gesunde Gelenkknorpel verschleißt und mit ihm der darunterliegende Knochen. Schmerzen und Bewegungseinschränkungen bestätigen die Diagnose: Kniearthrose.

Im Normalzustand kommt dem vorderen Kreuzband eine bewegungsführende und stabilisierende Funktion zu. Da das Kniegelenk, als Drehscharniergelenk mit großem Gelenkkopf (Oberschenkel) und relativ kleiner und flacher Gelenkpfanne (Schienbein) ziemlich instabil ist, braucht es ein ausgewogenes Zusammenspiel vieler Muskeln, Sehnen, Menisken (Faserknorpel der am Schienbein die Auflagefläche vergrößert und Druck abpuffert) und Bänder.

Zu letzterem gehören die beiden Kreuzbänder: das vordere und das hintere Kreuzband. Sie verbinden in der Mitte des Kniegelenks Oberschenkel und Schienbein. Blickt man seitlich auf das Gelenk, erkennt man, dass die beiden Kreuzbänder durch ihren unterschiedlichen Ursprung und Ansatz ein X bilden, sich sozusagen überkreuzen.

Je nach Stellung des Gelenks führen die Kreuzbänder unterschiedliche Funktionen aus. Ohne sie könnte der Roll-Gleit-Mechanismus des Kniegelenks nicht reibungslos ablaufen. Sie verhindern die  Verschiebung der Knochen und schränken die Dreh- und Streckbewegung ein.

Um alle seine Funktionen erfüllen zu können, ist das vordere Kreuzband aus unterschiedlich langen Fasern zusammengesetzt, die man in zwei große Hauptbündel unterteilen kann. Das vordere-innere Bündel ist bei Kniebeugung angespannt, das hintere-äußere Bündel bei Kniestreckung. Damit eine möglichst große Kraft aufgenommen werden kann, fächern sich die Fasern des Kreuzbandes am Knochen, wo sie befestigt sind, auf. In den letzten Jahren hat die Häufigkeit der vorderen Kreuzbandrisse stetig zugenommen. Immer mehr Menschen betreiben Risikosportarten und auch in immer höherem Alter. Meist sind neben den  Kreuzbändern auch andere Kniestrukturen beschädigt, was die Instabilität noch erhöht. Doch von alleine kann ein Kreuzband nicht heilen.

Gerade junge, aber auch sportliche ältere Menschen profitieren von einer operativen Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes.

Ziel der Operation ist es, das Gleichgewicht der Kräfte im Kniegelenk wiederherzustellen und eine sichere und stabile Führung zu garantieren. So wird auch die Gefahr zusätzlicher Gelenkschäden (Arthrose) minimiert.

Minimal-invasive Techniken (sog. Schlüsselloch-Operationen) versprechen hohe Erfolgsraten. Dennoch gibt es auch hier Unterschiede. Am häufigsten findet bislang die Einfach-Bündel-Technik  (SingleBundle = SB) Verwendung. Dabei wird nur ein Faserbündel durch körpereigenes Sehnenmaterial ersetzt. Bessere Resultate liefert hingegen die Mehrfach-Bündel-Rekonstruktion (DoubleBundle = DB). Sie ermöglicht einerseits die verschiedenen Funktionen des natürlichen Kreuzbandes wiederherzustellen, andererseits bietet sie einen größeren Kreuzband-Durchmesser an der Verankerungsstelle am Knochen. Da der Durchmesser wesentlich für die Stabilität und die Kraftübertragung ist, bietet die Mehrfach-Bündel-Rekonstruktion die aktuell beste Therapieoption für Risse des vorderen Kreuzbandes. Im Gegensatz zu Einfach-Bündel-Technik kann durch das zweite Faserbündel auch die Rotationsinstabilität verhindert werden, die bei der Einfach-Bündel-Technik oft keine optimale Stabilisierung erzielt.

Wichtig vor jeder Behandlung ist das ausführliche Gespräch mit einem erfahrenen Spezialisten. Hier können Sie Ihre Wünsche bezüglich späterer Belastung und Sportausübung kundtun. Der Unfallchirurg kann seinerseits die individuellen Möglichkeiten zur Behandlung Ihrer Gelenkschäden darlegen. Gemeinsam entscheiden sie über die individuell beste Therapievariante.

Um den dauerhaften Erfolg Ihrer Behandlung zu garantieren, muss mehrere Wochen ein bestimmtes Training, das im Rehabilitationsaufenthalt erlernt wird, durchgeführt werden. Dazu gehören zu Beginn Schonung und passive Bewegung, später ein ausführliches Konzept aus Physiotherapie und aktiver Bewegung. Damit ermöglichen und erleichtern Sie ihren Sehnen, Muskeln und dem Kniegelenk die Regeneration. Bis zur Wiederaufnahme der vollen Funktionsfähigkeit und Sportreintegration müssen jedoch mehrere Monate einberechnet werden.

Mehr Informationen und Kontaktmöglichkeiten zu Prof. Dr. Rudolf Schabus finden Sie hier.

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