Dr. Heino Kniffler rät Sebastian Rode, er sollte sein Comeback langsam angehen.


Knorpelverletzungen

Sebastian Rode von Eintracht Frankfurt musste nach einer Verletzung im Halbfinal-Rückspiel der Europa-League am Knie operiert werden. Für den 28-Jährigen Mittelfeldspieler war es bereits die dritte Knorpelverletzung im Knie. Nach der Operation zeigte er sich dennoch optimistisch, seine Profikarriere fortsetzen zu können. Dr. Heino Kniffler ist Spezialist für Knorpelchirurgie und Mitinhaber der Praxisklinik Orthopädie im GesundheitsZentrum Kelkheim. Er rät Sebastian Rode vor allem eines: Er sollte sein Comeback langsam angehen.

Interview: Susanne Amrhein, Primo Medico

 

Dass beim Fußball Muskeln, Bänder oder der Meniskus reißen, kommt häufiger vor. Wie aber konnte sich Sebastian Rode die Knorpelschicht im Knie verletzen?

Dr. Kniffler: „In erster Linie war es sicher Pech. Eine Knorpelverletzung ist vergleichsweise eher selten. Der Knorpel in unseren Gelenken gilt eigentlich als recht widerstandsfähiges Gewebe. Wenn allerdings eine extreme Spitzenbelastung, wie sie bei einem Sprung, vom Fuß auf das Kniegelenk bei einer ungünstigen Gelenkstellung weitergegeben werden kann, kann es durchaus passieren, dass auch der Knorpel ausreißt. Das war offenbar hier der Fall.“

 

Wie gefährlich ist so eine Verletzung für die Karriere eines Profisportlers wie Sebastian Rode?

Dr. Kniffler: „Das Problematische am Knorpel, der unsere Knochen schützt, ist, dass er keine eigene Selbstheilungstendenz aufweist. Dass heißt, wenn ein Knorpelschaden entsteht, wird er nicht wieder von alleine besser. Im Gegenteil: Der Schaden wird immer größer. Für Sportler ist das natürlich eine fatale Entwicklung und eine Katastrophe, da die Belastungsfähigkeit des Kniegelenks erheblich herabgesetzt ist.“

 

Sebastian Rode wurde bereits operiert – welche Therapie kann ihm helfen?

Dr. Kniffler: „Problematisch bei Herrn Rode ist, dass er bereits drei Knorpelverletzungen erlitten hat. Je häufiger ein Gelenk operiert werden muss, desto schlechter sind die Heilungschancen. Wenn er sich nur für einen leichten Eingriff entschieden hat, ist die Frage, wie langfristig der Effekt anhält. Bei kleineren Knorpelschäden bis maximal 3 Quadratzentimeter kann man den ausgerissenen Knorpel glätten und durch Anbohren des Knochens erwirken, dass Blut einströmt und sich dadurch ein Faserknorpel bildet. Dieser ist allerdings längst nicht so belastbar wie der normale Gelenkknorpel. Meines Erachtens wäre es bei einer Verletzung wie bei Sebastian Rode sinnvoll, eine Knorpelzelltransplantation durchzuführen. Dazu wird bei einem ersten Eingriff aus einem unversehrten Bereich des Gelenks Knorpel entnommen und im Labor nachgezüchtet. Nach drei bis sechs Wochen kann dieser Knorpel dann in einer weiteren Operation auf die geschädigte Stelle im Gelenk aufgebracht werden. Diese Methode ist äußerst erfolgreich und erzielt gute Langzeitergebnisse. Bei uns in Deutschland gibt es an der Uni Freiburg ein Knorpelregister, in das bereits die Daten von knapp 7000 Patienten eingepflegt sind, die auch wissenschaftlich ausgewertet werden.  Allerdings braucht diese Methode Zeit. Ein Profisportler wie Sebastian Rode sollte mindestens ein halbes Jahr Pause machen, um eine vollständiges Ausheilen des Kniegelenks zu ermöglichen. Dann erst könnte er ganz langsam mit dem Aufbautraining anfangen. Vorausgesetzt, seine Bänder sind intakt, die Beinachse ist korrekt und auch der umgebende Gelenkknorpel ist unversehrt – ein guter Facharzt und Knorpelspezialist sollte das alles im Blick haben.“

 

Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass Sebastian Rode seine Profikarriere fortsetzen kann?

Dr. Kniffler: „Ich sehe durchaus gute Chancen, dass er weiter spielen kann. Selbst diese dritte Knorpelverletzung muss nicht zwangsläufig das Ende seiner Karriere bedeuten. Ich hoffe sehr für ihn, dass er sich bei der Behandlung nicht für eine ‚Schnellschuss-Lösung’ entschieden hat. Und vor allem hoffe ich, dass er geduldig genug ist und seinem Knie zunächst eine lange Pause zu gönnt, bevor er es wieder im Profisport belastet. Meine Prognose ist, dass er bestimmt ein Jahr braucht, um wieder seine volle Leistungsfähigkeit zu erlangen und um mit sicherem und gutem Gefühl auf dem Platz zu stehen.“ 

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