„Am Gefährlichsten sind die Luftschwinger“


„Am Gefährlichsten sind die Luftschwinger“

Es heißt ja, Boxen sei ein harter, aber sehr sicherer Sport. Wie groß die Verletzungsgefahr im Ring wirklich ist, bewerten der Münchner Spezialist für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Dr. Denys J. Loeffelbein, und der Spezialist für Sporttraumatologie, Dr. Andreas Lenich, ebenfalls aus München, im Boxwelt-Interview:

 

Welches sind die häufigsten Verletzungen beim Boxen?

Dr. Loeffelbein: Häufig sind Cuts im Weichteilgewebe, meist am Auge. Das sieht zwar dramatisch aus, ist aber in der Regel harmlos. Die Cuts werden geklebt oder genäht und heilen innerhalb einer Woche wieder ab. Überhaupt kann man die meisten Gesichtsverletzungen wie z.B. Jochbein- oder Nasenbeinbrüche problemlos auch noch ein paar Tage später versorgen. Und selbst wenn bei einem Knock-Out-Schlag von unten der Kiefer brechen sollte, ist das in der Regel alles gut behandelbar.

Dr. Lenich: Im Bereich der Schultern und Arme werden häufig die Bänder und Sehnen in Mitleidenschaft gezogen. Und es kann auch mal sein, dass durch Schläge, bei denen ja hohe Kräfte auf die Gelenke einwirken, langfristig eine Arthrose entsteht. Aber die meisten Verletzungen kann man durch eine starke Muskulatur kompensieren.

 

Bei welchen Verletzungen muss sofort eine Behandlung durchgeführt und der Kampf abgebrochen werden?

Dr Lenich: Aus meiner Sicht bei einer Schulterluxation, also einer Ausrenkung. Oder bei Bänderrissen am Ellenbogen, dann ist dieser gesamte Bereich instabil und der Boxer verliert seine Schlagkraft. Diese Verletzungen entstehen übrigens selten bei Treffern, sondern am Gefährlichsten sind die Luftschwinger: Wenn der Gegner ausweicht und der Schlag ins Leere trifft. Dann ist die Gefahr einer Bänderdehnung oder eines Sehnenrisses enorm hoch.

Dr. Loeffelbein: Im Bereich des Gesichts ist eine Verletzung der Augenhöhle eine heikle Angelegenheit. Dort befinden sich nur papierdünne Knochenwände, die bei einer Druckerhöhung, z.B. durch einen Schlag auf das Auge, reißen können. Das nennen wir eine sogenannte Blow-Out-Fraktur, bei der akute Erblindungsgefahr droht. Sichtbar wird es durch Einblutungen oder wenn der Boxer nach so einem Treffer plötzlich nichts mehr sieht. Dann ist höchste Eile geboten.

 

Also Hand aufs Herz: ist Boxen tatsächlich ein sicherer Sport?

Dr. Loeffelbein: Ja, gar keine Frage. Das Boxtraining gehört zu den härtesten Trainings überhaupt. Die Sportler verfügen über Durchhaltevermögen, sind sehr beweglich und trainieren ja auch extra ihre Zielsicherheit und das dazugehörige Ausweichen. Eine Gefahr sehe ich erst am Ende einer Karriere: Wenn die notwendige Fitness nicht mehr gewährleistet ist, steigt auch das Verletzungsrisiko. Wichtig ist natürlich das Tragen eines Zahn- und Kopfschutzes.

Dr. Lenich: Ich bin selbst Kampfsportler und kann bestätigen, dass die Verletzungsrate beim Boxen im Vergleich mit z.B. Fußball extrem niedrig ist. Viele Boxer kämpfen überhaupt nur im Sparring, also mit Regeln und Vereinbarungen, die Verletzungen weitgehend verhindern.

 

Interview: Susanne Amrhein

PD Dr. med. Andreas Lenich und PD Dr. med. Dr. med. dent. Denys J. Loeffelbein sind Mitglieder bei PRIMO MEDICO, dem Netzwerk für medizinische Spezialisten

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