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Kieferaufbau: Knochenaufbau für Implantate

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Informationen zum Bereich Kieferaufbau

Was versteht man unter einem Kieferaufbau?

Unter dem Kieferaufbau beziehungsweise der Kieferaugmentation versteht man operative Verfahren in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, um insbesondere den alveolären Knochenanteil in zahnlosen Bereichen im Unter- und Oberkiefer wieder aufzubauen. Hauptursache für den Knochenabbau im Ober- und Unterkiefer ist der Zahnverlust, der neben traumatischen Ereignissen auch Folge einer Parodontitis sein kann.

Gründe für einen Kieferabbau

Der Alveolarknochen zieht sich dort zurück, wo ein Zahn durch einen Unfall oder durch eine Extraktion nicht mehr im Kiefer steht. Dies ist eine Folge von horizontalen und vertikalen Resorptionsprozessen im Alveolarknochen. Die horizontale Resorption beginnt dabei stets an den dünnen Außenwänden der Alveole.

Auch die Parodontitis führt zu einem Knochenabbau, allerdings noch während die Zähne im Kieferkamm verankert sind. Es ist ein entzündlicher Prozess des Zahnhalteapparates, der dazu führt, dass der Alveolarknochen sich so weit zurückzieht, dass die Zähne einfach “herausfallen”. Nicht nur bei einer Entzündung, die von natürlichen Zähnen ausgeht, kann sich der Knochen zurückbilden, sondern auch während einer Entzündung bei einem Zahnimplantat. Man spricht dann von der sogenannten Periimplantitis. Hierbei entzündet sich das Knochenbett um das Implantat herum, was ebenfalls dazu führt, dass der Knochen hier abgebaut wird.

Ein Knochenabbau im Ober- und Unterkiefer kann auch die Folge jahrelangen Tragens einer Prothese sein. Da die Zähne in ihrem Zahnfach an speziellen Fasern aufgehängt sind, wirkt sich jede Druckbelastung auf die Zähne so aus als wäre es eine Zugbelastung, was dazu führt, dass der Knochen konstant bleibt in seinem Volumen. Bei einer Teil- oder Totalprothese existieren keine Zugkräfte mehr, die Prothese bietet dem Kieferkamm eher eine Druckbelastung, was letztendlich dazu führt, dass der Knochen an diesen Stellen resorbiert wird.

Um die einzelnen Resorptionsklassen weiter klassifizieren zu können, hat man sie nach Cawood und Howell in sechs Klassen eingeteilt, wobei Klasse 1 einen bezahnten Kiefer darstellt und Klasse 6 einen stark atrophierten Kieferknochen beschreibt.

Wie kann man den Kieferknochen wieder aufbauen?

Man kann den Knochen mit verschiedenen Knochenersatzmaterialien wieder aufbauen, wobei man zusätzlich stets Wachstumsfaktoren einsetzt (sogenannte BMPs, Bone morphogenetic Proteins), die die mesenchymalen Zellen zu Knochen produzierenden Zellen (Osteoblasten) umwandeln sollen.

Guided Bone Regeneration (GBR)

Bei diesem Verfahren wird, nach dem Knochenmaterial oder etwaiges Ersatzmaterial eingebracht wurde, dieses mit einer Membran umhüllt. Die Membran hat die Aufgabe das schnelle Wachstum der umliegenden Weichgewebe zu dämmen, weil diese im Verhältnis zum Knochen schneller wachsen. Häufig benutzt man dazu resorbierbare Membranen, die zumeist aus Kollagenen bestehen, sodass ein zweiter Eingriff zur Entfernung der Membran entfällt und somit auch die Gefahr weiterer Infektionen oder Wundheilungsstörungen verringert wird.

Bone Splitting

Das Bone splitting kommt oft bei schmalem Kieferkamm zum Einsatz. Man trennt den Kieferkamm dabei in zwei Teile und dehnt diese aus, wobei eine Kieferkammbreite von mindestens 3 Millimetern vorhanden sein muss, um zu beiden Seiten des Kiefers hin genügend Knochenstärke zu garantieren. Auch in der Höhe muss der Kiefer eine Mindeststärke von 12 Millimetern haben. Ist der Kiefer entsprechend geformt, können bei gegebenem Knochenaufbau Implantate gesetzt werden.

Autogener Knochen

Im Regelfall ist autogener Knochen die erste und meist auch beste Wahl, um Knochen aufzubauen. Bei kleineren Knochenaugmentationen können auch Transplantate aus dem Unterkiefer an definierten Stellen erfolgen. Dabei fräst man den Knochen zylindrisch heraus oder entnimmt ihn mit der Hilfe eines Knochenblocks. Dieses Verfahren ist für gewöhnlich unproblematisch, weil der Knochen an den entnommenen Stellen wieder nachwächst. Heutzutage gehört dieses Verfahren zu den Routinemaßnahmen bei vorhandenem Knochendefizit, bei denen Implantate und Prothesen nach zahnärztlicher Kunst gesetzt werden sollen. Sind die Aufbauten im Kiefer aufwendiger, werden meistens Knochentransplantate aus anderen Körperbereichen, wie beispielsweise dem Beckenkamm entnommen.

Allogenes und Xenogenes Material

Allogenes Material war in den 1980er Jahren als sogenannter lyophilisierter allogener Knorpel zum Kieferaufbau benutzt worden. Heutzutage wird das Verfahren nicht mehr angewendet. Xenogenes Material beschreibt Knochenersatz tierischer Herkunft (porzin oder bovin). Da hier ein Risiko zur Übertragung sogenannter Prionen besteht, dem Auslöser der Rindergrippe BSE, wird das Material heutzutage deproteinisiert, sodass nur der anorganische Anteil des Knochens übrig bleibt, und in dieses Material neuer Knochen einwachsen kann.

Kieferaufbau für Zahnimplatate

Während man früher Knochen aufgebaut hat, um beispielsweise ein Prothesenlager besser positionieren zu können, man dann aber festgestellt hat, dass die Misserfolge größer waren als die Erfolge solcher Eingriffe alleiniger Knochenaufbauten, hat man sich zu einer Kehrtwende entschieden: Heute baut man Knochen in der Oral- und MKG-Chirurgie nahezu ausschließlich nur in Verbindung mit Implantaten auf.

Das Ziel ist hierbei, genug Knochenmaterial zur Stabilisierung des Implantates zu schaffen. Baut man nämlich Knochen auf ohne einer nachfolgenden kausalen Therapie, so baut sich der Knochen in höchstens drei Jahren wieder ab.

Heute herrschen verschiedene Auffassungen über vertikale Knochenaufbauten wie zum Beispiel bei der GBR-Methode: Während einige Studien davon ausgehen, dass die Ergebnisse vertikaler Augmentationen recht gut vorhersehbar seien, gibt es ebenso zahlreiche Studien, die besagen, dass es bisher noch kein zuverlässiges Verfahren zum Kieferaufbau, vor allem im hinteren Bereich des Unterkiefers, gibt.

Quellen:

https://books.google.de/books?id=bb4gAAAAQBAJ&pg=PA62&redir_esc=y&hl=de#v=onepage&q&f=false

https://media.zwp-online.info/archiv/pub/sim/oj/2004/0j0204/oj0204_20_24_muller.pdf

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