Leberkrebs-Tumor-Therapie mit In-situ Split


Leberchirurgie

Das relativ junge „In-situ Split“-Verfahren der Leber ermöglicht das Erhalten der Leberfunktion nach der Entfernung von Metastasen oder Tumoren.

Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

 

Die magische Grenze liegt bei etwa 30 Prozent: So viel gesunde Leber muss vorhanden sein, um das Organ trotz bestehender Krebserkrankung retten zu können. Seit etwa neun Jahren operiert der Spezialist für Leberchirurgie, Prof. Dr. med. Wolfram T. Knoefel, am Universitätsklinikum Düsseldorf nach der neuen Methode des „In-Situ-Splittings“: „Dieses Verfahren beruht auf der fantastischen Fähigkeit der Leber, unglaublich schnell neues und funktionsfähiges Gewebe zu produzieren. In nur etwa 14 Tagen ist das neue Gewebe ausgereift, um die Funktion des Organs sicher zu stellen. Bei uns in der Klinik operieren wir nach dieser Methode etwa 30 Patienten pro Jahr. Deutschlandweit wären es mindestens 500 bis 600 Fälle, die von diesem Verfahren profitieren würden, wenn sie die Gelegenheit dazu hätten“.

Gesunde Leber von der kranken trennen

Das In-Situ-Splitting beruht auf dem Effekt, dass die Leber das Warnsignal „Benötige Wachstumsfaktoren“ aussendet, sobald die Blutzufuhr des Organs nicht ausreicht. Dieses Phänomen hat sich die Viszeralchirurgie bereits in den 90er Jahren zunutze gemacht, in dem sie bei Tumorerkrankungen die Blutgefäße in der rechten Leberhälfte verschlossen hat, um ein Neuwachstum gesunder Zellen zu bewirken (Portalvenenembolisation, PVE). Für die Dauer von vier bis sechs Wochen wuchs bei dieser Methode allerdings nicht nur neue, gesunde Leber heran, sondern auch der Tumor oder Metastasen konnten sich weiterhin ausbreiten. „Dies verhindern wir mit dem In-Situ-Split“, erklärt Prof. Knoefel. „Wir können nach einer Leber-Szintigraphie genau erkennen, wie gut die Funktion der gesunden Leber ist. In einer ersten Operation trennen wir daher die gesunde Leber von der kranken und durchtrennen die entsprechenden Pfortaderäste, um die Versorgung des Tumor-Bereichs zu unterbinden.“ Prof. Knoefel und sein Team haben festgestellt, dass die gesunde Leber nach der  Trennung vier Mal so schnell wächst wie bei der herkömmlichen Methode. Bereits nach 7 bis 14 Tagen sind die neuen Zellen in der Lage, die Funktion des Organs sicher zu stellen. In einer zweiten Operation kann anschließend der erkrankte Leberbereich vollständig entfernt werden.

 

Sichere und risikoarme Operation

Der chirurgische Eingriff, der in der Regel bei geöffneter Bauchdecke erfolgt, gelinge in etwa 95 Prozent aller Fälle, bestätigt Viszeralspezialist Knoefel: „Man darf nicht verschweigen, dass zwei Bauch-OPs selbstverständlich belastend für die Patienten sind. Sie sollten nicht zu viele andere Erkrankungen haben oder zu alt und gebrechlich sein. Auch das Langzeitergebnis ist natürlich abhängig vom Allgemeinzustand der Betroffenen. Also ob sie unter Herz-, Lungen- oder Nierenproblemen leiden, ob der Krebs primär in der Leber entstanden ist oder ob es sich um Metastasen eines anderen Tumors handelt, der z .B. im Magen oder Darm angesiedelt ist“. Erreicht das erhoffte Leberwachstum nicht die Größenordnung wie erwartet, liege dies häufig an solchen Zweiterkrankungen oder bestehenden Infektionen. Bei einigen Patienten ist es zudem notwendig, die Krebsherde zunächst im Rahmen einer Chemotherapie zu reduzieren, ehe das In-Situ-Splitting zur Anwendung kommt.

 

Leberregeneration auch für andere Lebererkrankungen

Es ist durchaus denkbar, dass der Impuls für die Leberregeneration auch bei anderen Erkrankungen der Leber zum Tragen kommt, z.B. bei der gefürchteten Leberzirrhose, einem Absterben der Leberzellen. Da Stammzellen das Leberwachstum nachweislich stimulieren, ist auch dies laut Prof. Knoefel ein erfolgversprechender Ansatz in der Zirrhose-Therapie, der bei Leberresektionen bereits zum Einsatz kommt: „Wichtig ist auch, dass wir durch eine sorgfältige Diagnose genau klären können, welche Patienten von einem In-Situ-Split oder alternativen Verfahren profitieren. Ich gehe davon aus, dass Forschung und Verfahren sich so weiter entwickeln, dass wir in Zukunft auch Patienten mit großen Lebertumoren und Lebererkrankungen retten können durch den kombinierten Einsatz der verschiedenen Verfahren zur Tumortherapie und Leberregeneration. In den nächsten fünf bis zehn Jahren sollte dies möglich sein“.

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