Laut Prof. Knoefel kann eine OP bei Bauchspeicheldrüsenkrebs die Überlebenszeit verlängern


Pankreaskarzinom

Die Diagnose „Bauchspeicheldrüsenkrebs“ wird oft gleichgesetzt mit einem Todesurteil. Dabei kann in vielen Fällen durch eine Operation die Überlebenszeit deutlich verlängert werden, sagt Univ.-Prof. Dr. med. Wolfram T. Knoefel, Spezialist für Viszeralchirurgie und Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Düsseldorf.

Interview: Susanne Amrhein, Primo Medico

 

Warum ist die Überlebensrate bei Pankreaskarzinomen so niedrig?

Universitätsklinikum Düsseldorf Viszeralchirurgie

Prof. Knoefel: „Bauchspeicheldrüsenkrebs zeichnet sich leider durch ein sehr schwieriges Wachstumsmuster aus. Er breitet sich entlang der Gewebsschichten und um die Nerven aus und ist daher sehr schwierig zu entfernen. Daher ist es in 60 bis 80 Prozent der Patienten nicht möglich, das Tumorgewebe vollständig abzutragen. Eine Chance liegt in der Kombination aus Operation und Chemotherapie, die die Überlebensrate positiv beeinflussen kann.“

 

Ist Bauchspeicheldrüsenkrebs überhaupt heilbar und geht es vor allen Dingen darum, die Überlebenszeit zu verlängern?

Prof. Knoefel: „Wir freuen uns tatsächlich über immer mehr Langzeitüberlebende. Fünf Jahre nach der Diagnosestellung leben heutzutage noch 20 – 30 Prozent der Patienten. Und es macht große Hoffnung, dass es auch Patienten gibt, die einen Bauchspeicheldrüsenkrebs 10 Jahre und länger überleben können, ohne ein Rezidiv zu entwickeln. Also denke ich schon, dass man sagen kann: Ja, Bauchspeicheldrüsenkrebs ist in einigen Fällen heilbar und muss nicht zwangsläufig tödlich enden.’’

 

Welche Therapieoptionen gibt es bei Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Prof. Knoefel: „Bei örtlich begrenzten, Tumoren kommen grundsätzlich alle Therapieformen in Frage. Allerdings ist beim Pankreaskarzinom die Operation das einzige Verfahren, das wirklich heilen kann. Sofern es möglich ist, sollte es die Therapie erster Wahl sein. In einigen Fällen ist es sinnvoll, eine neoadjuvante Therapie voranzustellen. D.h. vor dem chirurgischen Eingriff zunächst eine Chemotherapie, oder sogar eine Radio- und Chemotherapie durchzuführen. Dadurch wird erreicht, dass der Tumor weniger vital ist und die Ausläufer im Gewebe oder an und in Gefäßen reduziert werden. Bei uns in der Klinik wird jeder Fall von Bauchspeicheldrüsenkrebs in einem fachübergreifenden Tumorboard besprochen. Dessen Empfehlung erläutern wir anschließend dem Patienten, der letztendlich die Entscheidung trifft. Wenn der Wunsch nach einem speziellen, individuellen Therapieversuch geäußert wird, erfüllen wir diesen natürlich, wenn möglich.“

 

Wie belastend ist eine Krebsoperation an der Bauchspeicheldrüse für die Patienten?

Prof. Knoefel: „Sie ist nur sinnvoll, wenn eine vollständige Entfernung des Tumors möglich ist und es höchstens einzelne Metastasen gibt, die gleichzeitig entfernt werden können. Es handelt sich ohne Frage um eine große, auch belastende Operation, bei der das Herz-Kreislauf-System, die Leber- und Nierenfunktion intakt sein müssen. Der Patient sollte vor der Operation fit sein. Bettlägerige Patienten z.B. operieren wir selten an der Bauchspeicheldrüse, wenn es nicht ein Notfall ist. Und sofern der Krebs ins Bauchfell gestreut hat oder sich bereits viele Metastasen in der Leber oder der Lunge gebildet haben, sollte man davon absehen.“

 

Wie aufwändig ist die chirurgische Entfernung eines Pankreaskarzinoms?

Prof. Knoefel: „Die Bauchspeicheldrüse befindet sich zentral im Oberbauch, in direktem Kontakt zu Leber, Magen, Darm und Niere. Sie ist ein sehr komplexes Organ, das u.a. Verdauungsenzyme bereitstellt. Wird die Bauchspeicheldrüse aufgeschnitten, kann es passieren, dass diese Verdauungsenzyme Gefäße und später auch die Nähte angreifen. Und dass Tumore der Bauchspeicheldrüse häufig entlang der Nervenscheiden wachsen, macht eine Operation nicht einfacher. Kleinere Tumore im Bereich des Bauchspeicheldrüsenschwanzes können auch minimal-invasiv, mit der sogenannten ‚Schlüssellochtechnik’ entfernt werden. In den meisten Fällen operieren wir aber offen, weil dadurch sicherer eine radikale Entfernung des Tumors gewährleistet werden kann. Eine komplette Entfernung des Tumors ist wichtig, weil der Bauchspeicheldrüsenkrebs leider häufig Rezidive entwickelt. Und wenn wir ehrlich sind, ist die Länge des Schnittes bei der Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs eher unwichtig.“

 

Wie groß ist die Gefahr, dass sich trotz erfolgreicher Operation Metastasen oder Rezidive bilden?

Prof. Knoefel: „Sie ist mit 70 bis 80 Prozent leider sehr groß. Wobei Lokalrezidive eher selten sein sollten, wenn man gut operiert, also den Tumor sicher komplett entfernt. Bei unseren Patienten tritt dies bei deutlich weniger als 10 Prozent auf. Sehr viel häufiger bilden sich Fernmetastasen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass bei 60 Prozent der Operationen Tumorzellen in Blutbahnen geschwemmt werden. Den Großteil tötet das Immunsystem eigenständig ab. Seit etwa 10 Jahren versuchen wir, die Gefahr durch eine adjuvante Chemotherapie nach der Operation einzudämmen. Man muss allerdings auch sagen: Wenn ein Patient 3 bis 5 Jahre nach der Entfernung eines Bauchspeicheldrüsentumors Metastasen in der Lunge bildet, ist er noch lange nicht verloren. Auch diese können mit guten Ergebnissen operiert werden. Wichtig ist, die vierteljährlichen Kontrolluntersuchungen wahr zu nehmen. Nur so können neue Tumore und Metastasen zuverlässig entdeckt und schnellstmöglich bekämpft werden.“

 

Welches Potential sehen Sie in der roboterassistierten Operation der Bauchspeicheldrüse, z.B. mit dem DaVinci Operationsroboter?

Prof. Knoefel: „Meiner Meinung nach ist bei Tumoren der Bauchspeicheldrüse ein taktiles Gefühl sehr wichtig, daher operieren wir ja auch überwiegend offen. Dieser sensitive Bereich befindet sich noch in der technischen Entwicklungsphase, aber ich erwarte hier rasante Fortschritte. Zurzeit sind vor allem neuroendokrine Tumore der Bauchspeicheldrüse ideal für den Einsatz des DaVinci. Ich gehe aber davon aus, dass roboterassistierte Operationsverfahren in 5 bis 10 Jahren Standard sein könnten.“

 

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