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Enddarmkrebs fast immer operabel

Rektumkarzinom

Dank schonender, moderner Operationsverfahren kann in den meisten Fällen nicht nur der Darmtumor entfernt werden, sondern auch die Blasenfunktion, Erektionsfähigkeit und die Schließmuskelfunktion erhalten werden, betont Prim. G.-Prof. Dr. med. univ. Klaus Dittrich, Chefarzt der Abteilung für Chirurgie im Landeskrankenhaus Korneuburg/ Stockerau in Österreich.

Interview: Susanne Amrhein, Primo Medico

Welche Erkrankungen machen eine Rektumoperation notwendig?

Prof. Dittrich: „Das ist immer dann der Fall, wenn im letzten unteren Darmbereich ein bösartiger Tumor erkannt wird. Polypen und gutartige Tumore können im Rahmen einer Darmspiegelung abgetragen werden. Allerdings ist hier Vorsicht geboten, wenn die Polypen z.B. eine gewisse Größe überschreiten und nicht im Ganzen entfernt werden können. Falls sich später herausstellt, dass es sich doch um ein Rektumkarzinom handelt, hat dieses beim Zerteilen möglicherweise gestreut.“

Welche Diagnoseschritte sind erforderlich, um gutartige und bösartige Enddarm-Tumore zu unterscheiden?

Prof. Dittrich: „Das ist zum einen die bereits erwähnte Darmspiegelung, während der eine Gewebeprobe entnommen werden kann. Falls sich hier ein Verdacht auf Bösartigkeit ergibt, erfolgt eine weitere Diagnostik mittels Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) oder Endosonografie, die zweifelsfrei das Ausmaß der Tumorerkrankung erkennen lassen. Es werden Größe, Höhe und Wanddurchdringung gemessen und der Tumor dementsprechend klassifiziert. Beschränkt sich z.B. ein T1- Tumor noch auf die Schleimhaut, so hat ein T4-Tumor bereits auf andere Organe übergegriffen.  Anschließend wird in einem fachbereichsübergreifenden Tumorboard die bestmögliche Therapie beraten und mit dem Patienten besprochen. Letztendlich entscheidet immer der Patient, welche Therapieoption er akzeptiert.“

Wie belastend ist eine Rektumoperation für die Patienten?

Prof. Dittrich: „Die gute Nachricht ist zunächst einmal, dass Rektumkarzinome fast immer operabel sind. Aber natürlich ist der Eingriff belastend, besonders dann, wenn eine Radio- und/ oder eine Chemotherapie vorgeschaltet sind oder die Patienten bereits ein höheres Lebensalter erreicht haben. Die meisten Patienten empfinden eine Strahlen- und Chemotherapie schlimmer als den chirurgischen Eingriff. Das liegt natürlich auch daran, dass die neuen Operationsverfahren sehr viel patientenschonendere Eingriffe ermöglichen. Während früher auch der Enddarm vorwiegend vom Bauch aus operiert wurde, werden Tumore, die maximal 10 cm vom After entfernt liegen, heute durch den Analkanal operiert. Bei tiefer liegenden Rektumkarzinomen bevorzuge ich ein sogenanntes ‚Rendevous’-Verfahren: Ein Team operiert laparoskopisch vom Bauch aus den oberen Enddarmabschnitt. Ein zweites Team, mit natürlichem Zugang durch den Schließmuskel, übernimmt den unteren Enddarmbereich. Bei Rektumkarzinomen wird bis auf wenige Ausnahmen der betroffene Darmbereich komplett entfernt. Durch die eben beschriebene Methode ist es möglich, Nerven und umliegende Organe bestmöglich zu schonen, so dass Blasen- und Schließmuskelfunktionen erhalten bleiben. Außerdem sind so der Gefühlserhalt bei Frauen sowie die Erektionsfähigkeit bei Männern gewährleistet.“

In welchen Fällen ist ein künstlicher Darmausgang notwendig?

Prof. Dittrich: „Ein künstlicher Darmausgang wird, wenn überhaupt, nur zur kurzfristigen Entlastung des operierten Enddarms gelegt. Je nach Heilungsprozess wird er nach zwei Wochen bis drei Monaten zurückverlegt, so dass wieder ein natürlicher Stuhlgang möglich ist. Ein dauerhafter künstlicher Darmausgang sollte nur im Notfall erwogen werden. Patienten mit Rektumkarzinomen sollten den Erhalt der natürlichen Schließmuskelfunktionen des Darms und der Blase und auch den Erhalt ihrer Sexualfunktion offensiv ansprechen und einfordern. Auch wenn die Rektumoperationen so aufwändiger und teurer werden – für die Lebensqualität der Patienten nach der Operation sind sie von unschätzbarem Wert.“

Wie gut sind die Heilungschancen bei Rektumkarzinomen?

Prof. Dittrich: „Die Überlebenszeiten sind sehr gut und die Rate der operationsbedingten Todesfälle liegt weit unter einem Prozent. Natürlich steigt die Gefahr von Komplikationen, je älter der Patient ist, und je mehr Vorbehandlungen er bereits erhalten hat. Bei der Mehrzahl der Patienten mit Rektumkarzinomen ist das Überleben selbst nicht mehr das größte Problem. Die essentiellen Körperfunktionen und dadurch auch die Lebensqualität zu erhalten, ist das große Ziel.“

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