Adipositas früher operieren


Magenverkleinerung

Bei krankhaftem Übergewicht sollte eine Operation die letzte Maßnahme zur Gewichtsreduzierung sein. Zu lange zögern sollten Betroffene allerdings auch nicht.

Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

 

Dass Ärzte dazu raten, ein gesundes Organ zu operieren, ist selten. Es zeigt, wie dringlich bei einigen Betroffenen die Notwendigkeit ist, abzunehmen.  Prof. Dr. med. Martin Büsing ist Spezialist für Adipositaschirurgie und Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Adipositaschirurgie im Klinikum Vest/Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen. Er und sein Team operieren jedes Jahr bis zu 500 Patienten mit extremem Übergewicht: „Nicht jeder, der es leid ist, Diät zu halten, wird am Magen operiert. Sondern diese Maßnahme greift bei Betroffenen, die ein krankhaftes Übergewicht, eine sogenannte morbide Adipositas, haben. Zu einem Body-Mass-Index (BMI) von mindestens 35 kommen noch relevante Begleiterkrankungen hinzu, wie z.B. Typ 2 - Diabetes, Schlaf-Apnoe oder Gelenkerkrankungen. Voraussetzung ist außerdem, dass sie bereits verschiedene Ansätze zur Gewichtsreduzierung verfolgt haben, ohne dass sich ein nennenswerter Erfolg eingestellt hat“. Zu Prof. Büsings Patienten gehören Männer und Frauen, die häufig deutlich mehr als 150 kg wiegen. Eine junge Frau kam mit einem BMI von 60 in seine Sprechstunde. „Für viele dieser extrem übergewichtigen Patienten ist eine Operation die einzige Chance, um wieder ein normales, selbständiges Leben zu führen“, erklärt Dr. Büsing. Manche Patienten sind so schwer und unbeweglich, dass sie mit Spezialrollstühlen und Hebevorrichtungen transportiert werden müssen. Sie können keinen Beruf ausüben, sind häufig sozial ausgegrenzt und leiden unter Depressionen.

 

Wie wird der Magen chirurgisch verkleinert?

Das am häufigsten durchgeführte Verfahren ist der sogenannte „Schlauchmagen“ (sleeve Resektion).  Wie der Name sagt, wird die natürliche Magenform chirurgisch auf die Form eines Schlauches reduziert. „Der Eingriff erfolgt unter Vollnarkose oder Regionalanästhesie grundsätzlich minimalinvasiv“, erläutert Prof. Büsing.  „So bleiben später nur kleine Narben zurück und die Wundheilung ist sehr viel unkomplizierter. Kamera und Operationsinstrumente werden durch nur 15-Millimeter-lange Schnitte in den Bauchraum eingeführt. Auf diesem Weg wird später auch der abgetrennte Bereich des Magens entfernt“. Als erste in Deutschland haben Prof. Büsing und sein Team eine Schlauchmagenbildung ambulant durchgeführt. Zehn Patienten haben Sie so bereits erfolgreich behandelt. Aber selbst bei stationärer Aufnahme dürfen die Patienten die Klinik bereits ein bis zwei Tage nach der OP verlassen. Um ihren neuen Magen zu schonen, bekommen sie Ernährungsempfehlungen für die ersten vier Wochen mit: Sie müssen viel trinken und von Brei- und Flüssignahrung allmählich auf festere Speisen umsteigen. Kohlesäurehaltige Getränke sollten dabei vermieden werden, da diese das Magenvolumen ansteigen lassen. Vier Wochen nach der OP erfolgt dann in der Klinik eine weiterführende Beratung.

 

Hilft eine Magenverkleinerung nachhaltig das Gewicht zu reduzieren?

Im Gegensatz zu einer Diät purzeln die Pfunde nach einer Adipositas-OP recht schnell, betont Prof. Büsing: „50 Prozent des Übergewichts verschwinden wie von selbst, da der Magen nicht mehr so viel Nahrung aufnehmen kann und auch das Hungergefühl deutlich reduziert ist. Weitere Kilos schwinden dann durch eine Umstellung des Lebensstils, also gesündere Ernährung und mehr Bewegung. Bei 80 Prozent unserer operierten Patienten verzeichnen wir eine deutliche Gewichtsabnahme. Eine junge Frau, die mit 170 kg vor uns auf dem OP-Tisch lag, hat anschließend 65 kg abgenommen“. Es dauert ca. 1 Jahr, bis die maximale Gewichtsabnahme nach einer Magenverkleinerung erreicht ist. Viele Betroffene spüren aber bereits wenige Wochen nach der Operation, dass ihre Kleidung lockerer sitzt. Die Gewichtsabnahme wirkt sich vor allem positiv auf den Stoffwechsel aus: 70 Prozent der Typ-2-Diabetiker sind nach einem Adipositas-Eingriff nicht mehr zuckerkrank, so Prof. Büsing. Wichtig für einen nachhaltigen Effekt sei die Teilnahme an Nachsorgeprogrammen: „Laut Leitlinie ist jede Klinik bei Adipositas-Patienten lebenslang für die Nachsorge verantwortlich. Nicht wenige sind jedoch der Meinung, sie kommen alleine klar. Fünf Jahre nach einer Operation sind nur noch ein Drittel der Patienten an einer Nachsorge interessiert. Das zeigt sich dann auch in den Langzeitstudien. Hier haben zwar immerhin noch 40 bis 50 Prozent der Operierten ihr extremes Übergewicht verloren. Durch die Annahme von Nachsorgeangeboten könnten es aber deutlich mehr sein“.

 

Sollten mehr Adipositas-Patienten operiert werden?

Aus Sicht des Chirurgen würde Prof. Büsing in vielen Fällen lieber früher operieren. Obwohl es auch in Deutschland immer mehr Adipositas-Patienten gibt, werden jedes Jahr nur etwa 14.000 Menschen aufgrund ihres Übergewichts operiert. In Frankreich sind es acht bis neun Mal so viele. Hinzu kommt, dass viele Patienten bereits älter als 50 Jahre sind, wenn sie sich Hilfe suchen und zu einer Magenverkleinerung entschließen. Während die Krankenkassen bei der Übernahme der Kosten noch sehr zögerlich agieren, fordern Mediziner wie Prof. Büsing, schwere Fälle von Adipositas frühzeitiger per Operation zu behandeln: „Wenn wir bereits in einem frühen Stadium operieren, können wir den Betroffenen viele Folgeerkrankungen und den Kassen deren Behandlungskosten ersparen. Zur Zeit übernehmen die Krankenversicherungen die Eingriffe erst ab einem BMI von mindestens 35 und nachdem die Betroffenen nachgewiesen haben, dass sie mindestens ein halbes Jahr lang verschiedene, ernsthafte Versuche unternommen haben, ihr Gewicht zu reduzieren“. Hinzu kommt das Problem, dass es häufig nicht mit einer Operation getan ist. „Ohne eine konsequente Umstellung der Ernährung und des Lebensstils werden die Betroffenen trotz OP wieder zunehmen“, warnt Adipositas-Experte Büsing. „Spätestens in dem Moment, in dem die Kilozahl auf der Waage wieder steigt, geben sich viele Patienten auf. Dabei können wir nach einer Schlauchmagen-OP durchaus noch weitere Verfahren anwenden, um die Nahrungsaufnahme im Körper zu reduzieren, z.B. durch einen Magenbypass“. Ein Patient, der es mit Hilfe von Prof. Büsing geschafft hat, dem Adipositas-Teufelskreis zu entkommen, ist Peter K.: Er hatte sich mit Mitte 50 und 152 kg auf der Waage zu einer Schlauchmagen-Verkleinerung entschieden. Innerhalb eines Jahres waren dann nicht nur 60 kg verschwunden, sondern auch sein Typ-2-Diabetes. Fünf Jahre nach der OP hatte er sich allerdings wieder 10 neue Kilos angefuttert und auch der Diabetes kam zurück. Nachdem sein Magen in einem Folgeeingriff durch einen Bypass überbrückt wurde, hat er erneut 15 Kilogramm abgenommen und konnte fortan wieder auf die Insulinspritzen verzichten.

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