Gefährliche Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse


Pankreastherapie

Die Bauchspeicheldrüse ist lebenswichtig für die Verdauung und die Regelung des Blutzuckerspiegels. Erkrankungen dieses wichtigen Organs sind leider selten harmlos, erklärt Prof. Dr. Thomas Zöpf, Spezialist für Gastroenterologie und Klinikdirektor der Gastroenterologie der St. Vincentius-Kliniken und des Diakonissenkrankenhauses Karlsruhe.

Interview: Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

 

Was macht Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse so gefährlich?

Prof. Zöpf: „Die Bauchspeicheldrüse liegt anatomisch ungünstig im Bauchraum vor der Wirbelsäule unter hinter vielen anderen Organen des Verdauungstrakts. Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung und auch Bauchspeicheldrüsenkrebs verursachen erst spät Symptome. In vielen Fällen ist eine erfolgreiche Behandlung dann nicht mehr möglich.“

Wie werden Entzündungen der Bauchspeicheldrüse behandelt?

Prof. Zöpf: „Wir unterscheiden zwischen akuten und chronischen Entzündungen der Bauchspeicheldrüse. Eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung (akute Pankreatitis) wird meist durch sichtbare oder versteckte Gallensteine verursacht. Sie äußert sich in vor allem in starken Bauchschmerzen und erfordert eine dringliche Behandlung, ähnlich wie ein Herzinfarkt. Leider gibt es keine Wundermedikamente, um den Verlauf zu beeinflussen. Es geht vor allem darum, schädliche Auswirkungen auf Niere und Lunge zu verhindern. Bei Entzündungen der Bauchspeicheldrüse kommt es zu einem hohen Flüssigkeitsverlust, da die Blutgefäße porös werden. Dadurch tritt Flüssigkeit durch die Gefäßwände in das umliegende Gewebe ein. Eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (chronische Pankreatitis) wird vor allem durch Alkoholmissbrauch und Rauchen verursacht. Sie führt zu einer fortschreitenden Zerstörung der Drüse, Vernarbungen oder Steinen im Bauchspeicheldrüsengang. Hier wurden in den vergangenen Jahren neue Behandlungstechniken entwickelt. Unter anderem ist es möglich, endoskopisch Engstellen, die den Fluss der Verdauungssäfte behindern, zu erweitern, Drainagen anzulegen oder Steine zu zertrümmern. Diese aufwändigen Eingriffe können helfen, die Zeit bis zu einer Operation zu überbrücken oder sie im besten Fall überflüssig zu machen.“

Wie sind die Überlebenschancen bei Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom)?

Prof. Zöpf: „Unsere Diagnosemöglichkeiten haben sich zwar verbessert, aber da Tumore der Bauchspeicheldrüse leider erst spät Symptome verursachen, werden sie meist zu spät entdeckt, um eine Heilung zu erreichen. Wenn überhaupt, dann sind die besten Heilungschancen bei Pankreaskarzinomen von einem Durchmesser unter 2 Zentimetern gegeben. Leider gehören Bauchspeicheldrüsenkarzinome zu den Tumoren, die sehr früh kleinste, versteckte Absiedelungen, Metastasen, bilden, die sich über das Blutsystem überall im Körper verbreiten können. Selbst wenn eine Operation erfolgreich verläuft, kommt es häufig an anderer Stelle zu einem Wiederauftreten der Krebserkrankung. Eine echte Heilung durch eine OP ist höchstens in 5 bis 10 Prozent der Fälle möglich.“

Welche anderen Behandlungsmethoden gibt es?

Prof. Zöpf: „Eine Operation ist bei Pankreaskarzinomen das einzige Behandlungsverfahren, das eine potentielle Heilung ermöglicht. Systemische Therapien, wie eine Chemo- oder Immuntherapie, oder auch eine Bestrahlung (Radiotherapie) dienen dazu, das Wachstum der Tumore zu bremsen und die Überlebenszeit zu verlängern. Die Behandlung von Bauchspeicheldrüsentumoren ist anspruchsvoll und sollte in spezialisierten und zertifizierten Pankreaskrebszentren wie unserem erfolgen.“

Welchen Vorteil haben Patienten in einem Pankreaskrebszentrum?

Prof. Zöpf: „In einem zertifizierten Zentrum können sich Patienten sicher sein, dass die behandelnden Ärzte auf dem neuesten Stand der Wissenschaft und Technik sind. Diese Qualifikationen werden jährlich überprüft. Die Pankreaschirurgie ist eine  Königsdisziplin der Viszeralchirurgie. Es kommt auf eine hohe Expertise durch die operierenden Chirurgen an. In Zentren sollten mindestens 30 Pankreasoperationen pro Jahr durchgeführt werden. In Kliniken ohne Pankreasschwerpunkt sind es vielleicht nur 3. Auch das Zusammenspiel der verschiedenen Fachbereiche ist wichtig, um den größtmöglichen Behandlungserfolg für die Patienten zu erzielen.“

Warum sind Pankreasoperationen zu aufwändig?

Prof. Zöpf: „Allein der Zugang zur Bauchspeicheldrüse im hinteren Bauchraum ist kompliziert. Eine Pankreas-OP dauert lange und gehört zu den anspruchsvollsten Eingriffen im Verdauungstrakt. Die Bauchspeicheldrüse stellt sozusagen einen Verkehrsknotenpunkt dar. Zusätzlich zum Tumor muss aus Sicherheitsgründen auch immer etwas umgebendes, gesundes Gewebe mit entfernt werden. Dadurch kann es nötig werden, zwischen Gallenwegen, Magen, Milz oder Zwölffingerdarm neue Verbindungen oder Umleitungen zu schaffen. Es ist ohne Frage ein schwerer Eingriff für die Patienten, dessen Vor- und Nachteile sorgfältig abgewogen werden müssen. Bei uns im Pankreaszentrum verfügen wir allerdings über ein effektives post-operatives Management, das uns erlaubt, selbst über 80-Jährige zu operieren, wenn die Voraussetzungen stimmen.“

Sind minimal-invasive Operationen der Bauchspeicheldrüse möglich?

Prof. Zöpf: „Wir operieren in der Regel offen. Es gibt verschiedene Ansätze, um Pankreasoperationen auch laparoskopisch auszuführen. Diese kommen aber vorwiegend bei Erkrankungen des Bauchspeicheldrüsenschwanzes in Frage. Durch die Lage der Bauchspeicheldrüse im hinteren Bauchraum, hinter Magen und Darm und der Darmaufhängung, ist ein endoskopischer Zugang schwierig.“

Welche Rolle spielt die Roboter-assistierte Pankreaschirurgie?

Prof. Zöpf: „Bei einigen, höchst komplizierten Operationen der Bauchspeicheldrüse kann die Roboter-assistierte Chirurgie Vorteile bringen. Allerdings ist sie extrem teuer, nicht weit verbreitet und wird wohl auch in Zukunft eher die Ausnahme bleiben.“

 

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