Sichere Hirntumor-Operationen


Gehirntumore

Dank 3-D-Simulationen, computergestützter Navigation und vielfältigen Überwachungsprogrammen ist die Entfernung von Hirntumoren deutlich schonender und präziser geworden, erklärt Prof. Dr. med. Makoto Nakamura, Spezialist für Neurochirurgie und Chefarzt der Neurochirurgischen Klinik der Kliniken der Stadt Köln in Merheim.

Interview: Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

 

Was sind die häufigsten Hirntumore?

Prof. Nakamura: „Am weitesten verbreitet in der Bevölkerung sind die meist gutartigen Tumore, die aus der Hirnhaut entstehen: sogenannte ‚Meningeome’. Sie wachsen langsam und verursachen oft keinerlei Probleme. Häufig handelt es sich um Zufallsbefunde während einer anderen Untersuchung. Ähnlich häufig entstehen Tumore aus dem Stützgewebe der Nervenzellen. Der Fachbegriff lautet ‚Gliome’. Auch Neurinome (gutartige Tumore des peripheren Nervensystems) und Hypophysenadenome (Tumore der Hirnanhangsdrüse) gehören zu den häufigeren Krebserkrankungen des Gehirns.

Welche Hirntumore stellen die größte Herausforderung dar?

Prof. Nakamura: „ Neurochirurgen sind operierende Ärzte, d.h. wir entfernen Tumore im Gehirn, die aufgrund ihrer Größe, ihrer Lage und ihrer Nähe zu wichtigen Strukturen des Gehirns gefährlich werden können. Am Schwierigsten zu erreichen sind Tumore der Schädelbasis. Sowohl der Zugang als auch die Operation selbst in diesem tiefliegenden Bereich des Schädels ist eine Herausforderung. Das gleiche gilt für Tumore, die in der Nähe wichtiger Funktionszentren liegen, die möglichst unversehrt bleiben sollen.“

Gibt es Patientengruppen, die besonders häufig von Hirntumoren betroffen sind?

Prof. Dr. med. Makoto Nakamura - Hirnspezialist

Prof. Nakamura: „Die meisten Hirntumore treten sporadisch auf, d.h. es gibt keinen erblichen Zusammenhang. Auch wenn immer wieder Stress oder elektromagnetische Felder durch die Nutzung von Handys ins Gespräch kommen, gibt es dafür bisher keinen Nachweis. Bestätigt ist allerdings ein höheres Risiko für Patienten, die als Kinder oder Jugendliche am Kopf bestrahlt wurden. Auch Überlebende, die radioaktiver Strahlung ausgesetzt waren, entwickeln häufig einige Jahrzehnte später Hirntumore. Zudem registrieren wir gewisse Häufungen. So treten Meningeome doppelt so häufig bei Frauen auf wie bei Männern und meist im 5. oder 6. Lebensjahrzehnt. Es gibt einige seltene Erkrankungen wie Neurofibromatose oder das Turcot-Syndrom, in deren Verlauf bestimmte Hirntumore entstehen. Aber dies sind, wie gesagt, seltene Sonderfälle.“

Welche Beschwerden entstehen durch Hirntumore?

Prof. Nakamura: „Ob Hirntumore spürbare Symptome auslösen, hängt von der Art und Lage des Tumors ab. Gutartige Meningeome oder Akustikusneurinome  (Tumore im Bereich des Hör- und Gleichgewichtsnervs) wachsen langsam, im Schnitt höchstens 1 bis 3 Millimeter im Jahr. Wenn sie überhaupt Beschwerden verursachen, dann erst ab einer bestimmten Größe, indem sie wichtige Funktionen stören oder auf einen Nerv drücken. Bösartige Tumore dagegen wachsen schnell und drücken durch ihre Raumforderung spürbar auf umliegende Strukturen, in die sie leider häufig auch hineinwachsen und sie zerstören.“

Wovon ist es abhängig, ob ein Hirntumor operiert wird?

Prof. Nakamura: „Die wichtigste Frage ist, ob der Hirntumor jetzt oder später Probleme bereitet. In dem Fall würde man ihn möglichst operieren. Einen Zufallsbefund, der gar keine oder unklare Symptome, wie z.B. Schwindel oder Kopfschmerzen verursacht, würde man zunächst beobachten. Erst wenn er nachweislich Blutgefäße oder andere Gehirnstrukturen stört, würde man eine Operation planen. Natürlich werden bei einer Risikoabschätzung auch das Alter, die Lebenserwartung und der Allgemeinzustand des Patienten berücksichtigt. Wir wollen den Patienten mit einer Operation ja helfen und sie nicht etwa weiter belasten oder einschränken.“

Operationen am Gehirn sind mit starken Ängsten verbunden: Inwiefern können moderne Operations- und Überwachungsverfahren dazu beigetragen, notwendige Eingriffe im Gehirns sicherer zu machen?

Spezialist für Neurochirurgie Prof. Nakamura bei Diagnose

Prof. Nakamura: „In der Tat haben viele Patienten große Angst vor der Operation. Hinterher sind die meisten allerdings dankbar und froh, weil eine große Last von ihren Schultern gefallen ist. Wir verfügen in der Neurochirurgie mittlerweile über viele Verfahren, die Tumoroperationen im Gehirn deutlich sicherer machen. Schon vor der OP können wir für die Planung eine Art Landkarte des Gehirns erstellen (brain mapping), an der wir uns während des Eingriffs orientieren können. Wir können eine 3-D-Simulation des Gehirns erstellen, um den bestmöglichen Zugang zum Operationsbereich zu planen.  Während der Operation selbst gibt es die sogenannte Neuronavigation: Ein Computerprogramm, das wie das Navigationssystem beim Auto anzeigt, wo genau wir uns mit unseren Instrumenten befinden. Hinzu kommt das sogenannte neuro-physiologische intra-operative Monitoring. Das bedeutet nichts anderes, als dass wir während der Operation bestimmte Nerven stimulieren um sicher zu gehen, dass wir deren Funktion durch die OP nicht stören. Wir haben intra-operative Bildgebungsverfahren, um zu überprüfen, ob wirklich das gesamte Tumorgewebe entfernt wurde. Alle diese Methoden tragen dazu bei, dass ein Hirntumor so schonend und sicher entfernt werden kann, wie möglich.“

Als wie belastend empfinden Patienten ist die Entfernung von Hirntumoren?

Prof. Nakamura: „Die meisten Patienten sind unglaublich erleichtert, wenn sie nach dem Eingriff aufwachen und spüren, dass sie sich normal bewegen und sprechen können. Ein möglicher Wundschmerz steht dabei überhaupt nicht im Vordergrund. Anders sieht es natürlich aus, wenn durch die Entfernung des Hirntumors vorübergehend Funktionsstörungen auftreten. Das können vorübergehende Lähmungserscheinungen oder Sprachstörungen sein. Hier ist es wichtig, den Patienten Hoffnung zu machen. Denn durch ein entsprechendes Reha-Training können viele Funktionen wieder hergestellt werden. Die meisten Bewegungs- oder Sprachstörungen sind nur vorübergehend oder lassen sich zumindest deutlich verbessern.“

Welche Form der Narkose wird angewendet?

Prof. Nakamura: „Hirntumore werden normalerweise in Vollnarkose entfernt. Es gibt Sonderfälle, bei denen eine Wach-OP notwendig ist, um etwa die Funktion des Sprachzentrums zu überwachen. Aber von den meisten Eingriffen spüren die Patienten gar nichts.“

Wie lange dauert die Heilungsphase?

Prof. Nakamura: „Die Behandlung erfolgt stationär. Die Patienten bleiben zwischen 7 und 10 Tagen im Krankenhaus. Einige können bereits nach 4 bis 5 Tagen entlassen werden. Die Wundheilung ist unproblematisch. Nach 8 Tagen werden die Fäden gezogen und schon nach 10 oder 12 Tagen können die Patienten wieder vorsichtig ihre Haare waschen. Anschließend raten wir den Patienten, sich zuhause 3 bis 4 Wochen zu erholen, ehe sie an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.“

Wie gut sind die Heilungschancen von Hirntumoren?

Prof. Nakamura: „Das hängt stark von der Art des Tumors ab. Bei gutartigen Meningeomen, die vollständig entfernt werden konnten, sind die Heilungsaussichten sehr gut. Und selbst wenn Meningeome an schwierigen Stellen wachsen, so dass sie nicht vollständig entfernt werden können, heißt das nicht unbedingt, dass sie erneut Probleme bereiten. Bösartige Glioblastome sind dagegen sehr schwer zu behandeln. Die Gefahr, dass sie trotz Operation und Chemo- oder Radiotherapie erneut auftreten, ist leider sehr groß.“

Gibt es aktuelle Forschungen oder Entwicklungen, die Operationen von Hirntumoren in Zukunft noch verbessern könnten?

Chefarzt der Neurochirurgischen Klinik der Kliniken der Stadt Köln in Merheim Prof. Nakamura

Prof. Nakamura: „Auch in der Neurochirurgie hat die Robotik bereits Einzug gehalten. Wir verwenden bei uns in der Klinik ein roboter-gestütztes Verfahren zur Entnahme von Gewebeproben (Biopsie). Ansonsten gehen technische Entwicklungen vor allem in die Richtung der verbesserten Sichtbarkeit von Hirntumoren. Bei der ALA-Floureszenz-Mikrochirurgie werden Tumorzellen durch die Gabe eines Medikaments eingefärbt. Durch die Beleuchtung mit einem speziellen Operationsmikroskop kann man später genau sehen, welches Gewebe entfernt werden muss und welches nicht. Mit einem ähnlichen Ansatz arbeitet eine Operationssonde, die in der Lage ist, selbst kleinste Tumorzellen zu identifizieren. Es gibt also in der Tat einige neue Entwicklungen, die uns in der Neurochirurgie noch weiter nach vorne bringen werden.“

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