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Wann muss die Wirbelsäule operiert werden?

Prof. Dr. med. Rohde - Spezialist für Neurochirurgie - Portrait

Prof. Dr. med. Rohde

Klinikdirektor

Neurochirurgie

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Wirbelsäulenchirurgie

Universitätsklinikum Göttingen (UMG) Außenansicht

Negative Berichte über unnötige Operationen der Wirbelsäule verunsichern viele Patienten. Bei bestimmten Beschwerden ist ein Eingriff allerdings eine gute Option, erklärt Prof. Dr. med. Veit Rohde, Spezialist für Neurochirurgie und Direktor der Neurochirurgischen Klinik im Universitätsklinikum Göttingen.

Interview: Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

Welche Krankheitsbilder der Wirbelsäule müssen operativ behandelt werden?

Prof. Veit Rohde auf Station am Universitätsklinikum Göttingen

Prof. Rohde: „Dies betrifft vor allem Wirbelsäulenerkrankungen, die zu neurologischen Ausfällen führen. Das kann ein Bandscheibenvorfall sein, der Lähmungen verursacht. Oder eine Einengung des Rückenmarks im Bereich der Halswirbelsäule, die zu Gehstörungen führt. Eine zweite Indikation für eine Wirbelsäulen-OP sind Instabilitäten, wie sie z.B. durch osteoporotische Frakturen, ein Trauma, also eine Wirbelsäulenverletzung, Entzündungen oder Tumoren an der Wirbelsäule ausgelöst werden können. Eine relative Indikation für einen chirurgischen Eingriff wäre eine anhaltende Schmerzsymptomatik, unter der ein Patient leidet. Das könnte z.B. ein Bandscheibenvorfall sein, der durch konservative Behandlungsmethoden nicht zufriedenstellend behandelbar ist.“

Sind diese Eingriffe minimal-invasiv möglich?

Prof. Rohde: „Die meisten Eingriffe an der Wirbelsäule sind wenig invasiv möglich, z.B. durch endoskopische Techniken oder den Einsatz von kleinen Trokaren (Punktionsinstrumenten). Bei einer Operation zur Stabilisierung der Wirbelsäule erlauben die Assistenz von Navigation und Roboter minimal-invasive Zugänge.“

Eingriffe an der Wirbelsäule sind häufig angstbehaftet. Welche Vorteile bietet die Behandlung in einer großen neurochirurgischen Klinik wie bei Ihnen in Göttingen?

Universitätsklinikum Göttingen Pflege am Bett

Prof. Rohde: „Die Ängste werden vor allem durch negative Presseberichte geschürt, in denen immer mal wieder der Vorwurf laut wird, viele Wirbelsäulenoperationen seien unnötig. Dem muss man allerdings entgegenstellen, dass große Unikliniken keinen kommerziellen Druck haben, d.h. sie müssen nicht aus finanziellen Gründen operieren. Der zweite Vorteil an groß aufstellten Kliniken ist, dass sie das gesamte Spektrum der Wirbelsäulenchirurgie und diverse Operationstechniken anbieten, um für die Patienten die bestmögliche Therapie auszuführen. Und sie verfügen in der Regel über eine hervorragende und moderne Ausstattung.“

Wie können Sie Schäden der Wirbelsäule wie z.B. bei einem Bandscheibenvorfall oder einer Spinalkanalstenose operativ korrigieren?

Prof. Rohde: „Bei einem Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule entfernen wir tendenziell nur den hervorgebrochenen Anteil der Bandscheibe, um die Nervenwurzel zu entlasten. Nur für den Fall dass das Bandscheibenfach, aus dem die Bandscheibe hervorgebrochen ist, sehr weit eröffnet ist, würde man auch diesen Bereich operieren. Bei der Spinalkanalstenose ist die Strategie eine andere. Hier muss man Platz schaffen für die Nervenwurzel, meist an beiden Seiten. D.h. hier entfernt man insbesondere knöcherne Anteile und verdickte Bandanteile und das in vielen Fällen auf beiden Seiten in einer sogenannte Unterschneidetechnik von einer Seite.“

Nicht selten liegen im Bereich der Wirbelsäule mehrere Erkrankungen vor, z.B. Verengung des Wirbelkanals plus Wirbelgleiten. Können Sie diese während eines Eingriffs operieren?

Prof. Rohde: „Wenn beide Erkrankungen tatsächlich Beschwerden verursachen, können wir diese auch beide in einer Operation korrigieren. Der Eingriff wird dadurch nicht schwieriger oder länger. Falls wir allerdings einen Befund haben, bei dem eine Erkrankung Symptome verursacht und die andere nicht, würde man nur das Beschwerde verursachende Krankheitsbild operieren. Das könnte zum Beispiel der Fall sein bei einem Bandscheibenvorfall in einem Bereich der Wirbelsäule, der Schmerzen und neurologische Ausfälle verursacht, und einem Wirbelgleiten in einem Bereich darunter, das keine Symptome auslöst. Wir führen in der Neurochirurgischen Klinik keine vorbeugenden Eingriffe durch und wir operieren auch keine Bildbefunde. Für einen chirurgischen Eingriff an der Wirbelsäule muss immer eine klare Indikation bestehen.“

Wie erfolgreich sind Operationen der Wirbelsäule?

Universitätsklinikum Göttingen Prof. Rohde OP

Prof. Rohde: „Das ist schwierig allgemein zu beantworten, da es natürlich viele verschiedene Erkrankungen der Wirbelsäule gibt. Bandscheibenoperationen sind in der Regel äußerst erfolgreich in Bezug auf den Rückgewinn der Bewegungsfähigkeit und der Lebensqualität. Allerdings besteht hier in fünf bis fünfzehn Prozent der Fälle die Gefahr eines Wiederauftretens (Rezidiv-Gefahr), und zwar unabhängig vom initialen Erfolg der Operation. Beim Bandscheibenvorfall gibt es individuelle Risikofaktoren, die meist schon im Vorfeld zeigen, ob ein Rezidiv wahrscheinlich ist oder nicht. Bei der Spinalkanalstenose erreichen wir langfristig über einen Zeitraum von sehr vielen Jahren einen deutlichen Anstieg der Lebensqualität. Hier entspricht die Erwartungshaltung der Patienten meist dem tatsächlichen Erfolg des Eingriffs. Das gleiche gilt eigentlich auch für Eingriffe im Bereich der Halswirbelsäule. Hier gibt es allerdings eine Einschränkung: Wenn durch eine Verengung (Stenose) in der Halswirbelsäule das Rückenmark gequetscht wird, kann eine Operation häufig nur eine weitere Verschlechterung verhindern, aber nicht sämtliche Beschwerden beseitigen.“

Welche Komplikationen können auftreten?

Prof. Rohde: „Bei Bandscheibenoperationen gilt es vor allem, einen erneuten Bandscheibenvorfall in diesem Bereich zu verhindern. Falls dieses Risiko besteht, kann man das Loch im Bandscheibenfach mit einer Art Stöpsel verschließen. Bei der operativen Behandlung einer Spinalkanalstenose gibt es kaum nennenswerte Risiken. Im Bereich der Halswirbelsäule sind in Folge eines chirurgischen Eingriffs von vorne verstärkte Verschleißerscheinungen unter- und oberhalb der operierten Stelle möglich. Falls bei notwendigen Stabilisierungsoperationen der Wirbelsäule die Knochensubstanz nicht gut genug ist, besteht ein höheres Risiko des Versagens der Stabilisierung. Hier haben wir aber immer die Möglichkeit, die Stabilisierungstechnik daran anzupassen. Insgesamt liegt das Risiko eines Nerven- oder Rückenmarkschadens bei normalen Eingriffen deutlich unter einem Prozent.“

Wie lange dauert die Heilungsphase nach einer Wirbelsäulenoperation?

Prof. Rohde: „Die meisten Patienten sagen nach etwa sechs Wochen ‚Jetzt passt es wieder’ und kehren zurück in ihr normales Alltagsleben. Bei stabilisierenden Wirbelsäulenoperationen dauert die Ausheilphase etwa drei Monate.“

Welche Entwicklungen erwarten Sie im Laufe der nächsten Jahre für die Wirbelsäulenchirurgie?

Prof. Rohde: „Navigationsgesteuerte und roboterassistierte Operationen sind jetzt schon in einigen Bereichen Routine, werden sich aber sicher noch flächendeckender durchsetzen. Alles was die Präzision während der Wirbelsäulenoperationen erhöhen kann, wird sich sicher noch fortentwickeln, dazu zählen im Rahmen der Bildgebung auch die intraoperative Computertomographie (CT). Skeptisch bin ich in Bezug auf die weitere Entwicklung von Implantaten. Bisherige Versuche mit Bandscheibenprothesen waren nur bedingt erfolgreich. Schlussendlich wäre es wichtig, vergleichende Studien für die verschiedenen Bereiche der Wirbelsäulenchirurgie anzulegen. Viele der bisherigen Studien kranken daran, dass sie keine vergleichenden Daten enthalten.“

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