Wenn „Herzstolpern“ zur Gefahr wird


Herzstolpern

Fast jeder Mensch ist im Laufe seines Lebens von Herzstolpern betroffen. Ob diese harmlos oder lebensbedrohlich sind, klärt eine Untersuchung beim Kardiologen.

Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

 

Albertinen Herz- und Gefäßzentrum HamburgFast jeder, egal ob alt oder jung, hat es schon einmal gespürt: einen komischen Extraschlag des Herzens, wie ein kurzes Stottern eines Automotors oder ein Stolpern mit Extraschritt beim Gehen.

Die meisten dieser „Herzstolperer“ sind harmlos, beruhigt Prof. Dr. med. Karsten Sydow, Chefarzt der Kardiologie im Albertinen Herz- und Gefäßzentrum in Hamburg. „Wir unterscheiden zwischen Herzrhythmusstörungen, bei denen das Herz entweder zu langsam oder zu schnell schlägt. Beide können harmlos aber auch gefährlich sein.

Klarheit bringt ein schmerzloses EKG, ein Elektrokardiogramm. Damit der berühmte Vorführeffekt ausgeschlossen wird, sollte bei Verdacht auf Herzrhythmusstörungen am besten ein Langzeit-EKG von mindestens 24 bis 48 Stunden aufgezeichnet werden.“ Ob Betroffene ihre Herzrhythmusstörungen spüren, ist individuell sehr verschieden, so der Kardiologe. Einige spüren Extraschläge, und bekommen dadurch sogar Panikattacken. Andere spüren gar nichts. Zu den möglichen Symptomen von Herzrhythmusstörungen gehören Schwindel und Unwohlsein bis hin zur Ohnmacht. Außerdem geraten einige Betroffene selbst bei leichterer Belastung in Atemnot.

Herzrasen ernst nehmen

Bei schnellen, sog. tachykarden Herzrhythmusstörungen, kann die Herzfrequenz auf 150-200 Schläge pro Minute ansteigen. Dadurch haben die Herzkammern nicht genügend Zeit, um zu erschlaffen und sich neu zu füllen. In Folge dessen ist das Herz zu schwach und die Pumpfunktion eingeschränkt. Bei einer langsamen, sog. bradykarden Herzrhythmusstörung, schlägt das Herz weniger als 50 Mal pro Minute. Auch bei dieser Störung wird mitunter zu wenig Blut in den Kreislauf gepumpt. Häufig wird diese Erkrankung erst bei körperlicher Belastung auffällig, wenn die Herzfrequenz nicht ausreichend ansteigt.

Unbehandelt können Herzrhythmusstörungen zu einer Herzinsuffizienz, einer Herzmuskelschwäche, führen. Darüber hinaus können insbesondere bei schnellen Rhythmusstörungen strukturelle Veränderung in den Vorhöfen entstehen: U.a. können sich Blutgerinnsel bilden, die einen tödlichen Schlaganfall, einen Herzinfarkt oder eine Thrombose/Embolie auslösen können.

Wie kann man Herzrhythmusstörungen behandeln?

„In vielen Fällen, besonders bei den langsamen Herzrhythmusstörungen können wir durch eine Reduzierung von Medikamenten, die Patienten aufgrund anderer Erkrankungen nehmen, oder durch eine gezielte Medikamentengabe die Ursache der Herzrhythmusstörungen beheben“, erklärt Prof. Sydow. „Dies gilt zum Beispiel bei Veränderungen in der Blutzusammensetzung, bei einer Elektrolytstörung oder einer Schilddrüsenerkrankung. Für den Fall, dass wir keine behebbare Ursache für den zu langsamen Herzschlag finden und der Patient darunter symptomatisch ist, kann ein Schrittmacher die Herzfrequenz korrigieren.“

Bei schnellen, tachykarden Herzrhythmusstörungen, gibt es außerdem die Möglichkeit der Verödungstherapie, einer sog. elektrophysiologischen Untersuchung (EPU) in Ablationsbereitschaft: Per Katheter werden die Stellen im Herzen oder in den angrenzenden Lungengefäßen, die den rasenden Herzschlag auslösen, ermittelt und die krankhaften Leitungsbahnen durch Strom- oder Kälteabgabe verödet

„Außerdem haben wir bei Herzflimmern aus den Vorhöfen die Möglichkeit der elektrischen Kardioversion.“, so Prof. Sydow. Dazu müssen wir zunächst per Ultraschall ausschließen, dass sich im Herzen bereits Gerinnsel gebildet haben. Wenn nicht, wird dem Patienten unter einer leichten Narkose via Medikamentengabe über die Vene, durch Elektroden auf dem Brustkorb oder durch sogenannte „Paddels“ ein Stromstoß versetzt, der das Herz kurz zum Stillstand bringt. Anschließend nimmt es von selbst wieder einen normalen Takt auf.“

Herzrhythmusstörungen dauerhaft heilen

Es kann durchaus sein, dass eine elektrische Kardioversion mehrfach durchgeführt werden muss, bis das Herz wieder einen normalen Rhythmus halten kann. Der Vorteil dieser Methode ist, dass sie ambulant erfolgen kann. Nach der Behandlung bleibt der Patient noch wenige Stunden zur Beobachtung in der Klinik, ehe er nach Hause entlassen wird. Aufgrund der erfolgten Narkose dürfen die Patienten den Heimweg nicht mit dem eigenen Auto antreten.

Bei der Verödung, der Katheterablation, sind 1-2 Nächte zur stationären Beobachtung ratsam. Bei der Implantation eines Schrittmachers reicht mitunter sogar eine Nacht. „Eine klassische Reha, wie z.B. nach einem Herzinfarkt, ist bei diesen Therapien in der Regel nicht notwendig“, betont Prof. Sydow. „Die beste Nachsorge ist ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und ausreichender, moderater Bewegung.“ Es spricht nichts dagegen, nach einer Herzrhythmus-Therapie wieder Sport zu treiben. Im Gegenteil: Sport und Bewegungen fördern die Pumpfunktion des Herzens.

„Allerdings sollte man sich bei intensiver Sonneneinstrahlung und Hitze schonen und bei starkem Schwitzen auch den Verlust von Elektrolyten ausgleichen. Es spricht nichts dagegen, selbst einen Halbmarathon mitzulaufen. Allerdings sollte man sich vorher gründlich kardiologisch durchchecken lassen.“ Dies gilt im übrigen auch für „vermeintlich“ junge Patienten im Alter von Ende 40 bis Anfang 50: Die Gefahr, aufgrund unentdeckter Beschwerden bei dieser extremen Belastung plötzlich mit Herzversagen zusammen zu brechen, ist durchaus gegeben. Grundsätzlich sollten insbesondere Männer schon ab dem 35. Lebensjahr eine kardiologische Untersuchung wahrnehmen, bevor sie mit intensiver sportlicher Betätigung neu beginnen.

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