Hirnmetastasen gezielt behandeln mit Strahlentherapie


Radiochirurgie

Die moderne Radiochirurgie ermöglicht die erfolgreiche Therapie von multiplen Hirnmetastasen in nur einer Sitzung, erklärt Prof. Dr. med. Bodo Lippitz, Spezialist für Neurochirurgie in der Radiologischen Allianz in Hamburg.

Interview: Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

 

Die Diagnose „Hirnmetastasen“ ist für die Betroffenen ein Schock – wie schmerzhaft und belastend ist eine radiochirurgische Therapie?

Prof. Dr. med. Bodo Lippitz, Spezialist für Neurochirurgie

Prof. Lippitz: „Der große Vorteil der modernen Radiochirurgie ist, dass wir Patienten ganz ohne Schnitte und sehr schonend behandeln können. Viele Ängste, mit denen Patienten zu uns kommen, stammen noch aus der Zeit, in der bei Tumoren oder Metastasen im Gehirn der gesamte Kopf bestrahlt wurde, was erhebliche Nebenwirkungen verursacht hat. Heutzutage bestrahlen wir zum Beispiel mit dem ‚Gamma Knife’ submillimetergenau nur den Tumor und schonen damit die umliegenden, gesunden Hirnareale. Um diese Präzision zu sichern, muss der Kopf des Patienten in einem stereotaktischen Ring fixiert werden. Dazu ist eine örtliche Betäubung notwendig, die etwa einer Betäubungsspritze beim Zahnarzt entspricht. Die Behandlung erfolgt ambulant. Im Anschluss kann der Patient normalerweise direkt wieder seinen Alltagsbeschäftigungen nachgehen.“

 

Wer einen Tumor oder Metastasen im Gehirn hat, wünscht sich nur eines: Sie sollen weg. Können Sie diesen Wunsch z.B. durch eine Behandlung mit dem Gamma Knife erfüllen?

Prof. Lippitz: „Das ist durchaus ein realistisches Ziel. Es kommt nur auf die Definition von ‚weg’ an. Wir sprechen von einer erfolgreichen Tumorkontrolle: Bei 90-95 Prozent der Behandlungen erreichen wir durch eine einzige Behandlung mit dem Gamma Knife, dass die Hirnmetastasen im späteren Leben keine Belastung mehr darstellen. Das bedeutet nicht, dass sie ganz verschwunden sind. Sie sind in der Bildgebung nach wie vor zu erkennen, verursachen aber keine Probleme mehr. So haben wir hervorragende Ergebnisse bei der Behandlung von Lungenkarzinom-Metastasen. Und selbst bei Hirnmetastasen, die als strahlungsresistent gelten, wie z.B. Ableger von Melanomen oder Nierenzellkarzinomen, erzielen wir Erfolge mit Hilfe der modernen Hochpräzisionsbestrahlung.“

 

Wie ist es möglich, auch multiple Hirnmetastasen in nur einer Sitzung zu bestrahlen?

Prof. Lippitz: „Der Effekt der Radiochirurgie entspricht dem eines Brennglases: Etwa 200 niedrig dosierte Strahlen werden in einem Zielpunkt gebündelt und erreichen erst dort gemeinsam ihre volle Wirkung. Wir können mit dieser Methode mehrere Hirnmetastasen nacheinander in einer Sitzung  behandeln, ohne dass größere Belastungen auftreten. So ermöglichen wir Patienten mit acht Metastasen die gleiche Prognose wie Patienten mit nur drei Metastasen. In unserem interdisziplinären Zentrum für Radiochirurgie wägen wir die optimale Therapie individuell für jeden einzelnen Patienten ab. In der Regel behandeln wir bis zu zehn kleinere Hirnmetastasen mit Hilfe der Präzisionsbestrahlung in einer Sitzung. Neben dem Gamma Knife stehen uns natürlich auch hochgenaue, sogenannte Linearbeschleuniger zur Verfügung, welche insbesondere bei größeren Metastasen zum Einsatz kommen. Bei Notwendigkeit zu einer operativen Therapie erfolgt bei wöchentlichen Tumorkonferenzen die Koordination mit der neurochirurgischen Klinik des AK Altona.“

 

Gibt es außer der Größe der Metastasen noch andere Bedingungen für die Behandlung mit dem Gamma Knife?

Prof. Lippitz: „In der Radiochirurgie leiden wir nicht unter dem Problem der strahlenresistenten Metastasen. Die Behandlungsindikation wird genau an die laufende onkologische Therapie angepasst und mit den behandelnden Onkologen abgestimmt. Bei der Präzisionsbestrahlung im Gamma Knife wird die Krebstherapie aber nicht unterbrochen. Auch die Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten wie z.B. Marcumar stellt kein Problem dar. Kinder behandeln wir leider nicht, da die Bestrahlung in Vollnarkose erfolgen müsste.“

 

Wie groß ist die Gefahr von Rezidiven, dem Wiederauftreten von Metastasen?

Prof. Lippitz: „Die Rezidivrate liegt bei unter fünf Prozent. Wobei sich aber leider nicht verhindern lässt, dass neue Metastasen auftreten. Selbst eine Ganzhirnbestrahlung könnte dies nicht ausschließen, da der Primärtumor für das Streuen der Krebszellen verantwortlich ist. Eine engmaschige Kontrolle unserer Patienten erlaubt aber die frühe Diagnose von eventuellen neuen Metastasen.“

 

Ist eine Wiederholung der Behandlung möglich?

Prof. Lippitz: „Manchmal ist es erforderlich, kleinere neue Metastasen durch wiederholte Präzisionsbestrahlung zu therapieren. Dies ist gut möglich. Eine wiederholte Behandlung derselben Metastase extrem selten. Die Radiochirurgie ist als mögliche Langzeitbehandlung angelegt.“

 

Welche Form der Nachsorge ist erforderlich?

Prof. Lippitz: „Da Metastasen wie eben erklärt immer wieder auftreten können, ist eine regelmäßige MRT-Kontrolle (Magnetresonanztomographie) nach jeweils drei Monaten für alle Patienten wichtig. So können wir alte und neue Bilder vergleichen und rasch auf Veränderungen reagieren.“

 

Wie groß ist die Gefahr von Folgeschäden der Strahlenbehandlung?

Prof. Lippitz: „Bei der Behandlung von größeren Metastasen kann es zu Gewebeirritationen kommen, die eine Schwellung auslösen. Diese bildet sich in der Regel von selbst zurück. Oder es kann, vor allem bei größeren Metastasen, durch die Bestrahlung zu sogenannten Radionekrosen kommen, einem (zu) raschen Absterben des Tumorgewebes. Aber dies sind Ausnahmen. Grundsätzlich ist die Radiochirurgie eine sehr schonende aber höchst-effektive minimal-invasive Krebstherapie.“

 

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