Pollenallergien in den Griff bekommen


Heuschnupfen

Pollenallergien in den Griff bekommen

Der erste Pollenflug im Jahr ist nicht nur nervig für Allergiker, sondern er kann auch schwerwiegende und dauerhafte Krankheitssymptome auslösen.

Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

Die Pollenallergie ist die häufigste allergische Erkrankung weltweit. Heutzutage leidet ungefähr jeder sechste Deutsche, also rund 20 Prozent,  an einer mehr oder weniger ausgeprägten Pollenallergie. Zunehmend betroffen sind Schulkinder und junge Erwachsene. Prof. Dr. med. Stefan Zielen ist Spezialist für respiratorische und allergische Erkrankungen und Chefarzt für Allergologie, Pneumologie und Mukoviszidose an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt.

Er empfiehlt  Patienten mit Heuschnupfen und allergischem Asthma eine genaue allergologische Untersuchung:  „Bei Heuschnupfen und Asthma im Rahmen einer Pollenallergie leiden die Betroffenen typischerweise im Frühjahr oder Sommer unter tränenden Augen, einer laufenden Nase oder pfeifenden Atemwegsbeschwerden. Fast jeder zweite Patient mit einer Pollenallergie leidet auch an überempfindlichen Bronchien, lästigem Reizhusten bis hin zu asthmatischen Beschwerden, die sich vor allem bei sportlichen Anstrengungen zeigen. Daher ist es wichtig, dass die Symptome sogar bei einem leichten Heuschnupfen beachtet und frühzeitig behandelt werden. 20 Prozent aller Deutschen leiden unter Allergien. Allerdings gehen nur 12 Prozent damit tatsächlich zur Abklärung zum Arzt“.

Wirksame Medikamente – teilweise  auf Kosten der Patienten

Am Anfang der Diagnostik steht der Allergietest an der Haut als PRICK-Test oder im Rahmen einer Blutuntersuchung die Bestimmung des spezifischen IgEs (Immunglobin E), ein Antikörper, der ursachlich für die Allergien verantwortlich ist. Um zu überprüfen, inwiefern die Funktion der Bronchien eingeschränkt ist bzw. ob ein Asthma vorliegt, kann der Facharzt eine Lungenfunktionsprüfung durchführen. Zusätzlich kann in der Ausatemluft  das Stickstoffmonoxid (eNO) gemessen werden. Typischerweise ist eNO bei Patienten mit allergischem Asthma erhöht. Für die Behandlung des Heuschnupfens stehen eine große Palette wirksamer Medikamente zur Verfügung, erklärt Prof. Zielen. Dabei können Augentropfen, Nasensprays (Kortisonsprays) oder auch Tabletten (Anti-Histaminika)  eingenommen werden, häufig auch in Kombination. Allerdings wird ein großer Teil dieser Medikamente, insbesondere Anti-Histaminika, nicht mehr von der Krankenkasse erstattet.

Sanfte Immuntherapie: Hoffnung für viele Allergiker

Die Heilung eines Pollenasthma oder einer Pollenallergie könne nur durch eine spezifische Immuntherapie, die sogenannte „Hyposensibilisierung“ erfolgen, betont Prof. Zielen: „ Diese Behandlungsform gilt als die einzige Behandlung der Pollenallergie, die das Übel an der Wurzel packt und das Immunsystem von «allergisch» auf «nicht-allergisch» modulieren kann. Bei dieser Therapie bekommt der Patient z.B. das Birken- oder Gräserallergen in steigender Dosis gespritzt, je nach Hersteller  als Kurzzeittherapie mit 4-9 Spritzen vor der Pollensaison, bis im Körper eine Toleranz entsteht, oder als ganzjährige Behandlung mit monatlichen Injektionen  Die Behandlung erfolgt über 3 Jahre“. Trotz guter Heilungsaussichten lehnen viele Kinder und auch Erwachsene eine solche Therapie ab: Sie empfinden Spritzen als unangenehm oder haben sogar Angst, sie fürchten akute Reaktionen wie z.B. eine schwere allergische Reaktion bis hin zum  Allergieschock und scheuen aus Zeitmangel die häufigen Arzttermine und Wartezeiten. „Genau aus diesen Gründen haben Arzneimittelhersteller vor etwa 8 Jahren eine sanfte Immuntherapie entwickelt“, erläutert Prof. Zielen, „Die Allergene werden in Form einer Tablette verabreicht, die sich unter der Zunge auflöst („sublingual“) und von den Betroffenen selbständig eingenommen werden kann. Diese Therapie ist bei gleicher Wirkung wesentlich besser verträglich als die herkömmliche Spritzentherapie. Und die Patienten empfinden es als großen Vorteil, dass diese Therapie eigenständig und ohne Gefahr zuhause durchgeführt werden kann“. Grundsätzlich gilt: Je früher eine Pollenallergie im Rahmen einer Hyposensibilisierung therapiert wird, desto besser sind die Heilungsaussichten. Bei Kindern und Jugendlichen ist der Erfolg dementsprechend größer als bei Erwachsenen, die bereits seit zwanzig Jahren unter Allergien leiden.

Eine Allergie kommt selten allein

Allergische Reaktionen auf Pollen bringen häufig weitere Überempfindlichkeiten mit sich, sogenannte Kreuzreaktionen, warnt Prof. Zielen: „Im Zusammenhang mit der Birkenallergie hat ungefähr jeder zweite Betroffene eine Nahrungsmittelallergie. Diese äußert sich meist unmittelbar beim Essen von Nüssen, rohen Früchten oder Gemüse. Beim Genuss von Äpfeln, Möhren, Birnen, Kirschen oder Kiwi spüren die Allergiker einen Juckreiz oder ein unangenehmes Kribbeln an Lippen, Gaumen oder im Rachen. Werden diese Nahrungsmittel gekocht oder gebacken, bestehen meist keine Probleme. Bei erhöhter Allergieneigung ist es außerdem problematisch, Haustiere zu besitzen. Und auch für Sportler gibt es Einschränkungen: Der normale Schulsport stellt zwar in der Regel kein Problem dar. Leistungseinbußen könne es aber beispielsweise bei den Bundesjugendspielen im Sommer geben, wenn die Pollendichte gerade sehr hoch sei, so der Lungenspezialist. Leistungssportler müssten sich im Klaren sein, dass ihre Bestform zu Zeiten heftigen Pollenflugs vermutlich nicht abrufbar sei.

„In Italien wachsen keine Birken“

Tipps und Tricks, um die Beschwerden einer Pollenallergie eigenständig abzumildern, gebe es in der Tat, so der Experte: „Wichtig ist, nach dem Aufenthalt im Freien ausgiebig zu duschen und die Haare zu waschen – hier halten sich unbemerkt viele lästige Pollen. Wenn man die Chance hat, sollte man auch seinen Urlaub entsprechend seiner Allergien planen: In Italien wachsen keine Birken – das wäre doch ein naheliegendes Urlaubsziel für Birkenpollenallergiker. Durch eine genaue Urlaubsplanung kann man mit etwas Glück die schlimmsten Allergiezeiten überbrücken“.

Bessere Produkte für ein allergiefreies Leben

Die Forschung beschäftigt sich aktuell vor allem damit, bestehende Immuntherapien zu verbessern. Die Therapiedosis vieler Immuntherapien wurde nicht wirklich nach modernen Qualitätskriterien überprüft. Als Konsequenz hat das  Paul-Ehrlich-Institut vielen  Herstellern von Immuntherapeutika auferlegt, die Therapiedosis ihrer Produkte in Studien zu überprüfen. Mit dem Erfolg, dass die Allergen-Einheiten in der Regel erhöht werden und die Patienten dadurch eine schnellere und anhaltende Beschwerdefreiheit erlangen . Ein relativ neuer Ansatz für das schwere unkontrollierte  Asthma sei laut Prof. Zielen der Einsatz eines sogenannten monoklonalen „Anti-IgE-Antikörpers“, der das IgE neutralisiert und aus dem Allergiker einen Nicht-Allergiker macht. Diese Therapieform ist bereits seit 2006 zugelassen, seit 2010 auch für die Anwendung bei Kindern die jünger sind als 6 Jahre. Durch die hohen Therapiekosten kommt diese Behandlung aktuell nur bei schweren Asthma-Erkrankungen der Stufe 5 zum Einsatz. Nach Auslaufen des Patents sei diese erfolgversprechende Therapie dann auch für größere Patientengruppen zugänglich, hofft Prof. Zielen.

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