Prof. Stefan Zielen erörtert neue Wege in der Asthmatherapie


Asthma bronchiale

An Asthma leiden allein in Deutschland mehr 5 Millionen Menschen. In den vergangenen Jahren wurden verstärkt neue Medikamente und auch Therapieprinzipien eingeführt, um Patienten eine spezifische und individuelle Asthmatherapie zu ermöglichen, sagt Prof. Dr. med. Stefan Zielen, Spezialist für respiratorische und allergische Erkrankungen und Leiter des Schwerpunktes Allergologie, Pneumologie und Mukoviszidose der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Frankfurt. 

Interview: Susanne Amrhein, Primo Medico

 

Welche neuen Erkenntnisse sind grundlegend für eine moderne und effektive Asthmatherapie?

Prof. Zielen: „Voraussetzung für eine langfristige Asthmatherapie ist die Aufschlüsselung in spezifische Phänotypen. Heutzutage wissen wir, dass jedem Asthma, egal in welcher Ausprägung, eine Entzündung zugrunde liegt. Es reicht also nicht, lediglich die Symptome, wie z.B. Atemnot, zu bekämpfen. Sondern wir müssen langfristig die Ursache kontrollieren. Dazu ist es wichtig zu wissen, ob es sich um ein allergisches (extrinsisches) Asthma handelt, das die häufigste Asthma-Form bei Kindern und Jugendlichen darstellt. Oder um ein nicht-allergisches (intrinsisches) Asthma, das oft mit Beginn des Erwachsenenalters auftritt. Als weitere Phänotypen sind u.a. virus-indiziertes oder auch ein anstrengungsindiziertes Asthma zu nennen. Je genauer wir wissen, um welchen Phänotypen es sich handelt, desto präziser können wir die Therapie planen.“

 

Welche neuen Therapien ergeben sich aus diesen Erkenntnissen?

Prof. Zielen: „Bei allergisch bedingtem Asthma ist es natürlich unbedingt notwendig, die Allergieauslöser zu vermeiden (Allergenkarenz). Basis einer jeden Asthmatherapie ist eine Inhalationstherapie, um die Bronchien zu entkrampfen und zu weiten. Gleichzeitig sollte aber selbst bei leichten Verlaufsformen die zugrundeliegende Entzündung bekämpft werden. Bei den meisten Patienten mit Asthma bronchiale lässt sich die Erkrankung durch eine Kombination aus inhalativen Kortikosteroiden (ICS) und langwirksamen Beta-Mimetika (LABA) kontrollieren. Ein großer Fortschritt der modernen Asthmatherapie ist es, dass es mittlerweile ICS+LABA Kombinationen (Relvar) gibt, die nur einmal innerhalb von 24 Stunden inhaliert werden müssen. Denn selbst bei nur zwei Inhalationen am Tag war es bisher so, dass nach dem morgendlichen Inhalieren der Wirkstoff ab 16 Uhr bereits verpufft war, die nächste Inhalation aber in der Regel erst am Abend erfolgte. Dazwischen lagen viele Stunden, in denen die Bronchien nicht vor asthmatischen Reaktionen geschützt waren. Ist das Asthma unter einer modernen ICS+LABA-Kombination nicht ausreichend kontrolliert, soll dann ab Stufe 4 die sogenannte ‚Triple-Therapie’ eingesetzt werden.“

 

Welche Vorteile bringt die „Triple-Therapie“ bei schwerem Asthma?

Prof. Zielen: „ Sie ist für Asthma-Patienten in Stufe 4 vorgesehen, deren Erkrankung nicht gut kontrolliert werden kann und die im vergangenen Jahr mindestens eine schwere Verschlechterung (Exazerbation) erfahren haben. Das Geheimnis der Triple-Therapie für diese Patienten besteht in der Wirkstoffkombination aus ICS, +LABA und zusätzlich einem ebenfalls die Bronchien entspannenden, langwirkenden Muskarinrezeptor-Antagonisten (LAMA. Der LAMA (Tiotropium) muss nur einmal pro Tag inhaliert werden, um einen 24-stündigen Schutz der Bronchien zu erreichen.

Die langfristige Triple-Therapie ist daher ein großer Schritt nach vorne. Und der entscheidende Wirkstoff Tiotropium ist nun auch in Deutschland bereits für Kinder mit schwerem Asthma ab 6 Jahren zugelassen.“

 

Welche Rolle spielen Biologika in der Asthmatherapie?

Prof. Zielen: „Unter dem Einsatz von Biologika versteht man eine maßgeschneiderte Antikörpertherapie, die unser Immunsystem beeinflusst. Sie kommt für Patienten ab Asthmastufe 5 in Frage, die unter schwerem Asthma leiden, das sich durch eine Triple-Therapie nicht ausreichend kontrollieren lässt. Es gibt aktuell zwei verschiedene Monoklonale Antikörper, die bereits für Kinder ab einem Alter von 6 Jahren zugelassen sind. Xolair (Anti-lgE,) reduziert die Menge der Immunglobulin E-Antikörper (IgE) im Blut und dadurch auch die allergischen Reaktionen sowie die Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen. Der Monoklonale Antikörper Mepolizumab inaktiviert das Zytokin IL-5 und damit auch die typischen Entzündungen der Atemwege.

Neu zugelassen ab dem 12 Lebensjahr für das schwere Asthma ist der Wirkstoff Dupilumab (Dupixent), der die IL-4 und IL-13 Rezeptorkette blockiert, das IgE senkt und wohl besonders bei gleichzeitiger atopischer Dermatitis  sinnvoll ist. Dank dieser Biologika kann die orale Gabe von Cortison vermieden werden, die meist mit starken Nebenwirkungen einhergeht.“

 

Welche weiteren Entwicklungen erwarten Sie für die Asthma-Therapie in den kommenden Jahren?

Prof. Zielen: „Da Asthma-Erkrankungen in der Bevölkerung weiterhin stark zunehmen, hoffe ich sehr, dass demnächst auch die jüngsten Patienten von den neuen Erkenntnissen profitieren können. Ich selbst möchte eine eigene Studie zur Tripletherapie für asthmakranke Kinder im Alter von ein bis fünf Jahren auflegen. Im Alter von 1-5 Jahren besteht der höchste Leidensdruck, es erfolgen die meisten stationären Aufnahmen und leider gibt es bisher für diese Altersklasse kaum kontrollierte klinische Studien.“

 

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