Welchen Patienten helfen Biologika?


Asthma bronchiale

Universitätsspital Basel

Für Patienten, die unter schwerem Asthma leiden, stellen die neuen Biologika eine wichtige Alternative zur häufigen Einnahme von Cortisontabletten dar, erklärt Prof. Dr. med. Michael Tamm, Spezialist für Pneumologie, Leiter des Lungenzentrums und Chefarzt der Klinik für Pneumologie im Universitätsspital Basel.

Interview: Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

 

Wie wirken Biologika gegen Asthma?

Prof. Tamm: „Die als Biologika bezeichneten Medikamente blockieren bestimmte Entzündungsreaktionen bei Asthma-Patienten. Das althergebrachte und hochwirksame Cortison wirkt zwar gegen alle Entzündungsreaktionen im Körper, hat aber leider auch schwere Nebenwirkungen, wenn es langzeitig in Tablettenform eingenommen wird. Biologika greifen dagegen gezielt nur bestimmte Entzündungsüberträger, sogenannte Zytokine, an.“

Sind Biologika als Alleintherapie möglich?

Prof. Tamm: „Nein, das ist ganz wichtig: Sie sind eine Ergänzung! Die Inhalationstherapie mit Cortison und mit bronchienerweiternden Medikamenten muss unbedingt fortgeführt werden. Biologika sind eine Ergänzung und Verstärkung und kommen nur zum Einsatz, wenn diese Basistherapien nicht ausreichen, um die Beschwerden und Asthmaanfälle zu kontrollieren.“

Wie kommt es, dass Biologika gerade jetzt verstärkt für die Asthmatherapie entwickelt werden?

Prof. Tamm: „ Das ist der positive Effekt, der entsteht, wenn ein Medikament Erfolge zeigt. Dann werden auch andere Firmen aufmerksam und bringen ähnliche Biologika oder Wirkstoffpräparate auf den Markt, die eine andere Entzündungskaskade blockieren.“

Sind diese Medikamente nur für Erwachsene vorgesehen oder auch für kindliche Asthma-Patienten?

Prof. Tamm: „Biologika werden in der Regel bei Erwachsenen und Jugendlichen angewendet. Bei schwersten Asthmafällen bei Kindern, die ständig Cortison schlucken müssen, würde ich ebenfalls Biologika als Therapiemöglichkeit einsetzen. Das erfordert aber eine Abwägung im Einzelfall. Es gibt bereits seit längerem Biologika, die bei Asthma helfen, das durch den Entzündungsträger IgE (Antikörper vom Typ Immunglobulin-E) ausgelöst wird. Dieses Medikament ist bereits für Kinder ab 6 Jahren zugelassen.“

Wie werden Biologika verabreicht?

Prof. Tamm: „Biologika werden unter die Haut gespritzt. Die Intervalle reichen von 2 Wochen bis 2 Monate. Eine neue Studie erprobt zurzeit ein Medikament, das sogar nur 2 Mal pro Jahr verabreicht werden muss. Noch ist es allerdings nicht auf dem Markt. Normalerweise erhalten die Patienten die ersten 2 bis 3 Spritzen unter ärztlicher Überwachung, um abzuklären, ob eventuell allergische Reaktionen auftreten. Ist dies nicht der Fall, können die Patienten anschließend selbst zuhause spritzen. Dazu gibt es komfortable Pens, wie man sie aus der Insulin-Behandlung bei Diabetes kennt. Es erfolgen natürlich dennoch regelmäßig Kontrolluntersuchungen beim Spezialisten, um Wirkung und die Dauer der Therapie bestimmen zu können.“

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Prof. Tamm: „Extrem selten kann es bei der Gabe von Biologika zu sogenannten anaphylaktischen Schockreaktionen kommen, die sich durch starken Blutdruckabfall und Atemnot ankündigen. Daher erfolgen die ersten Injektionen auch unter ärztlicher Aufsicht. Ansonsten ist der große Vorteil der Biologika, dass sie kaum nennenswerte Nebenwirkungen haben. Wenn überhaupt, dann sind es eher unspezifische Symptome wie etwa Muskelschmerzen, leichte Hautreaktionen oder ein Anstieg gewisser Entzündungswerte im Blut.“

Für welche Asthma-Patienten kommen Biologika in Frage?

Prof. Tamm: „Biologika werden nur bei Patienten eingesetzt, deren Asthma sich trotz voll ausgebauter Inhalationstherapie nicht kontrollieren lässt und es immer wieder zu schweren Anfällen kommt. Das sind weniger als 5 Prozent der Asthma-Patienten. Allerdings ist dieser geringe Prozentsatz etwas irreführend: Da es so viele Asthmakranke in unserer Gesellschaft gibt, entsprechen 5 Prozent doch einer großen Zahl. Ob Biologika wirken, hängt auch von der Art und Weise der Asthmaerkrankung ab. Als Voraussetzung gelten beispielsweise erhöhte IgE-Werte oder ein hoher Anteil eosinophiler Granulozyten im Blut. Je nachdem, welche Entzündungsträger verstärkt vorkommen, werden die passenden, blockierenden Biologika für jeden einzelnen Patienten ausgewählt.“

Welche weiteren Entwicklungen erwarten Sie für die Asthma-Therapie in den kommenden Jahren?

Prof. Dr. med. Michael Tamm, Spezialist für Pneumologie

Prof. Tamm: „Wir Lungenfachärzte haben bereits dank der Biologika neue, hochwirksame und nebenwirkungsarme Medikamente im Köcher, die uns im Kampf gegen das schwere Asthma unterstützen. Ich gehe davon aus, dass klinische Studien in Zukunft weitere Zytokinblocker und andere Wirkstoffe gegen die Entzündungsmechanismen beim Asthma hervorbringen werden. Hier wird es in Zukunft noch deutliche Fortschritte geben.“

 

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