Sanfte Bestrahlung für kleine Krebspatienten


Protonentherapie

Sanfte Bestrahlung für kleine Krebspatienten

Krebserkrankungen bei Kindern sind – zum Glück - sehr selten. Aber wenn sie auftreten, dann dürfen die jungen Patienten nicht wie kleine Erwachsene behandelt werden.

Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

In der Schweiz erkranken pro Jahr etwa 200 Kinder an Krebs, in Deutschland sind es 1800. „Die besondere Herausforderung in der Behandlung besteht darin, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind“, betont Prof. Dr. med. Damien C. Weber, Spezialist für Strahlentherapie und Radioonkologie sowie Leiter des Zentrums für Protonentherapie (ZPT) des Paul Scherrer Instituts (PSI) in Villingen in der Schweiz: „Im Körper eines Kindes ist alles viel kleiner, die Abstände zu empfindlichen Organen sind äußerst gering und die Kinder reagieren auch 10x stärker auf eine Bestrahlung als dies bei Erwachsenen der Fall ist“. Aus diesem Grund bildet die Protonenbestrahlung von Kindern einen Schwerpunkt am PSI. In der herkömmlichen Strahlentherapie werden Photonen verwendet, die den Großteil ihrer Energie direkt nach dem Eindringen in den Körper abgeben und dadurch nicht nur den Tumor bekämpfen, sondern auch naheliegende Organe und gesundes Gewebe schädigen können. Im Gegensatz dazu entfalten Protonen ihre größte Wirkung in der Tiefe des Körpers, im Tumor selbst. Die positiv geladenen Elementarteilchen werden beschleunigt, durch Magnetfelder gelenkt, gebündelt und mit Hilfe genauester Berechnungen zu ihrem Zielpunkt geführt, an dem sie ihre Energie freisetzen. Durch diese präzise Methode kann der Organismus der Kinder und Jugendlichen bestmöglich geschont werden.

Wie läuft die Behandlung ab?

Gerade bei den kleinen Patienten ist es wichtig, ihnen und ihren Eltern die Angst vor der anstehenden Behandlung zu nehmen. Damit der Protonenstrahl auch genau auf den Tumor trifft und nicht durch ungewollte Körperbewegungen das Ziel verfehlt, werden die Kinder und Jugendlichen in einer individuell angefertigten Lagerungshilfe eingebettet und der Kopf eventuell durch eine Maske oder einen Beissblock fixiert. Der Bestrahlungsvorgang selbst dauert zwar in der Regel nur wenige Minuten, ist aber gerade für Kinder nur schwer zu ertragen. „Ältere Kinder und Jugendliche können sich meistens überraschend gut zusammen reißen. Damit wir auch kleinere Kinder sicher behandeln können, arbeiten wir mit  spezialisierten Kinder-Anästhesisten zusammen. „Es gab aber bei uns im Zentrum auch schon ein 6-jähriges Mädchen, das ganz ruhig und gefasst sämtliche  Sitzungen ohne Narkose bewältigt hat. Es ist immer eine individuelle Entscheidung, die wir mit den Kindern und Eltern genau besprechen“, erklärt Prof. Weber. Zur Entspannung tragen auch ein buntes Wartezimmer voller Spielzeug, Teddybären, die Bestrahlungsmasken wie bei der Behandlung tragen, und Belohnungsperlen für jede überstandene Protonenbestrahlung bei.

Für welche Krebserkrankungen bietet sich die Protonentherapie an?

„Gerade bei Kindern gibt es keine Ausschlusskriterien“, betont Prof. Weber. „Wir bestrahlen alle Tumore bei Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen, auch im Kopf und an der Wirbelsäule, wenn eine Strahlentherapie im Gesamtbehandlungskonzept vorgesehen ist. Bei Erwachsenen hingegen ist die Liste der Indikationen von Land zu Land verschieden und limitiert.“.

Welche Risiken und Nebenwirkungen gibt es?

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich durch die Protonentherapie neue Tumore bilden, sei deutlich geringer als bei der Bestrahlung mit Photonen, erklärt Prof. Weber, auch wenn das Risiko nicht ganz gen Null geht. „Gerade bei Kindern ist die Gefahr beträchtlich, dass es Nebenwirkungen durch die Bestrahlung gibt. So können Störungen im Stoffwechsel, kognitive Beeinträchtigungen, Hörverlust, sowie Störungen der Herz-, Nieren-, Lungen-und der späteren Sexualfunktionen auftreten, häufig erst viele Jahre nach Ende der Behandlung. Bei der Protonentherapie hingegen kommt die meiste Dosis direkt im Tumor an, und das umliegende, gesunde Gewebe bleibt bestmöglich verschont. Dadurch wird das Risiko von Spätfolgen der Bestrahlung minimiert. Daher ist es so wichtig, die genaue Strahlendosis zu bestimmen und auch die Toleranz der umliegenden Strukturen im Körper zu beachten. Am Ende geben uns die guten Heilungsergebnisse recht: bei Tumoren im Gehirn liegt die Erfolgsrate beispielsweise bei 60 – 70 Prozent“.

Die kleine Jenny* wurde mit eineinhalb Jahren wegen eines sehr aggressiven Hirntumors im Zentrum für Protonentherapie in Villingen bestrahlt. Heute, fast 3 Jahre nach der Behandlung, geht es ihr gut: Sie spielt im Kindergarten mit ihren Freunden und genießt ein unbeschwertes Kinderleben.

Welche Hoffnung bietet die Zukunft?

Das Team am PSI verfügt mittlerweile über mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Tumorbestrahlung mit Protonen. Die kontinuierliche Forschung und Weiterentwicklung dieser Methode lässt hoffen, dass sie in Zukunft noch verträglicher und präziser werden könnte, glaubt Prof. Weber: „Ich hoffe sehr, dass die Protonentherapie noch weiter ausgebaut wird. Zurzeit gibt es leider nur sehr wenige Einrichtungen. Das liegt vor allem daran, dass die Protonentherapie viel aufwendiger und teurer ist als die herkömmliche Strahlentherapie. Für die Patienten wünsche ich mir, dass wir die Behandlungszeiten und Dauer noch weiter verkürzen können“. Damit noch mehr Kinder wie Jenny ihre Krebserkrankung wie einen schlechten Traum hinter sich lassen können.

*Name von der Redaktion geändert

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