Vorrangig individuelle Prothesen verwenden


Kniearthrose

Falls aufgrund einer schweren Kniearthrose ein Gelenkersatz erforderlich ist, stellen individuell angefertigte Knieprothesen in den meisten Fällen die beste Lösung dar, erklärt Prof. Dr. med. Carsten O. Tibesku, Spezialist für Kniechirurgie und Inhaber der Kniepraxis in Straubing.

Interview: Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

 

Welche Vorteile haben individuelle Knieprothesen?

Empfang der Kniepraxis in Straubing

Prof. Tibesku: „Die Größe und Form von Standard-Knieprothesen passt nur zu etwa 3 bis 5 Prozent der Patienten. Individuelle Faktoren wie die Stellung der Beinachse, Größe und Gewicht,  Breite und Form der Oberschenkelrolle und der Kniescheiben können bei Verwendung von Standardprothesen nicht berücksichtigt werden. Individueller Gelenkersatz ist daher sehr viel besser in der Lage, die Funktion des natürlichen Kniegelenks nachzuahmen.“

Für welche Patienten bieten sich individuelle Kniegelenksprothesen an, für welche nicht?

Prof. Tibesku: „Für die allermeisten Patienten hat eine individuell gefertigte Knieendoprothese Vorteile. Einschränkungen gibt es nur für Patienten mit Instabilitäten der Seitenbänder, nach Unfällen, nach erfolgten Umstellungs-Operationen (Osteotomien) und bestehenden Beinachsenfehlstellungen von mehr als 15 Grad.“

Wie aufwändig sind die Herstellung individueller Knieendoprothesen und das anschließende Einsetzen im Vergleich zu Implantaten in Standardgrößen?

Prof. Tibesku: „Die Wartezeit bei individuell angefertigten Knieprothesen ist natürlich länger als bei Prothesen in Standardgrößen. Für die Prothesen- und Operationsplanung wird eine Computertomographie (CT) des Beines gemacht. Bis zur Operation vergehen dann normalerweise 6 Wochen. Die Implantation selbst ist jedoch schneller und präziser: Wir benötigen vom ersten Schnitt bis zur Naht gerade mal 35 Minuten. Erleichtert wird der Eingriff durch genaue Operationsschablonen, die der 3D-Drucker zusammen mit den Prothesen anfertigt.“

Falls Prothesen in beiden Gelenken erforderlich sind: Müssen diese identisch sein?

Prof. Tibesku: „Nein, ich selbst habe bereits einige Patienten behandelt, die in einem Knie eine Standardprothese tragen und im anderen einen individuell angepassten Gelenkersatz. Ob die Patienten einen Unterschied spüren, ist schwer zu sagen und wurde bisher noch nicht untersucht. Die meisten Patienten bekunden nach der OP lediglich, ob sie zufrieden sind oder nicht.“

Wie steht es um die Haltbarkeit individueller Kniegelenksprothesen im Vergleich zu Implantaten in Standardgrößen?

Kniepraxis von Prof. Dr. med. Carsten O. Tibesku

Prof. Tibesku: „Da es individuell angefertigte Knieendoprothesen erst seit etwa 8 Jahren gibt, liegen noch keine aussagekräftigen Studien zur Haltbarkeit vor. Aus dem englischen Prothesenregister gibt es eine Untersuchung, die individuellen Knieprothesen nach 5 Jahren eine bessere Haltbarkeit zuspricht als Standardprothesen. Ich halte diesen kurzen Zeitraum allerdings für wenig aussagekräftig. Bisher gibt es jedoch keinen Hinweis darauf, dass individuelle Prothesen weniger lang halten könnten als Standardprothesen, zumal sie aus dem gleichen Material gefertigt werden. Was es allerdings gibt ist eine Studie zur Zufriedenheit der Patienten. Hier wurde bei Patienten mit Individuallösungen eine signifikant höhere Zufriedenheit festgestellt, als bei anderen.“

Wer trägt die Kosten für individuelle Knieendoprothesen?

Prof. Tibesku: „Die privaten Krankenversicherungen übernehmen die Kosten, die gesetzlichen Krankenkassen lehnen sie in der Regel ab. Wenn gesetzlich Versicherte eine individuell angefertigte Knieprothese wünschen, müssen sie mit Zuzahlungen von etwa 1.800 Euro rechnen.“

Wo sehen Sie weitere Ansätze zur Individualisierung der Behandlung bei Knieproblemen und Arthrose?

Kniepraxis in StraubingProf. Tibesku: „Der wichtigste Ansatz ist, die Prothese nach den Schäden am Kniegelenk auszuwählen. Für etwa ein Drittel der Patienten wäre ein Teilgelenkersatz vollkommen ausreichend. Allerdings bietet nur ein Teil der Kniechirurgen diese Lösung an. Vollprothesen sind einfacher zu implantieren und werden von den Krankenkassen besser bezahlt als Teilprothesen. Das ist schade, denn häufig sind die Patienten mit einem Teilgelenkersatz sehr zufrieden. Die Haltbarkeit der Knieteilprothesen erreicht in vielen Fällen sogar fast die der Vollprothesen. Es ist also mehr als nur eine Zwischenlösung. Wichtig ist eine genaue und individuelle Analyse der Kniegelenkssituation. Anschließend erfolgt basierend auf dem Ergebnis die Wahl der richtigen Prothese. Vorrangig sollten meiner Meinung nach individuelle Prothesen angestrebt werden.“

 

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