Kurzer Eingriff mit großem Effekt


Hornhauterkrankung

Augenklinik Sulzbach im Knappschaftsklinikum Saar

Moderne Operationstechniken ermöglichen einen Rückgewinn der Sehfähigkeit durch eine Teiltransplantation der Hornhaut, erklärt Prof. Dr. med. Peter Szurman, Spezialist für Augenchirurgie und Chefarzt der Augenklinik Sulzbach im Knappschaftsklinikum Saar.

Interview: Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

 

Welche Bereiche der Hornhaut werden bei einer Teiltransplantation versetzt?

Hornhautrückgewinnung durch kurzen Eingriff ermöglicht Prof. Peter Szurman

Prof. Szurman: „Die ‚Descemet's Membran-Endotheliale Keratoplastik’, kurz DMEK, ist die häufigste und zugleich die schonendste, minimal-invasive Transplantationstechnik zur Behandlung von Hornhauterkrankungen. Dabei wird nur der hinterste Teil der Hornhaut, der mit etwa zwanzig Mikrometern so dünn ist wie ein Zwiebelhäutchen, transplantiert. Diese Zellschicht ist es, die unser Auge und unser Sehen klar hält. Wenn die Pumpzellen dieser Hornhautschicht geschädigt oder abgestorben sind, kann sie das einströmende Wasser nicht mehr aus der Hornhaut pumpen, was zu einer Eintrübung führt, weil sich – wie bei Wasser in den Beinen - auch in der Hornhaut Ödeme bilden. Diesen Effekt behandeln wir, indem wir die geschädigte Zellschicht durch ein Transplantat austauschen.“

Inwiefern ist dieses Verfahren schonender als eine Volltransplantation der Hornhaut?

Prof. Szurman: „Die Komplikationsrate bei der Hornhaut-Teiltransplantation ist wesentlich geringer als bei einer Volltransplantation. Hinzu kommt, dass der Eingriff am Patienten selbst nur etwa zehn Minuten dauert, im Gegensatz zur Volltransplantation, für die etwa eine Stunde benötigt wird. Und ein großer Unterschied besteht in Bezug auf die Seh-Rehabilitation: Bei der DMEK wird die maximale Sehkraft innerhalb von zwei Wochen erreicht. Bei einer Volltransplantation kann das vollständige Ausheilen und das Wiederherstellen der Sehkraft bis zu eineinhalb Jahre dauern. Das liegt daran, dass die Hornhaut keine Blutgefäße besitzt und nur sehr langsam heilt. Der rasche Effekt der Teiltransplantation beruht darauf, dass sich die transplantierte Zellschicht selbst an die Hornhaut heranpumpt. Den Effekt kann man sich vorstellen, als ob man ein Taschentuch in ein nasses Waschbecken legt, wo es sich sofort ansaugt. Meist bessert sich das Sehvermögen rasch innerhalb der ersten 24 Stunden, so dass wir viele dankbare Patienten haben, die sich über den Erfolg des schonenden Eingriffs freuen.“

Wie läuft die DMEK-Operation ab?

Prof. Szurman: „Der Eingriff am Patienten selbst dauert nur etwa zehn Minuten und erfolgt in örtlicher Betäubung, meist durch Augentropfen. Wir haben es in der Augenklinik Sulzbach geschafft, diese Technik so zu entwickeln, dass für die Transplantation nur ein winziger Schnitt erforderlich ist und wir ganz ohne Nähte auskommen. Das von uns entwickelte System der Mikroinjektion wird mittlerweile weltweit angewandt. Auch wenn die Operation selbst kurz und schmerzlos von statten geht, ist im Hintergrund und im Vorfeld ein hoher Aufwand notwendig, um dies zu ermöglichen. Wir sind eines von zwei Spezialzentren in Deutschland, die eine eigene Reinraum-Gewebebank unterhalten, die diese Hornhauttransplantate herstellen und weiterleiten dürfen. Die Präparation eines Hornhauttransplantats erfolgt in vielen kleinen Teilschritten in unserem Reinraum-Labor. Der Aufwand, aber auch der Bedarf sind enorm: Wir führen bei uns in der Augenklinik pro Jahr fast 500 Hornhaut-Teiltransplantationen durch.“

Wie präparieren und operieren Sie ohne jegliche Berührung mit der sogenannten „no touch- Methode“?

Prof. Szurman: „ Früher wurde das Transplantat gewonnen, indem wir es mühsam von der Innenseite der Hornhaut abgetragen haben. Bei diesem Vorgang sind bereits Schäden am Transplantat entstanden. Durch das Halten mit einer Pinzette wurden weitere der wertvollen Pumpzellen zerstört. Dafür haben wir die sogenannte Liquid bubble- Technik entwickelt: Die empfindliche Zellschicht wird durch das Einspritzen von Wasser abgelöst und von einer von uns entwickelten Injektor-Kartusche aus dem Wasserbad gesaugt und direkt aus dieser Kartusche auch wieder in das Auge des Empfängers injiziert. Mit Hilfe eines speziellen DMEK-Sets wird sichergestellt, dass sich das Hornhauttransplantat korrekt entfaltet. Mit Hilfe einer Luftblase, die sich innerhalb von drei Tagen selbst abbaut, wird die implantierte Zellschicht an der richtigen Stelle fixiert.“

Wie schnell bessert sich die Sehleistung?

Prof. Szurman: „Die Patienten bleiben nur etwa drei Tage stationär in der Klinik. Innerhalb dieses Zeitraums hat sich das Sehvermögen bereits stark verbessert. Die meisten Patienten sehen bei der Entlassung bereits deutlich besser als vor der Operation. Nach etwa zwei Wochen ist dann die maximal mögliche Sehstärke erreicht. Insgesamt freuen wir uns über eine Erfolgsrate von 96 bis 98 Prozent. Im Rahmen des Ausheilungsprozesses bekommen die Patienten Augentropfen. Der einzige Nachteil ist, dass sie zwei Tage nach dem Eingriff möglichst viel auf dem Rücken liegen müssen, damit die Luftblase, die zum Fixieren der Hornhaut notwendig war, das Transplantat andrücken kann. Das empfinden viele Patienten zwar als anstrengend, nehmen es aber für den Erfolg der Operation gerne in Kauf.“

Wie groß ist das Risiko von Komplikationen oder Abstoßungsreaktion?

Prof. Szurman: „Die Teiltransplantation der Hornhaut ist eine technisch-ausgefeilte, ich wage fast zu sagen, fast perfekte Methode mit einer sehr geringen Komplikationsrate. Die Gefahr, dass das Auge die transplantierte Zellschicht abstößt, liegt bei unter einem Prozent. Im Vergleich dazu sind es bei einer Hornhaut-Volltransplantation bis zu zehn Prozent. Bei einer DMEK ist es daher auch nicht notwendig, immunsupprimierende Medikamente einzunehmen. Ich nenne den Eingriff gerne unsere ‚Parade-OP’. Die lange Entwicklungszeit und die aufwändige Forschung dazu hat sich insofern bewährt, als dass mit unserem Sulzberger DMEK Mikroinjektor-System weltweit inzwischen etwa 50.000 Hornhaut-Teiltransplantationen durchgeführt wurden.“

Für welche Patienten ist die DMEK geeignet?

Prof. Szurman: „Es gibt keine direkten Ausschlusskriterien. 90 Prozent der Anwärter können auch eine Hornhaut-Teiltransplantation erhalten. Ein fortgeschrittenes Alter ist kein Hinderungsgrund. Die meisten Patienten operieren wir im Alter zwischen 55 und 70 Jahren. Allerdings hatten wir auch schon Patienten, die stramm auf die 100 Jahre zugingen. Man muss allerdings wissen, dass ein Erfolg nur bis zu einem gewissen Trübungsgrad der Hornhaut erzielt werden kann. Daher sollte man mit dem Eingriff nicht zu lange warten, wenn sich Sehkrafteinbußen aufgrund einer Hornhauterkrankung einstellen.“

Wie lange bleibt die transplantierte Hornhautschicht funktionsfähig?

Prof. Szurman: „Bei einer Volltransplantation der Hornhaut haben wir Haltbarkeiten zwischen zehn und dreißig Jahren. Ähnlich verhält es sich nach unseren Prognosen mit den Teiltransplantaten, wobei erst 13 Jahre Erfahrung mit dieser neuen Technik vorliegen. Es kann natürlich passieren, dass auch das Transplantat irgendwann Alters- bzw. Abnutzungserscheinungen entwickelt. Da die DMEKs aber in den meisten Fällen erst ab Mitte, Ende Fünfzig oder Anfang Sechzig ausgeführt werden, hoffen wir natürlich, dass sie bis zum Lebensende halten.“

 

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