Dr. med. Hakan Kaymak: Myopie - Kurzsichtig durch Smartphones?


Myopie

Die stundenlange Nutzung von Smartphones und Tablets bei Kindern und Jugendlichen ist nicht nur vielen Eltern ein Dorn im Auge, sondern wird auch für den deutlichen Anstieg der Kurzsichtigkeit (Myopie) verantwortlich gemacht. Ob dieser Verdacht zutrifft, erklärt Dr. med. Hakan Kaymak, Spezialist für Augenchirurgie in der Gemeinschaftspraxis und im Augenlaser Zentrum in Düsseldorf.

Interview: Susanne Amrhein

 

Kann der regelmäßige Gebrauch von Smartphones bei Kindern zu Sehstörungen führen?

Dr. med. Hakan Kaymak: Myopie - Kurzsichtig durch Smartphones?

Dr. Kaymak: „Bisher gibt es weder Hinweise noch Studien, die belegen, dass der Gebrauch von Smartphones tatsächlich zu Kurzsichtigkeit führen kann. Das blaue Licht der Bildschirme hemmt vielleicht die Bildung des Schlafhormons Melatonin. Dass ein Schaden im Auge selbst entsteht, ist bisher nicht nachgewiesen. Fakt ist, dass Kinder durch das konzentrierte Starren auf den Bildschirm seltener blinzeln. Dadurch wird der Tränenfilm nicht mehr gleichmäßig verteilt und das Auge wird trockener (Gamer Eye). Das führt allerdings zu keinen Schäden, sondern zu einem Brennen, einem Druckgefühl oder allgemein gesprochen zu einem Missempfinden.

 

Wie kommt es, dass Smartphones und Tablets für den Anstieg der Kurzsichtigkeit bei Kindern und Jugendlichen verantwortlich gemacht werden?

Dr. Kaymak: „Der entscheidende Faktor ist der Leseabstand. Eine Kurzsichtigkeit kann entstehen, wenn Kinder die Smartphones oder Tablets zu dicht vor ihre Augen halten.  Das gilt allerdings auch für Bücher! Der Leseabstand sollte möglichst 30 Zentimeter betragen, näher wäre nicht gut. Das betrifft aber, wie gesagt, nicht nur die Handynutzer, sondern auch Kinder, die viele Bücher lesen und sie dabei zu nah am Gesicht halten. Wir führen zu dem Zusammenhang zwischen Kurzsichtigkeit und dem Leseabstand gerade eine Untersuchung an einer internationalen Schule durch, bei der u.a. ein Spezialclip den Leseabstand und die Lesedauer misst, so dass wir anhand dieser Daten ein Risiko berechnen können. Man darf aber nicht vergessen, dass Kurzsichtigkeit auch genetische Ursachen hat, also angeboren ist.“

 

Wie kann man Augenschäden oder Kurzsichtigkeit vorbeugen?

Dr. Kaymak: „Es gibt verschiedene Möglichkeiten der ‚Augenhygiene’, der richtige Leseabstand ist eine davon. In Asien wird zum Beispiel propagiert: 30 Minuten lesen, dann 10 Minuten Pause. Und es ist nachgewiesen, dass der Aufenthalt im Freien, im natürlichen Licht, das Risiko kurzsichtig zu werden, deutlich senkt. Wer 45 Minuten am Tag draußen verbringt, reduziert das Risiko, kurzsichtig zu werden, um 25 Prozent.“

 

Smartphones, Tablets und Computerbildschirme sind aus unserem Alltag nicht mehr weg zu denken. Besteht die Chance, dass sich unsere Sehgewohnheiten im Laufe der nächsten Generationen an die neuen Bedürfnisse anpassen?

Dr. Kaymak: „Ich denke in Zukunft wird es Apps geben, die darauf hinweisen, wenn der Leseabstand zu gering ist. Ich habe bei meiner Tochter einen Lichtsensor ausprobiert, der vibriert, wenn der Abstand zum Buch oder Handy weniger als 30 Zentimeter beträgt. Zu Anfang wurde der Alarm bestimmt 180 Mal pro Tag ausgelöst, später dann höchstens noch 10 Mal. Denkbar ist auch ein Biofeedback, das auslöst, wenn die Lichtstärke zu gering ist, zum Beispiel beim heimlichen Lesen oder Chatten am Handy unter der Bettdecke.“

 

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