Das kleinste Implantat im menschlichen Körper


Glaukomtherapie

Mit Hilfe moderner Therapien und winziger Stents lässt sich der Grüne Star (Glaukom) heutzutage gut behandeln, erklärt Dr. med. Tobias Neuhann, Spezialist für Augenchirurgie und Praxisinhaber des OPHTHALMOLOGIKUM, Augenärzte an der Oper, in München.

Interview: Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

 

Unter welchen Symptomen leiden Patienten mit Glaukom?

Dr. Neuhann: „Der Grüne Star macht keine auffälligen Symptome, sondern der Betroffene verliert langsam, ohne Schmerzen, nach und nach seine Sehschärfe. Dabei ist ein Auge meist stärker betroffen als das andere. Ohne Therapie wird der Sehnerv bei dieser Augenerkrankung nachhaltig und irreparabel geschädigt. Grund ist u.a. ein erhöhter Augeninnendruck. Ich kann daher nur an alle Menschen appellieren, regelmäßig ihren Augeninnendruck messen zu lassen, egal ob beim Augenarzt oder beim Optiker.“

 

Ab welchem Stadium sollte ein Glaukom operiert werden?

Dr. Neuhann: „Sobald der Sehnerv Schaden genommen hat, ist ein Eingreifen erforderlich. Der Augenarzt empfiehlt zunächst eine einfache Behandlung mit Augentropfen. Es gibt verschiedene Kombinationsmedikamente, die dazu beitragen, den Augeninnendruck zu senken. Wie jedes Medikament haben diese Augentropfen auch Nebenwirkungen. Bei Unverträglichkeiten oder wenn Patienten drei bis vier verschiedene Medikamente benötigen, empfiehlt sich eine Operation. Bei jüngeren Patienten oder denjenigen, die dazu neigen, ihre Augentropfen zu vergessen, ist eine Operation auch als Primärtherapie möglich.“

 

Welche chirurgischen Verfahren helfen bei Grünem Star?

Dr. Neuhann: „Bei einem Glaukom-Eingriff sorgt der Augenchirurg dafür, dass die Flüssigkeit im Augeninneren wieder abfließen kann und dadurch der Druck im Inneren des Auges sinkt. Die Lasertherapie ist eine Möglichkeit. Sie können sich dies vorstellen wie die Reinigung eines verstopften Gullideckels: Der Laser weitet das Maschenwerk im Auge, so dass die Flüssigkeit wieder ungehindert über den vorgesehenen Kanal (Schlemm’scher Kanal) abfließen kann. Bei einer minimalinvasiven Therapie mit Stents wird ein künstlicher Kammerwasserkanal geschaffen, der das Maschenwerk, den ‚Gullideckel’, überbrückt und eine direkte Verbindung zwischen dem Augeninneren und dem Schlemm’schen Kanal herstellt. Ganz neu ist der iStent inject W. Er gilt als das kleinste Implantat für den menschlichen Organismus und ist gerade mal einen Millimeter lang und 0,33 Millimeter hoch. Das minimalinvasive Stentverfahren ist ein unkomplizierter Eingriff mit einer Erfolgsquote zwischen 70 und 80 Prozent. Im Rahmen einer Glaukomtherapie ist dies ein sehr guter Wert. Wir haben mit diesen Verfahren mittlerweile zehn Jahre Erfahrung . 75 Prozent unserer behandelten Patienten benötigen auch fünf Jahre nach dem Eingriff keine weitere Zusatztherapie. Eine große Glaukomoperation ist mit sehr viel mehr Nebenwirkungen bei gleicher Erfolgsquote verbunden, daher bevorzugen wir die minimalinvasiven Verfahren.“

 

Wie belastend sind diese Glaukomtherapien für die Patienten?

Dr. Neuhann: „Sie sind weder aufwändig noch belastend und dauern in der Regel gerade mal zehn Minuten. Das Auge wird durch betäubende Augentropfen ruhig gestellt, der Schnitt für das Einsetzen des Stents ist nicht mal einen Millimeter lang. Bei Bedarf bieten wir unseren Patienten natürlich ein Beruhigungsmittel an, damit sie ganz entspannt an die Therapie herangehen.“

 

Welche Komplikationen können auftreten?

Dr. Neuhann: „Es gibt eigentlich nur zwei relativ harmlose Nebenwirkungen, die sehr selten auftreten. Das ablaufende Kammerwasser aus dem Augeninneren wird über spezielle Venen abgeleitet. Durch den abfallenden Druck kann es passieren, dass Venenblut ins Auge zurückströmt. Dadurch entsteht ein flüssiger blauer Fleck im Auge, der sich in aller Regel von selbst zurückbildet. Das Risiko für diese Komplikation liegt bei weniger als einem Prozent. Möglich ist auch, dass nach der Glaukom-OP der Augendruck zunächst ansteigt. Das liegt daran, dass das Auge automatisch versucht, dem ungewöhnlichen Druckabfall entgegenzuwirken und vermehrt Wasser produziert. Es kann bis zu sechs Wochen dauern, bis sich das Auge an die neue Situation gewöhnt hat und die Drüse - der Ziliarkörper - sich wieder beruhigt. Beides ist aber, wie gesagt, harmlos und nicht von Dauer. Die Befürchtung, die Stents könnten das Sehen beeinträchtigen, kann ich ausräumen. Die Stents sind so klein, dass die Patienten selbst sie nicht bemerken. Selbst der Augenarzt erkennt die Stents nur mit einer speziellen Untersuchungstechnik (Gonioskop).“

 

Wie lange hält das Ergebnis der Glaukom-OP an?

Dr. Neuhann: „Es werden automatisch immer zwei Stents gesetzt, um den Abfluss möglichst lange zu gewährleisten. Die Versagerquote liegt unter drei Prozent. Lediglich 10 bis 15 Prozent unserer Patienten benötigen nach einer Stentversorgung zusätzlich Augentropfen. Verlässliche Langzeitergebnisse liegen für diese modernen Glaukomtherapien noch nicht vor. Dieses Jahr konnten wir allerdings nach entsprechender Auswertung unsere 5 Jahres Ergebnisse in einer renommierten Fachzeitschrift publizieren.   Auch eine Revision ist jederzeit möglich. Dazu können neue Stents hinzu gesetzt werden oder wir können die bereits eingesetzten Stents spülen und wieder durchlässig machen.“ Die neue Version des iStent inject W, mit welcher wir bereits als einer der ersten Operateure Erfahrungen sammeln konnten, verspricht noch bessere Ergebnisse.

 

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