Knorpelschäden im Knie wirksam ausgleichen


Arthrose

Patienten sollten rechtzeitig mit der Behandlung von Kniebeschwerden beginnen, um dem Verschleiß im Gelenk Einhalt zu gebieten.

Susanne Amrhein, Primo Medico

 

Volkskrankheit Knieschmerzen: Aktuell leiden etwa 20 Millionen Menschen in Deutschland an Verschließerscheinungen des Kniegelenks. Die Möglichkeit, körpereigene Knorpelzellen im Labor nach zu züchten und an die geschädigten Stellen aufzubringen, besteht nur für jüngere Patienten bis maximal 50 Jahre. Denn ab dem 50. Lebensjahr lässt die Zellvitalität stetig nach. Grundsätzlich wäre es eine gute Idee, in jüngeren Jahren prophylaktisch Knorpelzellen entnehmen und einfrieren zu lassen, erklärt PD Dr. med. Christian Liebau, Spezialist für Endoprothetik und gelenkerhaltende Chirurgie in der Asklepios Harzklinik Bad Harzburg. „Allerdings hat sich so ein Verfahren in Deutschland nicht etabliert. Stattdessen gibt es aber verschiedene andere Methoden, um den geschädigten Knorpel im Kniegelenk zu reparieren. Wer rechtzeitig bei einsetzender Arthrose oder Beschwerden eine Therapie beginnt, kann sein Gelenk in den meisten Fällen noch lange Jahre erhalten.“

 

Möglichkeiten der Knorpelrekonstruktion

Das Prinzip ist einfach: Gesunder Knorpel aus wenig belasteten Bereichen des Kniegelenks wird auf die geschädigten Knorpelstellen übertragen. „Dazu können wir pro Gelenk bis zu vier Knorpel-Knochen-Zylinder ausstanzen und damit Knorpelschäden bis zu einer Größe von 3x2 Zentimetern ausgleichen“, erklärt Dr. Liebau. Der erfahrene Kniechirurg strebt dabei jeweils eine vollständige Reparatur an, auch wenn er dafür an den Entnahmestellen zunächst weitere Verletzungen verursacht. „An diesen Stellen bilden sich Ersatzknochen und ein Faserknorpel, der eine normale Belastung problemlos aushält.“ In einigen Fällen ist es sinnvoll, an den Rändern der geschädigten Knorpelbereiche zusätzlich eine sogenannte „Mikrofrakturierung“ durchzuführen. Dabei wird an diesen Stellen der Knochen angebohrt. Durch die Einblutungen bildet sich hier ebenfalls ein Faserknorpel. Bei Knorpelschäden unter der Kniescheibe gibt es zudem die Möglichkeit, eine Kollagenmembran einzukleben, so Dr. Liebau. „Diese kann man sich vorstellen, wie ein derbes aber perfektes Papier, an dem sich durch die einwandernden Blutzellen eine Schutzschicht aus neuem Knorpel bildet.“

 

Gelenkerhalt statt Knieprothese

Sämtliche Verfahren der Knorpelrekonstruktion werden stationär im Krankenhaus angewandt. In der Regel ist ein Aufenthalt von etwa fünf Tagen notwendig, um mögliche Komplikationen wie Infektionen, Nachblutungen oder Thrombosen im Zweifelsfall schnell behandeln zu können. In den ersten sechs Wochen sollte das Gelenk mit Hilfe von Unterarmstützen nur teilbelastet werden, um eine vollständige Heilung zu gewährleisten. Eine Reha wird immer ambulant durchgeführt, so Dr. Liebau. „Wir sagen unseren Patienten, dass sie ab der 7. Woche nach dem Eingriff wieder ein normales Gangbild erreichen können. Wenn alles gut läuft, ist das Gelenk später aber voll belastbar und selbst Sportarten wie Joggen und Skifahren sollten möglich sein.“ Voraussetzung ist, dass für den jeweiligen Patienten die richtige Methode ausgewählt wurde. Bei zu großflächigen Knorpelschäden und Verschleiß in mehreren Bereichen des Kniegelenks macht eine Knorpelrekonstruktion mit Hilfe der genannten Verfahren keinen Sinn. Bei Patienten, die neben einer Arthrose eine Beinachsenfehlstellung, sogenannte X- oder O-Beine, aufweisen, kann es notwendig sein, zunächst eine Achskorrektur vorzunehmen und erst in einem zweiten Eingriff, ein halbes Jahr später, den geschädigten Knorpel zu rekonstruieren. Ansonsten würde die Fehlstellung dazu führen, dass auch der transferierte Knorpel schnell wieder verschleißt. „Fast immer können wir durch eine gezielte Arthrosetherapie die Zeit verlängern, bis vielleicht doch mal eine Endoprothese notwendig wird“, betont Dr. Liebau. „Wenn wir es schaffen, das Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks bis zu einem Alter von Ende Sechzig bis Mitte Siebzig hinauszuzögern, haben wir viel gewonnen.“

MEDIZINISCHE SPEZIALISTEN garantiert Unsere Richtlinien

Bei PRIMO MEDICO finden Sie ausschließlich renommierte medizinische Kapazitäten, die nach strengen Richtlinien ausgewählt wurden. Erfahrung, innovative Behandlungstechniken oder die Reputation in Wissenschaft und Forschung spielen dabei eine wichtige Rolle.

MEHR

Hilfe bei Ihrer Arzt-Suche

Hilfe bei Ihrer Suche Wir leiten Ihre Anfrage an die passenden Spezialisten weiter

Gerne unterstützen wir Sie bei der Auswahl eines Spezialisten für Ihre Bedürfnisse. Der Service von PRIMO MEDICO ist für Patienten immer kostenlos, vertraulich und diskret.

MEHR


Unsere Partner
Alle Partner anzeigen
Nach oben