Prof. Stephan Bodis: Gezielt gegen Krebs mit Hyperthermie


Hyperthermie

Prof. Dr. med. Stephan Bodis

Als Hyperthermie bezeichnet man eine Überwärmung des Tumorgewebes bei Krebserkrankungen. Sie gilt als modernes und schonendes Verfahren mit positiven Auswirkungen auf die Überlebenszeit der Patienten. Prof. Dr. med. Stephan Bodis ist Spezialist für Strahlentherapie und Radio-Onkologie im Kantonspital Aarau (Schweiz). Er ist überzeugt, dass die Hyperthermie einen wichtigen Baustein der modernen Krebstherapie darstellt.

Interview: Susanne Amrhein, Primo Medico

 

Für welche Krebserkrankungen eignet sich die Hyperthermie?

Prof. Bodis: „Ganz wichtig vorweg: Die lokale Hyperthermie wird bei uns immer in Kombination mit einer Radiotherapie angewandt. Es gibt zwei wichtige Indikationen für eine Behandlung: Erstens, ein lokal fortgeschrittener Tumor bei Erwachsenen, wo die herkömmlichen Therapien an Grenzen stoßen. Und zweitens, bei schon vorbestrahlten Patienten, bei denen die Hyperthermie in Kombination mit einer dosisreduzierten, erneuten Bestrahlung die bestmögliche Therapieoption darstellt.“

 

Welchen Effekt bewirkt die Hyperthermie in den Tumorzellen?

Prof. Bodis: „Wir applizieren die Wärme von außen mit fokussierten Mikrowellen und erzeugen so in der Tumorregion ein künstliches Fieber. Dieses hat zwei wichtige Effekte: Zum einen erweitert lokale Wärme die Blutgefäße und sorgt für einen verstärkten Blutdurchfluss und damit mehr Sauerstoffzufuhr zum Tumor. Das wiederum verstärkt die Wirkung der Radio- oder Chemotherapie. Zum zweiten alarmiert und aktiviert das Fieber das Immunsystem. Dies kann dazu führen, dass der Tumor besser erkannt und bekämpft wird.“

 

Warum wird die Hyperthermie nur in Kombination mit einer Radio- oder Chemotherapie angewandt?

Hyperthermie - Kantonspital Aarau

Prof. Bodis: „Aufgrund der uns zur Verfügung stehenden Daten aus klinischen Studien wissen wir, dass in ausgewählten Situationen mit einer kombinierten Radiotherapie- Hyperthermie oder kombinierten Chemotherapie-Hyperthermie die Chance für ein Tumoransprechen über 50 % zunehmen kann. Dies verglichen mit einer alleinigen Radio- oder Chemotherapie oder einer kombinierten Radio-Chemotherapie. Wichtig erscheint mir auch, dass durch die Hyperthermie kaum zusätzliche akute und äußerst selten zusätzliche Langzeitnebenwirkungen bei Patienten beobachtet werden. Was fehlt sind internationale Studien, die einen Überlebensvorteil mit der zusätzlichen Hyperthermie belegen. Dies ist dringend nachzuholen. Durch Auswertung aller verfügbaren internationalen klinischen Daten (Metaanalysen) haben wir für die nächsten Jahre eine Grundlage geschaffen, welche den Nutzen der Hyperthermie belegt und die Therapie in wenigen ausgewählten Situationen sowohl für kurative wie auch für palliative Indikationen legitimiert.“

 

Ist die Hyperthermie auch bei erneutem Tumorbefall sinnvoll?

Prof. Bodis: „Rezidive bei Patienten, die bereits mit einer Radiotherapie behandelt wurden, sind immer schwierig zu therapieren. Eine zu hohe Strahlendosis könnte bei vorbehandelten Patienten lebensgefährlich sein. Eine zu niedrige Dosis ist dagegen wirkungslos. Hier hilft die Hyperthermie, indem sie die Wirkung einer niedrigen Strahlendosis um bis zu 30 Prozent verstärkt. In einem spezialisierten Strahlenzentrum wie bei uns in Aarau wird die interdisziplinäre Therapie vorgängig immer an einem Hyperthermie-Tumorboard besprochen, bei dem sich alle beteiligten Fachbereiche austauschen. So wird sichergestellt, dass die bestmögliche Behandlungsoption zum Tragen kommt.“

 

Wie belastend ist eine Hyperthermie-Behandlung?

Prof. Bodis: „Die Hyperthermie ist eine technisch einfache und gut verträgliche Prozedur, die abläuft wie eine normale Bestrahlung und in der Regel ein bis zwei Mal in der Woche angewandt wird. Bei einem Brustwandrezidiv ist der Ablauf z.B. so: Zunächst erfolgt eine Radiotherapie von etwa 10 Minuten. Unmittelbar im Anschluss erfolgt dann die Wärmebehandlung und dauert ca. 1 – 2 Stunden. Dabei muss der Patient ruhig liegen, kann aber währenddessen lesen und auch sprechen. Der einzig spürbare Nachteil ist das Schwitzen durch die künstliche Erwärmung.“

 

Welche Nebenwirkungen hat eine Hyperthermie?

Prof. Bodis: „Der große Vorteil der Hyperthermie ist die gute Verträglichkeit ohne nennenswerte Nebenwirkungen. Natürlich tritt bei einer lokalen Erwärmung auf 42 Grad Celsius im Körper ein Stresseffekt ein wie bei einem Fieberschub. Ganz selten kommt es durch lokale Temperaturspitzen zu einer Hautrötung, mehr aber nicht.“

 

Ist es denkbar, dass die Hyperthermie in Zukunft auch als alleinige Krebstherapie zur Anwendung kommt?

Prof. Bodis: „Da bin ich skeptisch. Ich bin überzeugt von ihrer verstärkenden Wirkung bei einer Radio- oder Chemotherapie. In naher Zukunft wird sie sicher auch im Rahmen einer Immuntherapie bei Krebserkrankungen eingesetzt.“

 

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