Wenn die Hüftgelenksprothese gewechselt werden muss


Hüftgelenksprothesen

Künstliche Hüftgelenke haben heutzutage Standzeiten von bis zu 25 Jahren. Trotzdem steigt die Zahl der Wechseloperationen, bei denen eine implantierte Hüftprothese ganz oder teilweise ersetzt werden muss. Prof. Dr. med. Marius J.B. Keel ist Spezialist für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates und beantwortet die wichtigsten Fragen zum Austausch einer Hüftgelenksprothese.

Interview: Susanne Amrhein

 

Künstliche Hüftgelenke halten zum Teil länger als zwanzig Jahre, warum gibt es dennoch immer mehr Revisionen?

Wenn die Hüftgelenksprothese gewechselt werden muss

Prof. Keel: „Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass sowohl die Lebenserwartung als auch die Aktivität im Alter zugenommen haben. Um auf natürliche Verschleißerscheinungen im Altersprozess zu reagieren, werden heutzutage deutlich mehr primäre Hüftprothesen eingesetzt. Dementsprechend höher ist auch die Rate der Revisionen. Je jünger die Patienten beim Erhalt der Hüftendoprothese sind, desto eher müssen sie mit einem notwendigen Wechsel des künstlichen Hüftgelenks rechnen. Dazu trägt auch die natürliche Alterserscheinung der Osteoporose bei, die den Knochen dünner werden und dadurch leichter brechen lässt. Es gibt sicher auch einige Fälle, bei denen in früheren Zeiten beim Einsetzen der Hüftprothese die Muskulatur geschädigt wurde oder im schlimmsten Fall sogar während der Operation selbst Frakturen entstanden sind. Aber dass mehr typische Komplikationen wie z.B. Entzündungen oder Lockerungen auftreten, die zu der höheren Anzahl von Wechseloperationen führen, kann ich nicht bestätigen.“

 

Aus welchen Gründen muss eine Hüftprothese ausgetauscht werden?

Prof. Keel: „Zum einen ermüdet nach vielen Jahren selbst das beste Material und neigt ebenfalls zu Verschleißerscheinungen und Abrieb. Durch den bereits erwähnten Knochenschwund (Osteoporose) oder eine Infektion kann sich die Hüftprothese lockern und Schmerzen verursachen. Manchmal liegt es auch an einer ungünstigen Position beim Einbau der Prothese oder den anatomischen Voraussetzungen,  z.B. bei einer Hüftdysplasie, einer angeborenen Fehlstellung der Hüfte. Nicht zuletzt werden Wechseloperationen auch durch Bruchverletzungen erzwungen, die bei älteren Menschen häufig durch Stürze ausgelöst werden.“

 

Muss bei Problemen immer die gesamte Hüftprothese ausgetauscht werden oder können einzelne Bestandteile ersetzt werden?

Prof. Keel: „Grundsätzlich würde man immer versuchen, nur die schadhaften Komponenten auszutauschen. Bei einem Spätinfekt der Hüftprothese, der Monate oder Jahre nach der Operation auftritt, werden normalerweise alle Teile ersetzt. Bei einer Hüftprothesen-Lockerung hängt es vom Prothesentyp ab, welche Komponenten getauscht werden. Häufig reicht es jedoch, die lockeren oder verschlissenen Teile erneuern, also den Kopf, das Inlay, die Pfanne oder notfalls auch den Schaft. Zudem ist es möglich, aus einer Hemiprothese (Teilprothese) eine Vollprothese zu machen, wenn die Entwicklung dies erforderlich macht.“

 

Wenn die Verankerung der Prothese im Knochen betroffen ist – wie anspruchsvoll ist es, einen neuen Schaft zu befestigen?

Prof. Keel: „Grundsätzlich würde ich immer erst versuchen, das Problem auf natürliche Art und Weise ausheilen zu lassen und lieber das Bewegungsprogramm herunter zu fahren, statt zu operieren. Das geht natürlich nicht in allen Fällen. Eine häufige Ursache für einen Austausch der Hüftgelenksprothese ist eine periprothetische Fraktur, also eine Bruchverletzung in der Nähe der Prothese, die bei älteren Menschen häufig durch Stürze verursacht wird. Früher wurde in so einem Fall der gesamte Schaft ausgetauscht, was mit hohem Blutverlust und weiterem Knochenverlust einherging. Heute versucht man eher, den Femurschaft (Oberschenkelknochen) zunächst mit Platten und Drähten zu stabilisieren. Aufwändiger ist das natürlich bei zementierten Prothesenschäften: Hier muss zunächst der alte Zement entfernt werden, was sehr viel aufwändiger ist.“

 

Bei einer Revision sind die Patienten in der Regel deutlich älter als bei der Erstimplantation – welche besonderen Herausforderungen ergeben sich dadurch?

Prof. Keel: „Grundsätzlich muss man sagen, dass eine Hüftrevision immer ein hohes Maß an operativer Erfahrung erfordert. Meine Qualifizierung und Erfahrung als Hüftchirurg und als Unfallchirurg helfen mir, auf mögliche Komplikationen vorbereitet zu sein. Denn wie sie schon sagen, sind die Patienten bei einer Wechseloperation häufig älter. Das bedeutet, das Knochenmaterial ist schlechter und in vielen Fällen muss sehr viel chirurgisch rekonstruiert werden. Die Belastung durch die Operation selbst ist für Patienten im fortgeschrittenen Alter sehr viel höher. Viele leiden unter diversen Nebenerkrankungen. Wenn eine Wechselrevision in einem reinen Prothesenzentrum durchgeführt wird, fehlt im Zweifelsfall ein Kardiologe oder anderer Facharzt. Mir liegt das Thema sehr am Herzen, denn es geht nicht nur um den Austausch von defekten Teilen, sondern um das bestmögliche Resultat für einen Menschen, den man ganzheitlich betrachten muss.“

 

Wie lange hält eine Austauschprothese im Vergleich zum Erstimplantat?

Prof. Keel: „ Das Ergebnis und die Haltbarkeit einer Revisionsprothese hängen von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. der Sozialsituation: ist der Patient hilfsbedürftig, wie steht es um seine Bewegungsmöglichkeiten, lag ein Bruch vor oder nicht. Es gibt bezüglich der Revisions-Standzeiten noch keine verlässlichen Daten. Ich wage aber zu behaupten, dass die meisten Revisionsprothesen die Patienten überleben.“

 

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