Herzaneurysma

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Informationen zum Bereich Herzaneurysma

Was ist ein Herzaneurysma?

Ein Herzaneurysma ist eine krankhafte Ausbuchtung der Herzwand oder des herznahen Abschnitts der Hauptschlagader (Aorta) des Körpers. Oft wird der Begriff Herzaneurysma als Sammelbegriff für beide Lokalisationen verwendet, was häufig zu Verwirrung führt. Dabei handelt es sich um zwei grundlegend verschiedene Erkrankungen, die unterschiedliche Ursachen, Verläufe und Behandlungen haben. 

Das Herzaneurysma ist in jedem Fall eine ernste Erkrankung, die unerkannt und unbehandelt zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie Thrombosen, Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz bis hin zu einer Ruptur führen kann. Daher ist eine frühzeitige Diagnose und rechtzeitige Behandlung essenziell.

Was ist der Unterschied zwischen einem Herzwandaneurysma und einem Aneurysma der herznahen Aorta?

Das Herzwandaneurysma, auch Ventrikelaneurysma genannt, beschreibt eine krankhafte Ausbuchtung der Herzwand, meist lokalisiert in der linken Herzkammer. Die häufigste Ursache eines Herzwandaneurysmas ist ein vorheriger Herzinfarkt. Dabei stirbt im Bereich des Infarktes der Herzmuskel ab und wird durch narbiges Bindegewebe ersetzt, welches weniger belastbar ist und sich ausstülpen lässt. Das Herzwandaneurysma gilt somit als eine schwere Komplikation nach einem Herzinfarkt.

Das Aneurysma der herznahen Aorta betrifft nicht den Herzmuskel, sondern die Muskulatur der Hauptschlagader im Bereich der Aortenwurzel oder des Aortenbogens. Diese Form wird auf der Seite zum Thema Aortenaneurysma ausführlich beschrieben.

Welche Ursachen hat ein Herzaneurysma?

Die mit Abstand häufigste Ursache eines Herzaneurysmas ist der ischämische Herzinfarkt. Dabei ist eines der Herzkranzgefäße verschlossen, und der jeweilige Bereich der Herzmuskulatur, der durch das Gefäß versorgt wird, bekommt plötzlich kein Blut und keinen Sauerstoff. Innerhalb kürzester Zeit stirbt das Herzmuskelgewebe in diesem Bereich ab und wird durch deutlich schwächeres Narbengewebe ersetzt. Dieses Narbengewebe gibt bei hohem Blutdruck oft nach und es kommt zu einer Ausbuchtung.

Weitere, aber deutlich seltenere Ursachen sind eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis), die ebenfalls zu einer Schwäche der Herzmuskulatur führen kann oder auch angeborene Herzfehler und Fehlbildungen. Auch traumatische Herzschäden können in seltenen Fällen zu einer Wandschwächung führen.

Welche Symptome und Warnzeichen können auftreten?

In den meisten Fällen handelt es sich bei der Diagnose eines Herzaneurysmas um eine Zufallsdiagnose, da das Aneurysma selbst keine Symptome oder Beschwerden verursacht. Viel eher wird es bei einer Kontrolluntersuchung des Herzens im Rahmen der Nachsorge nach einem Herzinfarkt festgestellt. Wenn Symptome auftreten, dann sind diese meist unspezifisch oder auf die zugrunde liegende Herzerkrankung zurückzuführen.

Meistens äußert sich ein Herzaneurysma erst dann, wenn Komplikationen entstehen. Daher ist es ratsam, die folgenden Symptome umgehend abklären zu lassen:

  • Herzrhythmusstörungen: oft empfunden als Herzrasen oder Herzstolpern
  • Atemnot: zunehmend bei körperlicher Belastung
  • Dumpfe oder drückende Brustschmerzen
  • Wassereinlagerungen (Ödeme) in den Beinen als Zeichen einer Herzinsuffizienz
  • Allgemeine Erschöpfung und Leistungsminderung 

Wie wird ein Herzaneurysma festgestellt?

Ein Herzaneurysma kann grundsätzlich mit bildgebenden Verfahren dargestellt werden. Dafür eignet sich der Herzultraschall (Echokardiographie) besonders gut, da er eine direkte Darstellung der Herzwand und der Ventrikel bietet. Alternativ kann auch ein MRT des Herzens hochauflösende Schnittbilder des Herzens liefern und gibt präzise Informationen über die Lokalisation und Größe des Aneurysmas. 

Zusätzlich kann ein Elektrokardiogramm (EKG) notwendig werden, um nach Herzrhythmusstörungen zu suchen oder typische Veränderungen, die auf ein Herzaneurysma hindeuten. Bei Verdacht auf eine koronare Herzerkrankung als Ursache des Aneurysmas kann auch eine Herzkatheteruntersuchung sinnvoll sein. Damit können die Herzkranzgefäße dargestellt werden.

Wann ist eine Behandlung notwendig?

Nicht jedes Herzwandaneurysma bedarf einer operativen Behandlung. Die Therapie hängt in erster Linie von der Größe und Ausdehnung des Aneurysmas ab sowie vom Vorliegen von Symptomen. Kleinere, asymptomatische Aneurysmen können durchaus unter regelmäßigen kardiologischen Kontrollterminen beobachtet und konservativ behandelt werden. 

Grundsätzlich ist eine operative Behandlung dann erforderlich, wenn das Aneurysma eine signifikante Größe annimmt, sodass eine Ruptur droht, die normale Herzfunktion beeinträchtigt oder Herzrhythmusstörungen als Folge des Aneurysmas entsteht. Besonders gefährlich ist dann ein Herzaneurysma, wenn sich ein Blutgerinnsel im Aneurysma bildet, da es zu einem Schlaganfall führen kann.

Welche Operationen und anderen Behandlungsverfahren kommen infrage?

Bei kleineren, asymptomatischen Herzaneurysmen kann die Behandlung konservativ erfolgen. Dazu kommen in erster Linie folgende Medikamente zum Einsatz: Blutdrucksenker (ACE-Hemmer, Betablocker), damit das Herz entlastet wird, sowie Blutverdünner, sogenannte Antikoagulanzien, zur Vorbeugung der Bildung von Thrombosen und Schlaganfällen. Bei Vorliegen von Herzrhythmusstörungen können Antiarrhythmika verschrieben werden.

Die operative Behandlung des Herzaneurysmas stellt die Ventrikelrekonstruktion dar. Dabei wird das vernarbte Gewebe, aus dem die Ausbuchtung des Aneurysmas entsteht, entfernt und die Herzwand in ihre ursprüngliche Form gebracht. Grundsätzlich wird diese Art der Operation offen durchgeführt, während die Herz-Lungen-Maschine zwischenzeitlich die Funktion des Herzens übernimmt. Sollte gleichzeitig eine behandlungsbedürftige koronare Herzerkrankung bestehen, bietet es sich außerdem an, gleichzeitig eine Bypass-Operation durchzuführen.

Wie hoch sind die Risiken, wenn ein Herzaneurysma unbehandelt bleibt?

Ein unbehandeltes, schweres Herzwandaneurysma kann zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen. Die Wahrscheinlichkeit steigt mit dem Ausmaß und der Schwere des Aneurysmas. Zu den chronischen Folgen gehört die Herzinsuffizienz, bei der das Herz geschwächt ist und in seiner Pumpleistung dauerhaft beeinträchtigt ist. Langfristig kann die Herzinsuffizienz zu einem Herzversagen führen.

Zu den akut lebensbedrohlichen Komplikationen gehören Thromboembolien, die sich im Aneurysma bilden und durch ihre anatomische Lage im linken Ventrikel in den Körperkreislauf gelangen und eine Embolie oder einen Schlaganfall verursachen. Jede Art von Aneurysma kann auch rupturieren, und im Falle des Eintretens im Herz, verläuft dies meist tödlich. Außerdem kann das Narbengewebe des Aneurysmas die elektrische Reizleitung stören und zu Herzrhythmusstörungen bis hin zum lebensbedrohlichen Kammerflimmern führen.

Wie sind Lebenserwartung und Prognose nach der Behandlung?

Die Prognose und Lebenserwartung hängen in erster Linie von der Größe des Aneurysmas sowie dem Ausmaß der zugrunde liegenden Herzerkrankung ab. Da das Aneurysma überwiegend Patienten betrifft, die bereits kardiovaskulär vorerkrankt sind, meist durch eine vorangehende koronare Herzerkrankung, Bluthochdruck oder Diabetes mellitus, kann keine pauschale Aussage zur Prognose gemacht werden, da jede Begleiterkrankung den langfristigen Verlauf beeinflusst.

Jedoch berichten viele Patienten nach einer erfolgreichen Ventrikelrekonstruktion über eine Besserung ihrer Beschwerden und Lebensqualität. Für eine gute Prognose ist eine frühzeitige Diagnose und Behandlung aller Begleiterkrankungen essenziell, um die Herzfunktion so lange wie möglich zu erhalten. Ohne operative Behandlung ist die Prognose bei einem symptomatischen Herzaneurysma deutlich schlechter mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von etwa 50 Prozent.

Welche Ärzte & Kliniken sind Spezialisten für die Behandlung eines Herzaneurysmas?

Die Diagnose und Behandlung eines Herzaneurysmas erfordert eine Zusammenarbeit von mehrerer Fachrichtungen. In der Regel sind die ersten Ansprechspartner für alle Anliegen um das Herz herum die Fachärzte für Kardiologie. Sie können ein Aneurysma diagnostizieren und sind für die medikamentöse Behandlung des Herzaneurysmas oder kardiovaskulärer Begleiterkrankungen zuständig.

Wenn eine Operation erforderlich ist, dann sind die Fachärzte für Herzchirurgie die zuständigen Spezialisten. Die Ventrikelrekonstruktion ist eine hochkomplexe Operation, die eine hohe chirurgische Expertise und jahrelange Erfahrung erfordert. Daher ist es empfehlenswert, sich an Zentren mit hohen Fallzahlen und ausschließlich an erfahrene Herzchirurgen zu wenden. 

Spezialisierte Herzzentren arbeiten außerdem eng mit anderen Fachrichtungen, wie Kardiologen oder Internisten, zusammen. Alle unsere gelisteten Fachärzte und Kliniken wurden sorgfältig auf ihre Erfahrung und Expertise in der Diagnose und Behandlung eines Herzaneurysmas überprüft und erwarten Ihre Anfrage.

Quellen:

  • JACC – Übersichtsarbeit zum Ventrikelaneurysma (aktuell, 2024):
Castelvecchio S, Pappalardo OA, Menicanti L et al. Postmyocardial Infarction Ventricular Aneurysm: JACC Focus Seminar 5/5. J Am Coll Cardiol. 2024;83(19):1917–1935. DOI: 10.1016/j.jacc.2024.02.044
  • PubMed Central – Review Diagnose und Behandlung Ventrikelaneurysma (2025):
Diagnosis and treatment of post-acute myocardial infarction ventricular aneurysm: A review. [Internet]. 2025 Aug [zitiert am 02.08.2026]. PMCID: PMC12338154. Verfügbar unter: pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12338154/
  • ESC – Leitlinie Herzinsuffizienz:
McDonagh TA, Metra M, Adamo M et al. 2021 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure. Eur Heart J. 2021;42(36):3599–3726.
  • Thieme – Herzwandaneurysma nach Myokardinfarkt:
Das Herzwandaneurysma nach Myokardinfarkt. Thieme Connect [Internet]. DOI: 10.1055/s-0028-1105176. Verfügbar unter: www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0028-110517