Sichere Früherkennung von Prostatakrebs


Prostatakarzinom Früherkennung

Ultraschall- und Tastuntersuchungen reichen nicht immer aus, um bösartige Veränderungen der Vorsteherdrüse zu diagnostizieren. Die zuverlässigste Methode ist eine MRT (Magnetresonanztomographie), sagt Dr. med. Beat Porcellini, Spezialist für Radiologie und Senior Consultant in der Radiologie der Klinik Hirslanden in Zürich.

Interview: Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO | Erstellt am 20.02.2020

 

Warum sind die gängigen Früherkennungsuntersuchungen für Prostatakrebs nicht ausreichend, um mögliche Tumore festzustellen?

Dr.Porcellini: „Bei der herkömmlichen Tastuntersuchung durch den Anus erreicht man nur den hinteren Bereich der Vorsteherdrüse. Zwar entstehen hier tatsächlich die meisten Prostatatumore, aber die Seite und der vordere Abschnitt der Prostata können bei der normalen Tastuntersuchung nicht erreicht werden. Hinzu kommt, dass eine große Erfahrung notwendig ist, da auch harmlose, altersbedingte Vergrößerungen und Knoten sich ähnlich anfühlen können wie Tumore. Umgekehrt sind kleinere Tumore nur schlecht zu ertasten. Auch der Ultraschall eignet sich nur bedingt. Er ist eindimensional und selbst bei Verwendung von Kontrastmittel nicht aussagekräftig genug. Die Durchblutung mancher Tumore, die durch das Kontrastmittel angezeigt wird, entspricht der von gesundem Gewebe oder der vermeintliche Tumor ist in Wirklichkeit eine entzündliche Erkrankung.“

 

Warum lässt sich die Prostata mittels MRT so viel besser darstellen?

Dr.Porcellini: „ Bei dieser bildgebenden Methode können wir die Schnittebenen (Längs-,  Quer- und Frontalschnitte) frei wählen und haben zudem insgesamt vier MR-Parameter zur Verfügung, die zusammen eine sichere Diagnose ergeben. Sie lassen genau erkennen, wo z.B. eine erhöhte Zelldichte auf einen Tumor hinweist, wo genau sich diese verdächtige Gewebsansammlung befindet und wie verwachsen bzw. abgegrenzt sie von dem umgebenen Gewebe und anderen Organen ist. Die Verteilung des Kontrastmittels in der Prostata ist ein weiterer Hinweis darauf, ob sich hier möglicherweise ein bösartiger Tumor angesiedelt hat. Die MRT der Prostata ist zurzeit das beste Verfahren zum Ausschluss oder Nachweis eines bösartigen Tumors.“

 

Können Sie mit Hilfe einer MRT auch erkennen, ob es sich um einen gutartigen oder bösartigen Tumor handelt oder „nur“ um eine Entzündungsreaktion?

Dr.Porcellini: „Ja, in den meisten Fällen schon. Es gibt natürlich auch Ausnahmen, bei Unklarheiten muss eine Biopsie, eine Gewebeprobe, folgen. Aber die MRT bietet eine Sicherheit im hohen Prozentbereich. Fast jeder Mann entwickelt im Laufe seines Lebens ein Prostatakarzinom. Es ist der häufigste bösartige Tumor bei Männern. Zum Glück sind es selten hoch-maligne, also gefährliche, Tumore. In vielen Fällen wächst der Prostatakrebs sehr langsam und verursacht auch keine Beschwerden, so dass man ihn zwar beobachten sollte, ihn aber nicht behandeln muss.“

 

Vielen Patienten scheuen sich im Rahmen  der Prostatavorsorge vor dem Einsatz einer Endorektalspule, die in den After eingeführt wird – ist dies dringend erforderlich?

Dr. Porcellini: „Sie ist auf jeden Fall sinnvoll, da sie eine höhere Bildauflösung und damit eine sicherere Diagnose ermöglicht. Sie müssen sich das so vorstellen, als ob Sie ein Objekt entweder aus 10 Metern oder aus 1 Meter Entfernung betrachten können. Das ist ein großer Unterschied. Wir untersuchen bei uns im Urologiezentrum pro Tag etwa 8 Patienten mit der Endorektalspule. Viele Urologen schicken ihre Patienten extra zu uns, weil wir durch unsere Untersuchungsmethode dafür bekannt sind, gute Bilder und sichere Diagnosen zu liefern. Diese sind u.a. auch wichtig für roboterassistierte Prostataperationen mit dem DaVinci. Sie sind Basis, man kann auch sagen, die Landmarken für jede Präzisions-OP, die ja vor allem auch wichtige Nerven- und Gefäßbahnen schonen und auch die Erektionsfähigkeit erhalten soll. Ich erkläre meinen Patienten vorher, warum die Rektalspule wichtig ist. Dann verwenden wir ein betäubendes Gel und Nitrospray, um eine Entspannung der Muskulatur zu erreichen, so dass sie am Ende nur wenig spüren.“

 

Kann eine MRT-Untersuchung der Prostata auch eine Biopsie überflüssig machen?

Dr. Porcellini: „Wenn die MRT unauffällig ist, ist eine Gewebeentnahme unnötig. Wenn allerdings ein Tumor festgestellt wird, sollte eine Biopsie zur Typisierung des Tumors erfolgen. Auch hier ist eine MRT-basierte Biopsie empfehlenswert, weil sie präzise ist damit Fehlproben verhindert werden. In der MRT  können wir die exakte Stelle für die Gewebeentnahme festlegen und sie dauert inklusive Vorbereitung auch nur 30 Minuten. Im Gegensatz dazu ist die Gefahr groß, dass bei ultraschallbasierten Verdachtsfällen eine Biopsie vorgenommen wird, deren Ergebnis dann häufig negativ ist, also letztendlich unnötig war.“

 

Wenn dieses Verfahren so sicher und präzise ist – warum ist  die MRT-Prostatadiagnose nach wie vor eine Ausnahme?

Dr. Porcellini: „Das liegt an den Gesundheitssystemen der Länder und den entsprechenden Leitlinien. Seit 2017 ist vorgesehen, dass bei Verdacht auf ein Prostatakarzinom eine MRT gemacht wird. Wenn der Tast- und Ultraschallbefund etwas Verdächtiges ergeben, ist eine MRT als Folgeschritt aussagekräftiger als eine Biopsie. Denn selbst wenn eine Biopsie den Tumorverdacht bestätigt, muss in jedem Fall noch eine MRT folgen, um die genaue Ausdehnung, eventuell weitere Herde und den möglichen Befall der Lymphknoten abzubilden.“

 

Kann die Prostata-MRT dazu beitragen, die Zahl der Vorsorgeuntersuchungen zu steigern?

Dr.Porcellini: „Ja, sie sollte sich unbedingt als schmerzlose und strahlungsfreie Vorsorgediagnostik etablieren. Männer sollten ihre Prostata spätestens ab einem Alter von 60 Jahren untersuchen lassen, bei familiärer Vorbelastung auch früher. In einem ersten Schritt kann bei einem Bluttest der PSA-Wert bestimmt werden. Lässt sich dieses prostataspezifische Antigen (PSA) in erhöhtem Maße im Blut nachweisen, kann dies auf ein Tumorwachstum hinweisen. Im zweiten Schritt kann eine Prostata-MRT dann Gewissheit bringen. Erst wenn in der MRT die Verdachtsdiagnose eines bösartigen Tumors nachgewiesen wird, erfolgt eine Biopsie. Deshalb lege ich Wert auf die Aussage: Eine MRT ist die sicherste Methode um einen Prostatatumor auszuschließen oder nachzuweisen.“

 

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