Nur bei Beschwerden behandeln


Gallensteine

Während Gallenblasensteine häufig keine Beschwerden verursachen, sind Steine im engeren Gallengang problematischer, erklärt Prof. Dr. med. Thomas Zöpf, Spezialist für Gastroenterologie und Klinikdirektor der Gastroenterologie der St. Vincentius-Kliniken und des Diakonissenkrankenhauses Karlsruhe.

Interview: Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

 

Welche Symptome lösen Steine in den Gallenwegen aus?

Prof. Zöpf: „Gallenblasensteine verursachen häufig keinerlei Beschwerden. Falls doch, äußert sich dies durch Koliken, die meist nach üppigen Mahlzeiten auftreten. Falls es durch die Steine zur Entzündung der Gallenblase kommt, ist dies ein Notfall, der umgehend operiert werden muss. Steine im Gallengang verursachen häufiger Komplikationen, weil dieses Gangsystem nur einen Durchmesser von wenigen Millimetern hat und durch Steine leicht verstopft. Die Folgen können eine Gelbsucht, Koliken oder auch eine Bauchspeicheldrüsenentzündung sein, falls der Stein nach unten wandert.“

Wie werden Steine in den Gallenwegen diagnostiziert?

Prof. Zöpf: „Das erste Mittel der Wahl ist eine Ultraschalluntersuchung, mit der Gallenblasensteine gut erkannt werden können. Gallengangsteine sind per Ultraschall schwieriger abzubilden. Hier werden nur etwa 50 Prozent tatsächlich erkannt. Bei Verdacht auf Gallengangsteine bietet sich eine spezielle, nicht-invasive MRT an, eine sogenannte Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie (MRCP), oder eine Endosonographie, also ein Ultraschall von Innen, der mit einer Magen- bzw. Darmspiegelung vergleichbar ist.“

In welchen Fällen ist eine ERCP, eine endoskopisch retrograde Cholangio-Pankreatikographie, notwendig?

Prof. Zöpf: „Dies ist ein Verfahren, das für die Behandlung von Gallengangsteinen den Goldstandard darstellt. Es handelt sich um eine Kombination aus Endoskopie und Röntgenbildgebung. Dabei wird über ein spezielles Endoskop, das durch Mund, Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm vor die Mündung des Gallengangs geführt wird, über einen dünnen Plastikkatheter Kontrastmittel in den Gallengang eingebracht, um diesen mit Hilfe eines Röntgenbildes darzustellen. Anschließend können mögliche Gallensteine mit Hilfe von kleinen Ballons und Körbchen eingefangen und entfernt werden. Da bei diesem invasiven Verfahren das Risiko von Blutungen bzw. Entzündungsreaktionen der Bauchspeicheldrüse besteht, wird die ERCP vor allem in der Therapie von Gallengangsteinen eingesetzt und nicht (mehr) allein zur Diagnose.“

Welche anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Gallensteinen und Gallengangsteinen?

Prof. Zöpf: „Gallenblasensteine, die Beschwerden verursachen, können durch eine laparoskopische Operation im Schlüsselloch-Verfahren entfernt werden. Es handelt sich um einen unkomplizierten Eingriff, bei dem die Patienten lediglich ein bis vier Tage in der Klinik bleiben. Bei Gallengangsteinen ist die bereits beschriebene ERCP der Goldstandard. 85 bis 90 Prozent aller Gallengangsteine werden so entfernt. Die Erfolgsquote liegt bei mehr als 99 Prozent. Bei lediglich fünf bis zehn Prozent der Gallengangsteine ist die Therapie komplizierter. Hier ist dann eine High-End-Ausstattung erforderlich, um die Steine in den Gallengängen mit einem „Minipresslufthammer“ (elektrohydraulische Lithotripsie oder Laserlithotripsie) zu zertrümmern und zu entfernen. In einigen Fällen sind mehrere Sitzungen notwendig, um die störenden Gallensteine zu entfernen.“

Müssen Patienten nach einer Gallenstein-Operation Diät halten?

Prof. Zöpf: „Direkt nach dem Eingriff ist eine fettärmere Ernährung sinnvoll, um das Verdauungssystem zu entlasten. Allerdings ist die Entstehung von Gallensteinen genetisch bedingt. Sie können über die Ernährung zwar positiv beeinflusst, aber nicht verhindert werden. Falls die Gallenblase komplett entfernt werden musste, ist die normalerweise schwallartig erfolgende Entleerung der Gallenflüssigkeit nicht mehr möglich. Zum Ausgleich produziert die Leber mehr Galle, die dann direkt an den Darm abgegeben wird. Dadurch kann es vor allem bei fettreicher Nahrung zunächst zu Durchfällen kommen, die sich aber in der Regel von selbst wieder geben.“

Wie groß ist die Gefahr, dass sich nach einer erfolgreichen Behandlung erneut Steine in der Gallenblase und dem Gallengang bilden?

Prof. Zöpf: „Wenn die Gallenblase entfernt wurde, kann sich dort natürlich kein Stein mehr bilden. Ansonsten zeigt die Statistik, dass jeder Fünfte erneut Gallensteine entwickelt, häufig dann im Gallengang.“

Welche Patientengruppen sind besonders gefährdet, Gallensteine zu entwickeln?

Prof. Zöpf: „Wir wissen, dass Frauen häufiger als Männer betroffen sind. Ein typischer Auslöser bei Übergewichtigen ist der Versuch, das Gewicht zu reduzieren. Dadurch ändert sich die Zusammensetzung der Stoffwechselprodukte und es kommt zur Ausfällung von Kristallen, die dann Gallensteine bilden.“

Wie kann die Bildung von Gallensteinen verhindert bzw. zumindest positiv beeinflusst werden?

Prof. Zöpf: „Studien haben nachgewiesen, dass Diäten nicht vorbeugend wirken. Allerdings ist eine ausgewogene, mediterran ausgerichtete Ernährung mit viel Gemüse grundsätzlich gesundheitsfördernd. Es gibt auch die Möglichkeit, die Bildung von Gallensteinen mit Hilfe von Medikamenten (sogenannte Bärengalle) zu beeinflussen. Allerdings müssten diese Wirkstoffe dauerhaft eingenommen werden, obwohl sie selbst auch Nebenwirkungen erzeugen. Ich halte dies nicht für sinnvoll.“

 

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