Gute Überlebenschancen bei früh entdecktem Brustkrebs


Mammakarzinom

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Die Heilungschancen sind gut, wenn der Tumor rechtzeitig entdeckt und behandelt wird, erklären Dr. med. Maren Darsow und Dr. med. Oksana Möller, Spezialistinnen für Brustkrebs und Chefärztinnen im Kompetenzzentrum für Brustchirurgie und Brustgesundheit am Luisenkrankenhaus in Düsseldorf.
Interview: Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Brustkrebs?

Dr. Darsow: „Vor allem bei Brustkrebs in einem frühen Stadium ist eine Operation die wichtigste Therapie. Falls eine Chemotherapie notwendig ist, würde man diese allerdings falls möglich zuerst durchführen und anschließend operieren.“

Dr. Möller: „ Auch wenn der Verdacht auf Brustkrebs den betroffenen Frauen Angst macht: Ein Mammakarzinom ist kein Notfall und muss nicht am nächsten Tag operiert werden. Wichtig ist eine ausführliche und präzise Diagnose, um die beste Therapie für die Patientin auswählen zu können.“

Wie häufig gelingt es, die Brust bei einer Operation zu erhalten?

Dr. Möller: „In 70 bis 80 Prozent der Fälle können wir die natürliche Brust erhalten. Das liegt zum  Teil am modernisierten Vorsorgeangebot: Ab dem 50. Lebensjahr können Frauen alle zwei Jahre zu einem Brust-Screening (Mammographie) gehen. Dabei lassen sich Brustkrebserkrankungen bereits in einem frühen Stadium erkennen, so dass wir den Tumor entfernen und die Brust erhalten können.“

Dr. Darsow: „Gleichzeitig haben wir bei einer Brustkrebsoperation die Möglichkeit, die Form der Brust neu zu gestalten, z.B. durch eine Straffung oder durch eine Brustverkleinerung. Viele Patientinnen sagen nach dem Eingriff, dass sie ihre Brüste schöner finden als vor der OP.“

Wie ersetzten Sie das entfernte Brustgewebe?

Dr. Darsow: „Bei fast allen Brustkrebsoperationen kann Eigengewebe zum Wiederaufbau der Brust verwendet werden. Falls die gesamte Brust entfernt werden muss, kommen häufig Implantate zum Einsatz. Über die möglichen Verfahren sprechen wir im Vorfeld ausführlich mit der jeweiligen Patientin.“

Welche Vor- und Nachteile haben Eigengewebe bzw. Implantate?

Dr. Moeller: „Viele Patientinnen wählen Implantate, weil es ein sehr schonendes Verfahren ist. Die Wunde ist kleiner, es entstehen weniger Narben und die Heilungsphase kürzer als bei Eigengewebsrekonstruktionen.“

Dr. Darsow: „Der Vorteil beim Wiederaufbau der weiblichen Brust mit Eigengewebe ist, dass es vom Körper sehr gut angenommen wird und lebenslang hält. Mittlerweile geben zwar auch einige Implantathersteller lebenslange Garantien. Allerdings kann man nicht genau vorhersagen, wie lange sie wirklich halten. Bei Implantaten besteht die Gefahr einer Kapselfibrose, einer schmerzhaften Gewebeverhärtung, die einen Austausch der Implantate erforderlich macht. Auch eine Materialermüdung, bei der Silikon austreten könnte, kann nicht ausgeschlossen werden.“

Ist für eine Brustrekonstruktion eine zweite Operation notwendig?

Dr. Möller: „Die moderne Brustchirurgie ermöglicht es, während einer Operation den Tumor zu entfernen und gleichzeitig die Brust zu rekonstruieren. Falls eine Angleichung der zweiten Brust erforderlich ist, würde man allerdings 6 bis 12 Monate warten, damit die Heilung abgeschlossen ist.“

Dr. Darsow: „Es gibt allerdings auch Frauen, die Bedenkzeit benötigen und zunächst nur den Tumor entfernen lassen. Nicht jede Frau wünscht eine Brustrekonstruktion. Selbst bei Amputationen ist dies nicht immer der Fall. Wir legen großen Wert darauf, in  ausführlichen Vorgesprächen mit unseren Patientinnen zu klären, was ihren Wünschen und Bedürfnissen entspricht. Wichtig ist auch, dass ein Brustaufbau auch nach Jahren noch möglich ist.“

Welche Nachsorge ist nach einer Brustkrebsoperation erforderlich?

Dr. Darsow: „Das hängt von der Biologie des Tumors ab. Wenn wir brusterhaltend operieren, folgt in der Regel im Anschluss eine Strahlentherapie. So können wir das Risiko senken, dass Tumorzellen in der Brust überleben. Als Nebeneffekt verfeinert eine Bestrahlung entstandene Narben. Falls eine Chemotherapie notwendig ist, würden wir diese vor einer Operation durchführen, um das Wachstum des Tumors zu stoppen und ihn möglichst zu verkleinern. Falls der Tumor auf Hormone anspricht, erfolgt nach der OP eine Anti-Hormon-Behandlung, um einen Rückfall zu verhindern.“

Wie lange dauert die Heilungsphase nach einer Brustkrebs-OP?

Dr. Möller: „Unsere Patientinnen bleiben je nach Eingriff zwischen 5 und 7 Tagen im Krankenhaus. Die Wundversorgung kann in einem Medizinischen Versorgungszentrum erfolgen. Die Nachsorge übernimmt die Gynäkologin oder der Gynäkologe.“

Dr. Darsow: „Es freut uns immer wieder zu sehen, wie schnell unsere Patientinnen nach einer Brustkrebsoperation wieder fit sind und wie wenig Schmerzen sie haben. Wir raten den Frauen, sich möglichst 2 Wochen komplett zu schonen. Nach etwa 8 Wochen sollte die Heilung komplett abgeschlossen sein.“

Bleiben nach einer Brustkrebsoperation sichtbare Narben?

Dr. Darsow „Das wichtigste ist, den Tumor sicher zu entfernen. Ich setze den kleinen Schnitt lieber direkt über dem Tumor, statt ihn durch die ganze Brust zu ziehen, um die Narbe in einer Hautfalte zu verbergen.“

Dr. Möller: „Narben sind für die meisten Brustkrebs-Patientinnen zweitrangig. Wir informieren im Vorgespräch über die mögliche Narbenbildung. Viel wichtiger ist für die Frauen, dass die Form und das Volumen der Brust so gut wie möglich rekonstruiert werden, dass die Brustwarze an der richtigen Stelle sitzt und es keine unschönen Verformungen gibt.“

Wie groß sind die Heilungschancen bei Brustkrebs?

Dr. Darsow: „Das hängt von der Art des Tumors und dem Fortschritt der Erkrankung ab. Bei einem früh entdeckten, langsam wachsenden Tumor liegen die Heilungschancen bei bis zu 98 Prozent.“

Dr. Möller: „Daher ist die Brustkrebs-Früherkennung so wichtig! Leider nutzen bisher nur 50 Prozent der Frauen die Möglichkeit eines Mammographie-Screenings. Hier müssen wir besser aufklären. Schließlich wird diese Vorsorge-Untersuchung von allen Krankenkassen kostenlos durchgeführt. Ein Brustultraschall ist eine Ergänzung zur Mammographie. Die Leistung wird von der Krankenkassen nicht übernommen und zählt zu den sogenannten ‚Individuelle Gesundheitsleistungen’ (IGEL), die von den Patientinnen selbst bezahlt werden muss.“

Wie groß ist bei Brustkrebs die Gefahr eines Wiederauftretens?

Dr. Darsow: „Ob und wo Rezidive auftreten ist abhängig von der Art des Tumors. Die Gefahr, dass ein aggressiver Tumor, der nicht auf Hormone anspricht (triple-negatives Mammakarzinom), wiederkommt, liegt bei 15 Prozent. Bei anderen, weniger aggressiven Tumoren ist die Gefahr eines Wiederauftretens deutlich geringer.“

Dr. Möller: „Dass nach einer Brustkrebs-OP und Bestrahlung erneut Tumore in der Brust auftreten, betrifft etwa 3 bis 6  Prozent der Patientinnen. Falls die Brust abgenommen und rekonstruiert wurde, ist das Risiko etwas geringer: Von diesen Patientinnen erkrankt maximal 1 Prozent erneut an Brustkrebs.“

 

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