Fett, gegen das keine Diät hilft


Lipödem

Eine Fettverteilungsstörung ist meistens genetisch bedingt und kann auch schlanke Menschen treffen.

Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

Wer Katharina B. sieht hat das Gefühl, hier wurden aus einem Baukasten nicht zusammen passende Teile verwendet: Gesicht, Hals, Rumpf und Arme sind schlank. Die Füße stecken in zierlichen Ballerina-Schuhen. Aber ihre Oberschenkel und das Gesäß sind dermaßen voluminös, so dass die 35-jährige Probleme hat, normal zu gehen. Katharina B. leidet unter Lipödemen: einer krankhaften Vermehrung des Fettgewebes. Lipödeme treten immer symmetrisch auf, also an beiden Beinen gleichzeitig. Häufig machen sich die ersten Symptome in Zeiten hormoneller Umschwünge bemerkbar, also z.B. nach der Pubertät oder nach einer Schwangerschaft. Sie entwickeln sich schleichend und werden meist mit einer normalen Gewichtszunahme verwechselt. Bis Katharina B. endlich einen Arzt und die richtige Diagnose fand, musste sie sich viele Sprüche anhören: „Du musst einfach mal konsequent Diät halten“ oder „Einfach mehr Sport treiben, dann verschwindet das Fett von ganz alleine“. Leider alles Unsinn, bestätigt Dr. med. Uwe von Fritschen, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie am Helios Klinikum Emil von Behring in Berlin: „Bei Lipödemen lassen sich die Fetteinlagerungen überhaupt nicht von Diäten oder Sport beeinflussen. Es handelt sich um eine Störung der Fettverteilung, von der ausschließlich Frauen betroffen sind. Zum einen vermehrt sich beim Lipödem das Fettgewebe, zum anderen wird es durchlässiger für Lymphflüssigkeit. Die Lymphbahnen haben nur eine bestimmte Transportkapazität. Überflüssiges Gewebewasser dringt zwischen die Fettzellen ein (Lymphödem) und führt zu einer Verhärtung des Gewebes . Viele Betroffene klagen daher über eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit an den unerwünschten Fettpolstern und neigen bei kleinsten Berührungen zu blauen Flecken“.

Was hilft bei einem Lipödem?

„In einem frühen Stadium wird zunächst versucht, den Vorgang aufzuhalten“, erklärt Dr. von Fritschen. „Dabei helfen Lymphdrainagen ein- bis zweimal pro Woche und eine Kompressionsbehandlung, z.B. durch Kompressionsstrümpfe. Beides verhindert, dass sich Lymphflüssigkeit im Gewebe ansammelt“. Eine natürliche Lymphdrainage wird durch Wasserdruck ausgelöst, so dass Betroffenen auch empfohlen wird, Schwimmen zu gehen oder Wassersportarten zu betreiben. „Häufig leiden Lipödem-Patienten psychisch erheblich unter ihrem unförmigen Aussehen, meiden Schwimmbäder und verhüllen sich in langer Kleidung“, weiß Dr. von Fritschen. „Und der hohe Leidensdruck manifestiert sich auch in körperlichen Beschwerden:  Die betroffenen Frauen leider unter Behinderungen beim Gehen und heftigen Schmerzen. In so einem Fall macht es durchaus Sinn, über eine Fettabsaugung nachzudenken“.

Lipödem-Therapie durch Fettabsaugen

Die wirksamste Maßnahme gegen Lipödeme ist die Reduzierung des Fettgewebes. Dadurch wird der Bereich verkleinert, in den Flüssigkeit einlaufen kann. Dr. von Fritschen und sein Team behandeln Lipödeme mit einer „wasserstrahlassistierten Liposuktion (WAL)“, so der Fachbegriff. Dabei werden die Fettzellen mit einem hauchdünnen, energiereichen Wasserstrahl ausgelöst und abgesaugt. Je nach Umfang der Fettansammlungen sind mehrere Sitzungen notwendig. Wird zu viel auf einmal abgesaugt, können ungleichmäßige Dellen entstehen, aber auch schwerwiegende Komplikationen auftreten. Daher sollten Betroffene unbedingt darauf achten, das Fettabsaugen von einem Facharzt ausführen zu lassen. Noch wichtiger ist, dass bei diesem Verfahren auf keinen Fall die Lymphbahnen oder Nerven verletzt werden. „Der große Vorteil der Liposuktion ist: Was einmal weg ist, kommt nicht wieder“, betont Dr. von Fritschen. „Der Nachteil: Die Liposuktion ist häufig eine Privatleistung. Die Krankenkassen übernehmen lediglich die konservativen Therapien, nur in sehr seltenen Fällen auch die Fettabsaugung. Wir versuchen aber dennoch für jeden einzelnen Patienten eine Kostenübernahme zu erreichen“. Die Kosten für eine Liposuktions-Sitzung belaufen sich auf 3000 bis 5000 Euro, so Dr. von Fritschen: „Der gemeinsame Bundesausschuss G-BA hat im Januar die Eckpunkte für eine Studie zur Liposuktion bei Lipödemen beschlossen. Bis Ergebnisse vorliegen, werden aber bestimmt fünf Jahre vergehen. Frühestens dann werden die Krankenkassen in Erwägung ziehen, die Liposuktion in ihren Leistungskatalog bei Lipödemen aufzunehmen“. Bis dahin versucht Dr. Fritschen die Lipödem-Therapie in der Bevölkerung und bei Medizinerkollegen verstärkt in den Fokus zu rücken, z.B. mit Veranstaltungen wie dem Deutschen Lymphtag im März. „Fast 10 Prozent aller Frauen in Deutschland leiden unter Lipödemen unterschiedlicher Ausprägung“, erklärt Dr. von Fritschen. „70 Prozent davon bleiben unbehandelt. Es wäre schön, wenn wir diese drastische Zahl in Zukunft deutlich senken könnten“. 

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