Schonende Radiotherapie bei Prostatakrebs


Prostatakarzinom

Für Patienten, bei denen die gängigen Behandlungsverfahren keinen ausreichenden Erfolg gebracht haben, ist eine Bestrahlung mit Hilfe radioaktiv angereicherter Moleküle eine aussichtsreiche Therapieoption, erklärt Prof. Dr. med. Samer Ezziddin, Spezialist für  Nuklearmedizin und Direktor der Klinik für Nuklearmedizin im Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg, das seit 2019 zu den vier weltweit größten PSMA Behandlungszentren zählt.

Interview: Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

 

Wie funktioniert die molekulare Radiotherapie bei Prostatakarzinomen?

Prof. Ezziddin: „Wir verwenden den Begriff ‚Radioligandentherapie’, eine besondere Form der Radionuklidtherapie. Dabei machen wir uns zunutze, dass besonders bösartige Prostatakarzinome an ihrer Zelloberfläche ein bestimmtes Protein bilden, das sogenannte ‚Prostataspezifische Membranantigen’, kurz PSMA. Um die Krebszellen zu vernichten, setzen wir Stoffe ein, die genau an diese Proteine binden und die wir zuvor mit radioaktiven Strahlern versehen haben. Diese haben nur eine geringe Reichweite von weniger als einem Millimeter und bestrahlen die Krebszellen zielgenau von innen.“

Wie gelangt das radioaktive Nuklid an den Tumor?

Prof. Ezziddin: „Das Radiopharmazeutikum wird per Infusion über die Vene in die Blutbahn injiziert. Tumore sind gut durchblutet und können auf diese Art und Weise bestens von dem Wirkstoff erreicht werden.“

Wie lange dauert es bis die Therapie wirkt?

Prof. Ezziddin: „Der Effekt ist bereits einige Wochen nach der Therapie nachweisbar. Nach etwa zwei Monaten ist bei vielen Patienten ein Großteil der Metastasen bereits abgestorben. Generell kann man sagen, dass die volle Wirkung nach einem bis drei Monaten eintritt.“

Wie oft muss eine molekulare Radiotherapie bei Prostatakrebs wiederholt werden?

Prof. Ezziddin: „Eine Standardtherapie besteht aus vier Sitzungen, die im Abstand von vier bis acht Wochen erfolgen. Danach liegt es in Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren, wie Ansprechen auf die Therapie, Verträglichkeit und Resttumormasse, im Ermessen des behandelnden Arztes, ob weitere Sitzungen erfolgen sollen oder ob der erzielte Erfolg bereits ausreicht. Grundsätzlich kann diese Therapie problemlos mehrfach wiederholt werden.“

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Prof. Ezziddin: „Der Vorteil dieser millimetergenauen, zielgerichteten Radiotherapie ist, dass umgebende Strukturen nicht mitbestrahlt werden. Das heißt, anders als bei einer allgemeinen Radio- oder Chemotherapie, werden nur der Tumor selbst, bzw. dessen Metastasen bekämpft und kein umgebendes gesundes Gewebe geschädigt. Allerdings gibt es Organe, in denen sich die verwendeten Radionuklide einlagern. Dazu gehören die Speicheldrüsen, die Nieren und das Knochenmark. Die Funktion der Speicheldrüsen kann daher vorübergehend oder dauerhaft leicht beeinträchtigt sein. Dies äußert sich vor allem durch ein Gefühl der Mundtrockenheit. Die Nieren sind zwar betroffen, eine problematische Abnahme der Nierenfunktion wurde allerdings noch nicht beobachtet. Im Gegenteil: Häufig bessert sich unter der Behandlung die Nierenfunktion, da sich der Allgemeinzustand des Patienten dank die Radionuklidtherapie bessert. Das Knochenmark ist wie bei jeder systemischen Therapie auch bei dieser Behandlungsmethode betroffen, allerdings in einem sehr viel geringeren Ausmaß als dies z.B. bei einer Chemotherapie der Fall ist. Es kann vorübergehend zu einer Abnahme der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und der Blutplättchen (Thrombozyten) kommen. Komplikationen, wie z.B. eine Knochenmarksinsuffizienz, wurden allerdings noch nicht festgestellt.“

Wie belastend ist die Therapie für die Patienten?

Prof. Ezziddin: „Wenn überhaupt, berichten mir Patienten von einem leichten Gefühl der Abgeschlagenheit für die Dauer von etwa zwei Wochen. In dieser Phase findet der Hauptanteil der Bestrahlung im Tumor statt, was auch eine Reaktion des Immunsystems bewirkt. Die meisten Patienten verspüren allerdings keine Nebenwirkungen.“

Für wen ist die molekulare Prostatatherapie geeignet?

Prof. Ezziddin: „Die gute Nachricht ist: Es gibt keine ganz harten Ausschlusskriterien für diese Behandlung. Sie kommt dann zur Anwendung, wenn die Möglichkeiten der etablierten Krebstherapien ausgeschöpft sind. Einzige Voraussetzung ist, dass der Tumor bzw. die Metastasen ausreichend über PSMA-Moleküle verfügen. Dies kann durch eine sogenannte PET/CT-Untersuchung nachgewiesen werden, eine Fusion zweier bildgebender Verfahren.“

Kann die molekulare Radiotherapie in Zukunft Operationen oder eine Chemotherapie ersetzen?

Prof. Ezziddin: „Die Radioligandentherapie ist definitiv in der Lage, eine drastische Tumorreduktion zu erreichen. Bisher wird sie – wie bereits erwähnt – nur dann angewandt, wenn die gängigen Krebstherapien nicht den gewünschten Erfolg zeigen. Es gibt aber bereits entsprechende Studien, die darauf abzielen, nachzuweisen, dass die Radioligandentherapie bessere Ergebnisse liefert als eine Zweitlinien-Chemotherapie. Anschließend müsste dann der Vergleich zu einer Erstlinien-Chemotherapie untersucht werden. Da eine Chemotherapie bekanntermaßen größere Schäden im Körper anrichten kann, bin ich mir sicher, dass die molekulare Radiotherapie in Zukunft stärker in den Vordergrund rücken wird. Auch jetzt schon sollte man Patienten, die aus Angst vor den Nebenwirkungen eine Chemotherapie ablehnen, die molekulare Radiotherapie nicht vorenthalten.“

 

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