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Vulvadysplasie: Was ist das und was bedeutet die Diagnose?
Der Begriff Vulvadysplasie beschreibt eine atypische Veränderung der Zellen der Vulva. Eine Dysplasie bedeutet, dass sich Zellen eines Gewebes oder Organs verändert haben und bei der Untersuchung unter dem Mikroskop ungewöhnlich aussehen. Der medizinische Fachbegriff für eine Vulvadysplasie ist die vulväre intraepitheliale Neoplasie (VIN).
Dabei handelt es sich ausschließlich um Veränderungen der Zellen der obersten Hautschicht der Vulva. Wichtig ist zu wissen, dass Krebszellen grundsätzlich auch veränderte Zellen sind, dies jedoch nicht bedeutet, dass jede Art von Dysplasie bösartig ist. Somit ist eine Vulvadysplasie nicht automatisch mit Vulvakrebs gleichzusetzen. Jedoch kann sie sich zu einem invasiven, bösartigen Plattenepithelkarzinom der Vulva weiterentwickeln.
Welche Ursachen und Risikofaktoren begünstigen eine Vulvadysplasie?
Die wichtigste Ursache der Vulvadysplasie ist eine virale Infektion mit humanen Papillomviren (HPV). Diese Viren lassen sich in Hochrisiko- und Niedrigrisiko-Subtypen einteilen, wobei insbesondere Hochrisiko-HPV-Typen, wie HPV-16 und 18, mit der Entstehung bestimmter Krebserkrankungen verbunden sind. Aber auch hier ist wichtig zu wissen, dass nicht jede Infektion gleich zu einer Dysplasie führt.
Die meisten HPV-Infektionen werden innerhalb von wenigen Jahren vom Immunsystem von selbst beseitigt. Nichtsdestotrotz sollte man jede Vulvadysplasie ernst nehmen und regelmäßig kontrollieren. Zu den Risikofaktoren einer HPV-assoziierten Vulvadysplasie gehören ein geschwächtes Immunsystem, Rauchen und eine hohe Anzahl an Sexualpartnern.
Es können auch nicht HPV-assoziierte Formen der Vulvadysplasie auftreten. Diese Form tritt häufig bei älteren Frauen auf und steht mit chronischen Vulvaerkrankungen wie Lichen planus in Verbindung.
Welche Symptome können bei einer Vulvadysplasie auftreten?
Eine Vulvadysplasie kann bei vielen Patientinnen für lange Zeit asymptomatisch bleiben und nur zufällig bei einer gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung entdeckt werden. Wenn Symptome auftreten, dann sind diese meist unspezifisch und können sich in Form von Juckreiz, Brennen oder einem Wundgefühl im Bereich der Vulva äußern. Bei manchen Patientinnen treten zudem Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie) auf.
Mögliche sichtbare Hautveränderungen für eine Dysplasie sind H rötliche oder bräunliche Flecken. Es können in einigen Fällen auch kleine Knoten tastbar sein oder wunde Stellen sichtbar sein. Da die Symptome sehr unspezifisch sind, lässt sich durch die Symptome selbst nicht zuverlässlich feststellen, ob eine Vulvadysplasie vorliegt.
Wie wird eine Vulvadysplasie erkannt und diagnostiziert?
Jede gynäkologische Untersuchung beim Frauenarzt erfordert eine sorgfältige Inspektion der Vulva und der Schleimhäute. Bereits während dieser Untersuchung können die oben beschriebenen Hautveränderungen festgestellt werden. Dadurch kann sich der Verdacht auf eine Vulvadysplasie ergeben.
Um eine Vulvadysplasie festzustellen oder auszuschließen muss eine Gewebeprobe der Vulva entnommen werden, eine sogenannte Biopsie. Dabei wird unter lokaler Betäubung eine Probe der Schleimhaut aus dem auffälligen Bereich der Vulva entnommen und ins Labor geschickt. Dort werden die Zellen unter dem Mikroskop auf atypische Veränderungen untersucht. Genau diese Untersuchung kann zeigen, ob eine Vulvadysplasie oder ein bereits invasives Plattenepithelkarzinom vorliegt.
Welche Formen und Schweregrade der Vulvadysplasie gibt es?
Die zwei wichtigsten Formen der Vulvadysplasie sind die HPV-assoziierte VIN und die HPV-unabhängige VIN. Die HPV-assoziierte Vulvadysplasie wird auch als vulväre intraepitheliale Läsion beschrieben. Dazu gehören sogenannte „low-grade“ und „high-grade“ Läsionen. Unter „low-grade“ (auf Deutsch: geringgradig) versteht man nur leichte Zellveränderungen, während „high-grade“ (auf Deutsch: hochgradig) stärker ausgeprägte Dysplasien beschreibt. Hochgradige Läsionen haben ein deutlich höheres Entartungsrisiko und gelten als echte Präkanzerosen. Die HPV-unabhängige VIN besitzt ein sehr hohes Risiko für eine Progression zu einem invasiven Karzinom und sollte in jedem Fall entfernt werden.
Wie wird eine Vulvadysplasie behandelt?
Die Behandlung der Vulvadysplasie hängt von mehreren Faktoren ab, darunter der Ausdehnung und Lokalisation der Läsion, dem Alter der Patientin und dem allgemeinen Gesundheitszustand. Dennoch ist die häufigste Behandlung die vollständige operative Entfernung der Läsion, insbesondere bei den hochgradigen Dysplasien. In einigen Fällen können HPV-assoziierte Läsionen auch mit einer Creme mit dem Wirkstoff Imiquimod therapiert werden. Diese Creme bewirkt die Aktivierung des lokalen Immunsystems und hilft dem Körper, krankhaft veränderte Zellen zu bekämpfen.
Bei geringgradigen Läsionen können alternativ auch ablative Verfahren, wie Laser, eingesetzt werden. HPV-unabhängige Läsionen müssen grundsätzlich aufgrund ihres hohen Entartungsrisikos operativ entfernt werden. Außerdem sollten zugrunde liegende chronische Hauterkrankungen wie Lichen planus oder Lichen sclerosus behandelt werden.
Wie ist die Prognose und kann sich eine Vulvadysplasie zu Vulvakrebs entwickeln?
Die Prognose einer Vulvadysplasie hängt von der Form und dem Schweregrad der Dysplasie ab. HPV-assoziierte hochgradige Läsionen und HPV-unabhängige Läsionen haben ein deutlich höheres Risiko, als HPV-assoziierte niedriggradige Läsionen, sich zu einem invasiven Vulvakarzinom weiterzuentwickeln. Geringgradige Läsionen bilden sich bei jungen Patientinnen auch in vielen Fällen spontan zurück. Jedoch sollten diese engmaschig kontrolliert werden.
Auch nach erfolgreicher Behandlung kann es außerdem zu Rezidiven kommen. Daher sind langfristige Nachsorgen beim niedergelassenen Frauenarzt wichtig. In der Regel sind die Heilungschancen insgesamt sehr gut, wenn die Vulvadysplasie frühzeitig erkannt und behandelt wird. Eine HPV-Impfung kann außerdem das Risiko von HPV-assoziierten Läsionen zusätzlich reduzieren.
Wie erfolgen Nachsorge und regelmäßige Kontrollen?
Nach Abschluss der Behandlung einer Vulvadysplasie sind weiterhin regelmäßige gynäkologische Kontrollen erforderlich. Dabei achtet der Frauenarzt besonders auf Rezidive oder neue Läsionen. Außerdem sollten die betroffenen Patientinnen aufmerksam bleiben und auf wiederkehrende oder neu auftretende Beschwerden im Bereich der Vulva achten und sich damit umgehend an den Frauenarzt wenden. Die genauen Intervalle werden individuell festgelegt und hängen von der Art der VIN sowie der durchgeführten Therapie ab.
Welche Ärzte & Kliniken sind Spezialisten für Vulvadysplasie?
Für Diagnose, Behandlung und Nachsorge einer Vulvadysplasie sind in der Regel Fachärzte für Gynäkologie und Geburtshilfe mit Schwerpunkt auf Vulvaerkrankungen zuständig. Da Vulvadysplasien unterschiedliche Verlaufsformen haben können und auch das Risiko besteht, zu einem Vulvakarzinom zu entarten, empfiehlt es sich, ein gynäkologisches Zentrum aufzusuchen, das auf Vulvadysplasien spezialisiert ist.
Solche Zentren können Sie sowohl bei der Diagnose als auch bei der Therapie begleiten und bieten ein großes Spektrum an Therapiemöglichkeiten an. Wir möchten Ihnen die Suche nach einem geeigneten Spezialisten erleichtern. Alle unsere gelisteten Fachärzte und Kliniken wurden sorgfältig nach ihrer Erfahrung und Expertise im Bereich der Vulvadysplasie ausgewählt und erwarten Ihre Anfrage.
Quellen:
- 1. Kopp J, Schüler-Toprak S, Ortmann O. Prämaligne Vulvaläsionen: Einteilung, Risikofaktoren und Therapieoptionen. Frauenheilkunde up2date. 2024;18(4):333-351. doi:10.1055/a-2179-2961.
- 2. Höhn AK, Brambs CE, Hiller GGR, et al. 2020 WHO Classification of Female Genital Tumors. Geburtshilfe Frauenheilkd. 2021;81:1145-1153. doi:10.1055/a-1545-4279.
- 3. Ahr A, Rody A, Kissler S, Kaufmann M, Gätje R. Risikofaktoren der Rezidivhäufigkeit von vulvären intraepithelialen Neoplasien Grad III (VIN III). Zentralbl Gynakol. 2006;128(6):347-351. doi:10.1055/s-2006-942280.




