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Krukenberg-Tumor: Was ist das?
Ein Krukenberg-Tumor ist eine Fernmetastase, die sich im Bereich des Eierstocks befindet und im Zusammenhang mit einem Gastrointestinalen Primärtumor entsteht. Bösartige Tumoren haben die Eigenschaft Tochtergeschwulste, sogenannte Metastasen, zu bilden, die sich über die Lymphe oder den Blutkreislauf in ferne Organe absiedeln. Somit ist ein Krukenberg-Tumor keine eigenständige Krebserkrankung, sondern eine Manifestation einer bereits fortgeschrittenen anderen Krebserkrankung.
Ein Krukenberg-Tumor ist eine sehr seltene Erkrankung und macht etwa 1 bis 2 Prozent aller Eierstocktumoren aus. Eine weitere Besonderheit ist, dass er meist beide Ovarien betrifft. Im Gegensatz zum Ovarialkarzinom liegt der Erkrankungsgipfel beim Krukenberg-Tumor bei Frauen im gebärfähigen Alter.
Wie entsteht ein Krukenberg-Tumor und welche Primärtumoren kommen infrage?
Ein Krukenberg-Tumor ist immer eine Manifestation eines anderen Primärtumors, meist aus dem Gastrointestinaltrakt. Die häufigste Quelle ist ein Magenkrebs, welcher in etwa 70% der Fälle für die Entstehung eines Krukenberg-Tumors verantwortlich ist. Dabei kommen Krebszellen aus dem Tumor im Magen über die Blutbahn zu den Eierstöcken. Diese Absiedlungen der Krebszellen (Metastasen) wachsen und bilden den Krukenberg-Tumor.
Daneben kommen als Primärtumor alle weiteren gastrointestinalen Tumorerkrankungen infrage. Dazu gehören beispielsweise das Kolorektalkarzinom, in anderen Worten Krebs des Dickdarms und des Enddarms. Aber auch Tumorherde aus dem Dünndarm, der Gallenwege, des Brustgewebes oder der Gebärmutterschleimhaut können für die Entstehung eines Krukenberg-Tumors infrage kommen.
Der genaue Mechanismus wurde bislang noch nicht vollständig geklärt. Man vermutet am ehesten eine Ausbreitung über die Lymphbahnen, die Blutbahn oder über eine direkte Ausbreitung über das Bauchfell.
Welche Symptome kann ein Krukenberg-Tumor verursachen?
Ein Krukenberg-Tumor bleibt häufig über lange Zeit asymptomatisch, was eine frühzeitige Diagnose meist erschwert. Auch wenn Symptome durch den Krukenberg-Tumor auftreten, sind diese oft unspezifisch und können mit anderen banalen Ursachen verwechselt werden. Wie bei allen anderen Krebserkrankungen, können allgemeine Tumorsymptome wie ungewollter Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit und Appetitlosigkeit auftreten.
Zu den häufigsten Symptomen gehören unspezifische, im Charakter dumpfe oder ziehende Schmerzen im Unterbauch. Auch ein Druckgefühl oder eine tastbare Schwellung kann sich im Bauchraum bemerkbar machen. In fortgeschrittenen Stadien kann sich um den Tumor Flüssigkeit in der Bauchhöhle ansammeln, diese Ansammlung von Flüssigkeit wird als Aszites bezeichnet. Bei Aszites kann den Patientinnen ein ungewöhnlich aufgetriebener Bauch auffallen.
Wie wird ein Krukenberg-Tumor diagnostiziert?
Die Diagnose eines Krukenberg-Tumors beginnt stets mit einer ausführlichen Anamnese, einer körperlichen sowie gynäkologischen Untersuchung. Ein Krukenberg-Tumor lässt sich hervorragend mit dem Ultraschall darstellen. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: den transabdominellen Ultraschall von außen oder den transvaginalen Ultraschall, wobei der letztere eine deutlich bessere Darstellung bietet.
Zur weiteren Abklärungen wird in der Regel auch eine Schnittbildgebung des Abdomens und Beckens durchgeführt, um die Ausdehnung des Tumors zu beurteilen. Da ein Krukenberg-Tumor durchaus vor dem Primärtumor entdeckt werden kann, ist es umso wichtiger das gesamte Abdomen auf einen Primärtumor zu untersuchen. Bei Frauen im gebärfähigen Alter wird eine MRT-Bildgebung einer CT-Bildgebung bevorzugt.
Begleitend können auch Laboruntersuchung nach Tumormarkern wie CA-125, CEA oder CA 19-9 sowie eine Magen-Darm-Spiegelung weitere Hinweise liefern. Die endgültige Diagnose bietet eine Gewebeprobe (Biopsie). Eine Biopsie kann dann auch zeigen, ob es sich um einen Krukenberg-Tumor handelt und welchem Primärtumor er zuzuordnen ist.
Wie lässt sich ein Krukenberg-Tumor von primärem Eierstockkrebs unterscheiden?
Die Unterscheidung zwischen einem Krukenberg-Tumor und dem primären Eierstockkrebs ist in der Klinik extrem wichtig, da sich die Therapieansätze für beide Erkrankungen unterscheiden. Die bildgebenden Verfahren können bereits erste Hinweise liefern. Beispielsweise spricht ein beidseitiger Befall für einen Krukenberg-Tumor.
Jedoch ist eine definitive Diagnose nur mittels einer Biopsie möglich. Diese wird dann an die Pathologieabteilung weitergeleitet und die Zellen werden histologisch sowie immunhistochemisch untersucht. Unter dem Mikroskop können dann die Pathologen zwischen einem Krukenberg-Tumor und einem primären Eierstockkrebs unterscheiden. Zusätzlich kann auch durch spezifische Färbungen und Marker der Ursprung des Tumors bestimmt werden.
Wie wird ein Krukenberg-Tumor behandelt und wann ist eine Operation sinnvoll?
Die Behandlung eines Krukenberg-Tumors kann nur schwer generalisiert werden, da sie hauptsächlich vom Primärtumor und vom Ausmaß der Krebserkrankung abhäng. Jedoch ist in den meisten Fällen eine vollständige Heilung nicht möglich. Das liegt daran, dass der Krukenberg-Tumor selbst eine Metastase ist und das Vorliegen von Metastasen auf eine bereits fortgeschrittene Krebserkrankung hindeutet.
In den meisten Fällen erfordert die Behandlung einer fortgeschrittenen Krebserkrankung eine systemische Therapie, beispielsweise eine Chemotherapie. In einigen Fällen kann auch eine vollständige Entfernung des Krukenberg-Tumors sinnvoll sein, insbesondere wenn auch der Primärtumor vollständig entfernt werden kann.
Wie sind Prognose, Lebenserwartung und Heilungschancen?
Die Prognose eines Krukenberg-Tumors ist im Durchschnitt insgesamt ungünstig, da der Tumor ein Ausdruck einer metastasierten Krebserkrankung ist. Die Prognose hängt primär davon ab, ob sich auch der Primärtumor vollständig entfernen lässt. Das ist leider bei vielen Gastrointestinalerkrankungen, bei denen bereits Fernmetastasen vorliegen, oft nicht mehr möglich. Somit liegt die mediane Überlebenszeit nach Diagnose eines Krukenberg-Tumors zwischen 14 und 24 Monaten.
Jedoch gibt es auch beschriebene Fälle, bei denen sowohl der Primärtumor als auch der Krukenberg-Tumor vollständig operativ entfernt werden konnten. Wenn in solchen Fällen auch keine weiteren Metastasen vorliegen, verbessert das drastisch die Prognose. Somit spielt der Primärtumor eine deutlich entscheidendere Rolle für die Gesamtprognose.
Welche Ärzte & Kliniken sind Spezialisten für Krukenberg-Tumoren?
Die Diagnose und Behandlung eines Krukenberg-Tumors erfordert in der Regel eine enge Zusammenarbeit zwischen Spezialisten aus verschiedenen Fachbereichen. Die primären Ansprechpartner in Bezug auf den Krukenberg-Tumor sind Fachärzte für Gynäkologie und Geburtshilfe mit Schwerpunkt in der gynäkologischen Onkologie. Da ein Krukenberg-Tumor jedoch eine Manifestation eines ferneren Primärtumors ist, müssen die Gynäkologen eng mit anderen Fachspezialisten zusammenarbeiten.
Wenn der Primärtumor im Gastrointestinaltrakt entsteht, werden Fachärzte für Gastroenterologie werden in die Behandlung mit einbezogen. Auch Fachärzte für Onkologie koordinieren alle Aspekte der systemischen Chemotherapie und erstellen im Rahmen einer großen Tumorkonferenz mit den anderen Fachrichtungen ein individuelles Behandlungskonzept.
Am besten geeignet sind zertifizierte gynäkologisch-onkologische Zentren, die Erfahrung in der Behandlung seltener Ovarialumoren haben. Wir möchten Ihnen die Suche nach einem solchen Zentrum oder einem spezialisierten Facharzt erleichtern. All unsere gelisteten Fachärzte und Kliniken wurden sorgfältig auf ihre Expertise im Bereich des Krukenberg-Tumors überprüft und stehen Ihnen für Ihre Anfrage zur Verfügung.
Quellen:
- Lionetti R, De Luca M, Travaglino A, Raffone A, Coppellotti A, Peltrini R, et al. Clinics and pathology of Krukenberg tumor: a systematic review and meta-analysis. Minerva Obstet Gynecol. 2022;74(4):356-363. doi:10.23736/S2724-606X.21.04797-7.
- Peng Y, Zhang Y, Zhang X, et al. Effects of metastasectomy and other factors on survival of patients with ovarian metastases from gastric cancer: a systematic review and meta-analysis. J Cancer. 2019;10(10):2272-2281.
- Lionetti R, De Luca M, Travaglino A, Raffone A, Saccone G, Di Cicco A, et al. Prognostic factors in Krukenberg tumor. Arch Gynecol Obstet. 2019;300(5):1155-1165. doi:10.1007/s00404-019-05301-x.





