Eine gute Funktion ist unser Hauptanliegen


Rekonstruktive Gesichtschirurgie

Wenn nach einem Unfall oder aufgrund einer Krebserkrankung Gesichtspartien rekonstruiert werden müssen, ist vor allem wichtig, den Betroffenen wieder Alltagsfunktionen wie Kauen, Sprechen oder Blinzeln zu ermöglichen, erklärt PD Dr. med. Dr. med. dent. Denys J. Loeffelbein, Spezialist für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Chefarzt im Helios Klinikum München West und Leiter des Medizinischen Versorgungszentrums für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie & Plastische Chirurgie, MFACE, in München.

Interview: Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

 

Bei welchen Verletzungen bzw. Erkrankungen im Gesicht ist eine chirurgische Rekonstruktion notwendig?

PD Dr. Loeffelbein: „Das ist zum einen der Fall bei Unfallfolgen wie Verletzungen des Weichgewebes oder Knochenbrüche (Frakturen). Vieles lässt sich primär, also in einem Eingriff, wiederherstellen. Manchmal müssen allerdings spätere Funktionsdefizite korrigiert werden. Traumata im Kiefer- und Gesichtsbereich können beispielsweise zu Biss- und Augenbewegungsstörungen oder Nasenatmungsbehinderungen führen.

Zum zweiten ist dies der Fall bei Tumorerkrankungen. Tumore müssen großflächig entfernt werden, so dass durch die Operation fast zwangsläufig Defekte im Weich- und Hartgewebe entstehen, die Funktion oder Aussehen beeinträchtigen können.“

 

Warum nehmen Sie als MKG-Spezialist rekonstruktive Eingriffe vor und nicht etwa plastisch-ästhetische Chirurgen?

PD Dr. Loeffelbein: „Plastische Chirurgen sind primär konzentriert auf Weichteilrekonstruktionen, nicht auf den Knochen. Sofern also Defekte in tieferliegenden Arealen, wie dem Kiefer- oder Gesichtsschädelknochen vorliegen und Funktionsstörungen korrigiert werden müssen, sind wir Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen gefragt, die mit der Zusatzqualifikation ‚Plastische Operationen’ im Kopf-Hals-Bereich die entsprechende Expertise aufweisen.“

 

Inwieweit können neben dem ästhetischen Erscheinungsbild auch die vielfältigen Funktionen der Muskeln etc. im Gesichtsfeld wiederhergestellt werden?

PD Dr. Loeffelbein: „Leider haben Tumore und auch bestimmte Traumata erhebliche Einflüsse auf die vielfältigen Funktionen im Gesichtsbereich. Es ist daher nicht immer machbar, alle natürlichen Funktionen wieder zu erlangen. Allerdings ist in den meisten Fällen eine Verbesserung möglich. Wir konzentrieren uns vor allem darauf, die alltäglichen Funktionen wie Atmung, Sprechen, Essen und Sehen und das natürliche Erscheinungsbild bestmöglich wieder herzustellen. D.h. zum Beispiel, eine Magensonde zu vermeiden und für unsere Patienten die Möglichkeit zu schaffen, auf normalem Wege Nahrung zu sich zu nehmen.“

 

Wie bauen Sie gebrochene oder sogar zertrümmerte Gesichtsknochen wieder auf?

PD Dr. Loeffelbein: „Wir versuchen in erster Linie, alles zu erhalten, was möglich ist. Falls aber z.B. ein Unterkieferknochen entfernt werden muss, können wir diesen Defekt mit körpereigenem Knochenmaterial aus dem Beckenkamm oder dem Unterschenkel wieder ersetzen. Im Anschluss sollte dann eine kaufunktionelle Rehabilitation erfolgen.“

 

Wie ersetzen Sie geschädigte Gesichtsmuskeln oder Nerven?

PD Dr. Loeffelbein: „Wenn im Gesicht Muskeln oder Weichgewebe fehlen, können wir körpereigene Transplantate aus dem Unterarm, dem Oberschenkel oder auch der Leiste verwenden. Wichtig ist dabei, die Blutgefäße ebenfalls zu entnehmen und einen mikrochirurgischen Gefäßanschluss vorzunehmen, um eine gute Durchblutung zu erreichen. Bei einem Unterarmtransplantat entnehmen wir daher meist eine Armarterie und zwei begleitende Venen, die an die Halsgefäße angeschlossen werden. Wenn die Hälfte der Zunge nach einer Tumorentfernung fehlt, kann ein transplantierter Teil des Oberschenkelmuskels die Zungenfunktion übernehmen. Voraussetzung ist eine gute Anleitung im Rahmen von Physiotherapie und Logopädie. Bei den Gesichtsnerven ist es komplizierter. Wenn zum Beispiel ein Ohrspeicheldrüsentumor in den Nerv einwächst, muss dieser ebenfalls entfernt werden. Ein Ersatz erfolgt durch Hautnerven, die in der Regel hinter dem Ohr oder am Unterschenkel entnommen werden. Diese werden unter dem Mikroskop an den motorischen Gesichtsnerv angenäht. Die transplantierten Hautnerven können nach einigen Monaten Physiotherapie und Training die Funktion des entfernten Gesichtsnervs übernehmen. In den meisten Fällen ist eine Verbesserung möglich, z.B. wenn ein Mundwinkel hängt oder ein Patient sein Auge nicht mehr schließen kann. Wichtig ist, im Vorfeld ehrlich zu besprechen, was möglich ist, und was nicht.“

 

Verwenden Sie Fremdmaterialien wie z.B. Silikonimplantate?

PD Dr. Loeffelbein: „Ich bevorzuge in erster Linie körpereigene Transplantate. Bei knöchernen Rekonstruktionen verwenden wir zusätzlich Titanplatten zur Verbindung. Möglich sind natürlich aber auch patientenspezifische Implantate aus anderen biokompatiblen Materialien, falls z.B. das komplette Jochbein oder die Augenwand fehlt. Bei der Gesichtsrekonstruktion mit körpereigenen Transplantaten schafft man durch die Entnahme zwar einen neuen Defekt, muss dafür aber keine Abstoßreaktionen fürchten. Bei Fremdimplantaten besteht immer das Risiko einer Infektion. Allerdings werden alle Implantate steril geliefert und eingesetzt. Daher sind auch hier Infektionen eher die Ausnahme.“

 

Sind in der Regel mehrere Eingriffe notwendig?

PD Dr. Loeffelbein: „Das hängt ganz von der Ausgangssituation ab. Wenn wir einen Tumor entfernen, nehmen wir in derselben OP auch die Rekonstruktion vor. Manchmal sind im Nachhinein dann noch kleinere Korrekturen notwendig. Falls Patienten bereits voroperiert sind, verschiedene Eingriffe hinter sich haben oder unterschiedliche Gesichtsareale betroffen sind, wählt man vor allem sichere Verfahren. Dann kommt es nicht so sehr darauf an, alles während einer Operation zu erledigen, sondern auf das gewünschte Endergebnis.“

 

Wie schmerzhaft und belastend sind Gesichtsrekonstruktionen für die Patienten?

PD Dr. Loeffelbein: „Unsere Patienten sind immer überrascht davon, wie wenig Schmerzen sie erleiden. Bei der rekonstruktiven Gesichtschirurgie sind OP-Zeiten von drei bis acht Stunden keine Seltenheit. Daher erhalten unsere Patienten in den ersten Tagen nach dem Eingriff ausreichend Schmerzmittel, um sich zu schonen und zu entspannen. Das Schwierige ist für die Betroffenen, sich an die neue Situation, z.B. mit zunächst geschwollener Zunge, zu gewöhnen. Daher nehmen wir diese Eingriffe stationär vor, um sie gerade während der ersten drei bis vier Tage beruhigen und gut anleiten zu können. Der Großteil unserer Patienten ist bereits nach wenigen Tagen mobil und in der Lage, flüssige Nahrung zu sich zu nehmen. Nach ein bis zwei, spätestens jedoch drei Wochen können wir sie dann entlassen.“

 

Wie lange bleiben die OP-Folgen bzw. Narben sichtbar?

PD Dr. Loeffelbein: „Bei einer einfachen traumatischen Versorgung, z.B. nach einer Gesichtsverletzung beim Fußball, ist nach zwei bis drei Wochen kaum mehr etwas zu sehen. Bei schweren unfallbedingten Traumata oder falls der Tumor den Knochen aufgelöst hat, kann die Ausheilphase zwischen drei und neun Monaten dauern. Bei diesen schwierigen Gesichtsrekonstruktionen stehen allerdings Form und Funktion im Vordergrund. Wir versuchen grundsätzlich, in Hautfalten oder durch die Mundhöhle zu operieren. Narben sind für die Betroffenen das geringste Problem.“

 

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