Medikamentensucht

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Informationen zum Bereich Medikamentensucht

Was ist Medikamentensucht?

Medikamentensucht, häufig auch als Medikamentenabhängigkeit bezeichnet, ist eine häufige Form einer Substanzabhängigkeit. Dabei haben Betroffene die Kontrolle über die Einnahme von bestimmten Medikamenten verloren und es kommt zu einem zwanghaften Konsum trotz schädlicher Folgen. Es handelt sich um ein anerkanntes Krankheitsbild, das wie jede andere Erkrankung medizinische Behandlung erfordert.

Schätzungsweise haben in Deutschland 1,5 Millionen Menschen eine Medikamentensucht. Im Gegensatz zu vielen anderen Suchterkrankungen, entsteht diese Erkrankung schleichend und kann lange Zeit unbemerkt bleiben. Die häufigsten Medikamente sind insbesondere sedierende Substanzen wie Benzodiazepine, Schlafmittel oder Opioid-Analgetika.

Wie entsteht eine Medikamentensucht?

Eine Medikamentensucht entsteht in den seltensten Fällen durch bewussten Missbrauch. In den meisten Fällen entsteht die Abhängigkeit durch eine initiale medizinische Behandlung, bei der das Medikament bestimmungsgemäß unter ärztlicher Aufsicht verschrieben und eingenommen wird. Mit der Zeit gewöhnt sich der Körper an den Wirkstoff, sodass sich bei bestimmten Medikamentengruppen schleichend eine Abhängigkeit entwickelt. 

Nicht alle Medikamente haben ein Suchtpotenzial. Besonders suchtgefährdend sind die Wirkstoffe, die das zentrale Nervensystem beeinflussen. Meistens handelt es sich um Medikamente, die bestimmte Botenstoffe im Gehirn freisetzten, die Wohlbefinden, innere Ruhe oder Schmerzfreiheit auslösen. Das Gehirn gewöhnt sich äußerst schnell an die künstliche Wirkung, wird passiv und stellt die eigene Produktion der Botenstoffe zurück. Sobald das Medikament reduziert oder abgesetzt wird, fällt das dem Gehirn sofort auf und es entstehen Entzugserscheinungen. Genau solche Erscheinungen veranlassen die Betroffenen, das Medikament erneut einzunehmen. 

Welche Medikamente machen süchtig?

Zu den Medikamenten mit dem höchsten Suchtpotenzial gehören vor allem beruhigende und schmerzlindernde Medikamentenklassen. Benzodiazepine (z.B. Diazepam, Lorazepam) sind schnell wirkende und verlässliche Beruhigungsmittel, die bereits nach wenigen Wochen abhängig machen können. 

Die Gruppe der Opioide stellt die bekannteste Medikamentenabhängigkeit dar. Starke Schmerzmittel wie Morphin. Oxycodon oder Tramadol haben ein sehr hohes Suchtpotential. Sie lindern nicht nur Schmerzen, sondern aktivieren das Belohnungssystem im Gehirn, was sehr süchtig machen kann, da die Einnahme ein starkes Wohlgefühl auslöst. 

Zu den Schlafmitteln gehören die sogenannten Z-Substanzen (z.B. Zolpidem, Zopiclon). Zwar gelten diese als eine sicherere Alternative zu Benzodiazepinen, gewöhnt sich das Gehirn trotzdem an die Wirkung. Das kann zu einer „Rebound-Insomnie“ führen bei der man ohne das Medikament noch schlechter einschläft und gezwungen ist es einzunehmen. 

Welche Symptome und Anzeichen sprechen für eine Medikamentensucht?

Oft sind die Symptome einer Medikamentenabhängigkeit schwerer zu erkennen als bei anderen Suchterkrankungen. Das liegt vor allem daran, dass die Medikamente initial aus einem medizinisch legitimen Grund eingenommen werden. 

Wer jedoch eines oder mehrere der folgenden Warnzeichen bei sich oder einem Bekannten beobachtet, sollte dies ernst nehmen und direkt mit dem behandelnden Arzt besprechen:

  • Starkes Verlangen nach dem Medikament. Unruhe wenn das Medikament nicht verfügbar ist
  • Verminderte Kontrolle über Menge und Einnahme
  • Körperliche Entzugserscheinungen bei ausbleibender Einnahme
  • Erhöhte Toleranz. Vorherige Dosis reicht nicht mehr aus und wird eigenständig erhöht
  • Vernachlässigung anderer Interessen zugunsten der Medikamenteneinnahme
  • Fortgesetzter Konsum trotz schädlicher Folgen

Wie wird Medikamentensucht diagnostiziert?

Die Diagnose einer Medikamentensucht bedarf eines ausführlichen Anamnesegesprächs über die Einnahmedauer, Dosierung, Konsummuster und vergangene Entzugsversuche. In der Regel führt dieses ein Facharzt für Psychiatrie durch. Ergänzend können dazu auch standardisierte Fragebögen verwendet werden, um den Schweregrad der Abhängigkeit zu erfassen. In der Regel werden auch Laboruntersuchungen durchgeführt, um mögliche medikamenteninduzierte Schäden frühzeitig zu erkennen. 

Ein Abhängigkeitssyndrom kann dann diagnostiziert werden, wenn mindestens 3 der oben genannten Symptome gleichzeitig über mindestens einen Monat oder wiederholt innerhalb von 12 Monaten auftreten. 

Viele Betroffene verschweigen ihren Konsum aus Scham oder Angst vor Verurteilung. Dabei ist jedoch eine ehrliche Kommunikation mit dem behandelnden Arzt die wichtigste Voraussetzung für eine frühe Diagnose und Behandlung. Die Medikamentensucht ist eine anerkannte und behandelbare medizinische Erkrankung.

Welche Folgen hat Medikamentensucht für Psyche und Körper?

Chronischer Medikamentenmissbrauch hinterlässt deutliche Spuren am Körper sowie an der Psyche. Die genauen Folgen hängen stark von dem eingenommenen Medikament ab sowie der Dauer und Dosis des Konsums ab.

Zu den langfristigen körperlichen Folgen gehören Leber- und Nierenschäden. Das liegt daran, dass die meisten Medikamente über diese Organe abgebaut werden. Sie werden durch einen chronischen Missbrauch überlastet und nehmen dauerhafte Schäden an.

Opioide können Kreislaufprobleme und Herz-Rhythmusstörungen verursachen. Benzodiazepine und Schlafmittel können zu langfristigen kognitiven Beeinträchtigungen wie Konzentrationsstörungen und Gedächtnisproblemen führen.

Ein Medikamentenmissbrauch verstärkt oder löst häufig Depressionen und Angststörungen aus. Oft kommt es aufgrund des Konsums zu einer sozialen Isolation und einem Rückzug aus dem Alltag. Oft führt der Konsum zu Problemen im Beruf sowie in der Familie. 

Welche Therapiemöglichkeiten und Behandlungen gibt es bei Medikamentensucht?

Die Behandlung einer Medikamentenabhängigkeit erfolgt schrittweise und ist an jeden Patienten individuell angepasst. In der Regel umfasst die Behandlung einer Suchterkrankung 3 Phase: den Entzug, die Entwöhnung und Nachsorge.

Der Entzug ist der erste und meist gefürchtetste Schritt. Dieser soll jedoch niemals abrupt und ohne ärztliche Betreuung eigenständig durchgeführt werden, aufgrund des Risikos von schweren Entzugserscheinungen. Je nach Substanz und Schweregrad der Abhängigkeit kann ein Entzug stationär oder ambulant durchgeführt werden. Unter ärztlicher Aufsicht wird kontrolliert das Medikament ausgeschlichen und mit anderen Medikamenten unterstützend behandelt.

Nach dem Entzug folgt die eigentliche Therapiephase der Entwöhnung. Dabei steht die psychotherapeutische Begleitung im Mittelpunkt. Diese besteht aus einer kognitiven Verhaltenstherapie, die darauf abzielt, die zugrundeliegenden Ursachen der Abhängigkeit zu verstehen und gesündere Bewältigungsstrategien für die Zukunft zu entwickeln.

Eine langfristige Abstinenz bedarf einer kontinuierlichen Nachsorge. Diese setzt sich zusammen auf regelmäßigen ambulanten Kontrollterminen, Selbsthilfegruppen, gegebenenfalls auch eine Fortsetzung der psychotherapeutischen Gespräche.

Welche Ärzte und Kliniken sind Spezialisten für die Behandlung von Medikamentensucht?

Für die Diagnose und Therapie der Medikamentensucht sind Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie mit Schwerpunkt in der Suchtmedizin zuständig. Für die Entzugstherapie selbst gibt es spezielle suchtmedizinische Kliniken und Entzugsstationen. Solche Kliniken bestehen aus einem großen interdisziplinären Team aus Psychiatern, Psychologen, Sozialarbeitern und spezialisiertem Pflegepersonal. Sie sind bestens ausgestattet, um den körperlichen Entzug medizinisch sicher zu begleiten und eine langfristige Entwöhnung einzuleiten. 

Unsere gelisteten Fachärzte und Suchtkliniken wurden sorgfältig auf ihre langjährige Erfahrung und Expertise in der Behandlung der Medikamentenabhängigkeit überprüft. Kontaktieren Sie unsere Experten für ein unverbindliches Beratungsgespräch. 

Quellen:

  • AMBOSS. Störungen durch Substanzgebrauch und Verhaltenssüchte [Internet]. Berlin: AMBOSS GmbH; 2026 Jan 25 [cited 2026 Apr 30]. Available from:
  • Thieme. Medikamentenabhängigkeit [Internet]. Stuttgart: Georg Thieme Verlag; [cited 2026 Apr 30]. Available from:
  • Datenportal Sucht und Drogen des Beauftragten der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen. Medikamente [Internet]. Berlin: Bundesministerium für Gesundheit; [cited 2026 Apr 30]. Available from:
  • Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht). S3-Leitlinie Medikamentenbezogene Störungen [Internet]. AWMF-Registernummer 038-025; 2020 [cited 2026 Apr 30]. Available from: www.dgppn.de/_Resources/Persistent/9dd86f97183aae0e5e3258fcf2d9bfb53031feb6/038-025_medikamente_langfassung.pdf