Medikamentenentzug

Sie suchen einen erfahrenen Facharzt für den medizinischen Bereich Medikamentenentzug? Bei PRIMO MEDICO finden Sie ausschließlich Spezialisten, Kliniken und Zentren in Ihrem Fachgebiet in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

SPEZIALIST FINDEN

Spezialisten für Medikamentenentzug

1  Spezialist gefunden

My Way Betty Ford Klinik

Suchterkrankungen, Psychiatrie und Psychotherapie

Bad Brückenau

Informationen zum Bereich Medikamentenentzug

Was ist ein Medikamentenentzug? 

Der Begriff Medikamentenentzug beschreibt einen Prozess, bei dem die Einnahme eines Medikamentes, das eine Abhängigkeit erzeugt, schrittweise reduziert oder vollständig abgesetzt wird. Die Medikamentensucht ist eine anerkannte medizinische Suchterkrankung, die sich schleichend entwickelt und stets mit einer legitimen medizinischen Behandlung beginnt. 

Das betrifft vor allem Medikamente, die physiologisch ein hohes Suchtpotenzial aufweisen. Anders als bei anderen Suchterkrankungen wird der Medikamentenentzug in der Regel schrittweise verringert. Man spricht häufig davon, das Medikament „auszuschleichen“. Dies ist sehr wichtig, da ein abruptes Absetzen bei solchen Substanzen mit bedrohlichen Entzugserscheinungen und Komplikationen verbunden ist.  Daher sollte der Entzug niemals eigenständig ohne medizinische Betreuung durchgeführt werden. 

Wann ist ein Medikamentenentzug notwendig?

Ein Medikamentenentzug ist notwendig, sobald eine körperliche oder psychische Abhängigkeit von dem Gebrauch eines Medikamentes entstanden ist. Das betrifft insbesondere Substanzen, die ein hohes Suchtpotenzial haben und über einen längeren Zeitraum eingenommen wurden. Eine Abhängigkeit entsteht meistens, wenn diese Medikamente länger oder in höheren Dosen eingenommen werden als ursprünglich verordnet. 

Psychische und körperliche Anzeichen, die auf die Notwendigkeit eines Entzugs hinweisen sind:

  • Eine eigenständige Dosissteigerung, um die gleiche Wirkung zu erzielen
  • Heimliches Einnehmen von höheren Dosen des Medikamentes oder gleichzeitige Verschreibung durch unterschiedliche Ärzte
  • Auftreten von Entzugserscheinungen bei ausbleibender Einnahme
  • Unruhe wenn das Medikament nicht vorhanden ist
  • Gescheiterte Versuche, das Medikament eigenständig abzusetzen
  • Fortsetzung des Konsums trotz eindeutiger schädlicher Folgen

Welche Symptome treten bei einem Medikamentenentzug auf? 

Die Symptome eines Medikamentenentzugs sind in erster Linie von der eingenommenen Substanz abhängig sowie der Schwere der Abhängigkeit. Sie können von leichten Beschwerden bis hin zu bedrohlichen Komplikationen reichen.

Zu den allgemeinen Entzugssymptomen gehören:

  • Innere Unruhe, Reizbarkeit und Angstgefühle
  • Schlafstörungen und Albträume
  • Schwitzen und Herzrasen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Konzentrationsprobleme und Gedächtnisstörungen

Spezifisch für Benzodiazepine und Schlafmittel (Z-Substanzen) sind ausgeprägte Angststörungen und Panikattacken. In schweren Fällen können sogar epileptische Anfälle entstehen. Der Entzug von Opioiden ist oft mit starken Schmerzen, Muskelkrämpfen, Durchfall und intensivem Verlangen (Craving) nach der Substanz verbunden.

Grundsätzlich gilt: Je früher ein Entzug eingeleitet wird, desto geringer ist das Risiko für schwere Entzugserscheinungen und Komplikationen. Wer den Verdacht hat, bei sich selbst oder Bekannten, abhängig von einem Medikament zu sein, sollte dies offen und ohne Scham mit dem behandelnden Arzt besprechen. Jeder Mensch ist bei der Einnahme solcher Medikamente einem gewissen Risiko ausgesetzt.

Wie lange dauert ein Medikamentenentzug? 

Die Dauer eines Medikamentenentzugs kann von Person zu Person unterschiedlich ausfallen. Sie hängt von der Art des Medikaments, der Einnahmedauer und Dosis, und der Schwere der Abhängigkeit ab. Nicht jeder Patient hat die gleichen Entzugssymptome oder den gleichen Verlauf.

In der Regel dauert der Entzug länger als bei anderen Substanzen wie Alkohol. Das liegt daran, dass bei Medikamenten ein ausschleichender Entzug häufig bevorzugt wird. Zudem gibt es auch in den meisten Fällen einen medizinischen Grund für die Einnahme der Medikamente.

Der Entzug von Opioiden und Schmerzmitteln dauert in der Regel 1 bis 2 Wochen. Man muss mit starken körperlichen Entzugserscheinungen und anhaltendem Verlangen rechnen und umgehen. Bei Benzodiazepinen und Schlafmitteln verläuft der Entzug sehr langsam und kann sich über mehrere Wochen bis Monate ziehen aufgrund des hohen Risikos für schwere Komplikationen durch zu schnelles Absetzen.

Ist ein Medikamentenentzug zu Hause möglich oder sollte er stationär erfolgen? 

Ähnlich wie bei der Dauer, ist auch die Durchführung des Entzugs von vielen Faktoren abhängig. Maßgeblich von der Schwere der Abhängigkeit sowie der eingenommenen Substanz.

Bei leichten Fällen, beispielsweise psychischer Abhängigkeit von Benzodiazepinen kann oft ein ambulanter Entzug durchgeführt werden. Dies setzt jedoch die Abwesenheit von relevanten Begleiterkrankungen und einem unterstützenden sozialen Umfeld voraus. Außerdem ist eine engmaschige ärztliche Begleitung mit regelmäßigen Terminen erforderlich.

Bei langjähriger oder schwerer Abhängigkeit, bestehenden körperlichen oder psychischen Begleiterkrankungen, vergangenen Komplikationen oder gescheiterten Entzugsversuchen empfiehlt sich ein stationärer Entzug. Auch bei einer Opioidabhängigkeit ist ein stationärer Aufenthalt aufgrund der starken körperlichen Symptome meist unumgänglich. 

Wie läuft ein Medikamentenentzug ab und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? 

Vor dem eigentlichen Entzug erfolgt eine gründliche ärztliche Untersuchung, um die Schwere der Abhängigkeit und den körperlichen Zustand zu erfassen. Gemeinsam mit dem Arzt wird ein individueller Entzugsplan erstellt und über alle Schritte aufgeklärt.

Der Medikamentenentzug erfolgt durch eine kontrollierte, schrittweise Reduktion der Medikamentendosis. Oft werden zusätzliche Medikamente mit eingesetzt, um die Entzugssymptome zu lindern und Komplikationen vorzubeugen. Bei Opioiden ist eine Schmerzlinderung essenziell und bei Benzodiazepinen wird auf ein anderes Präparat umgestellt, das anschließend reduziert wird. 

Parallel sollte eine psychotherapeutische Begleitung eingeleitet werden. Diese setzt sich aus einer kognitiven Verhaltenstherapie zusammen mit dem Ziel die Ursachen der Abhängigkeit zu verstehen und alternative Bewältigungsstrategien zu entwickeln.

Welche Ärzte und Kliniken sind Spezialisten für den Medikamentenentzug?

Für die Durchführung eines Medikamentenentzugs sind Fachärzte für Psychiatrie mit Schwerpunkt auf Suchtmedizin zuständig. Sie arbeiten in spezialisierten suchtmedizinischen Kliniken und Entzugsstationen. Solche Stationen verfügen über ein Team bestehend aus Psychiatern, Psychologen, Sozialarbeitern und spezialisiertem Pflegepersonal. Das gesamte Team unterstützt die Patienten rund um die Uhr durch alle Phasen des Entzugs. 

Bei der Wahl der geeigneten Klinik soll darauf geachtet werden, dass das Therapiekonzept neben dem Entzug auch die Vorbereitung auf eine weiterführende Entwöhnungstherapie einschließt. Unsere gelisteten Fachärzte und Kliniken wurden sorgfältig auf ihre Erfahrung und Expertise in Bereich des Medikamentenetzugs  überprüft und erwarten Ihre Anfrage. 

Quellen:

  • AMBOSS. Störungen durch Substanzgebrauch und Verhaltenssüchte [Internet]. Berlin: AMBOSS GmbH; 2026 Jan 25 [cited 2026 Apr 30]. Available from:
  • Thieme. Medikamentenabhängigkeit [Internet]. Stuttgart: Georg Thieme Verlag; [cited 2026 Apr 30]. Available from:
  • Datenportal Sucht und Drogen des Beauftragten der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen. Medikamente [Internet]. Berlin: Bundesministerium für Gesundheit; [cited 2026 Apr 30]. Available from:
  • Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht). S3-Leitlinie Medikamentenbezogene Störungen [Internet]. AWMF-Registernummer 038-025; 2020 [cited 2026 Apr 30]. Available from: www.dgppn.de/_Resources/Persistent/9dd86f97183aae0e5e3258fcf2d9bfb53031feb6/038-025_medikamente_langfassung.pdf