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Was ist Eileiterkrebs?
Eileiterkrebs, medizinisch auch Tubenkarzinom genannt, ist eine bösartige maligne Erkrankung der Frau. Dabei handelt es sich um einen Tumor der im Eileiter entsteht. Eine Frau hat zwei Eierstöcke, welche über die sogenannten Eileiter mit der Gebärmutter verbunden sind. Sie sind etwa 10-14 cm lang und transportieren die Eizelle von den Eierstöcken in die Gebärmutter. Der Großteil der Tumore entsteht aus Drüsenzellen der Eileiterschleimhaut und wird deswegen auch als Adenokarzinom bezeichnet.
Der Eileiterkrebs stellt in der Frauenheilkunde eine besondere Herausforderung dar, da er lange Zeit keine Symptome verursacht und dadurch erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt wird, was wiederrum die Prognose verschlechtert.
Wie häufig ist Eileiterkrebs und in welchem Alter tritt er auf?
Eileiterkrebs gilt insgesamt als eine seltene Krebserkrankung. Er macht lediglich 0,1 bis 1,8 Prozent aller gynäkologischen Tumore aus und ist deutlich seltener als der Eierstockkrebs. In Deutschland werden jährlich bis zu 400 Neuerkrankungen diagnostiziert. Wie bei den meisten Tumoren der Gebärmutter, liegt auch beim Tubenkarzinom das mittlere Erkrankungsalter zwischen dem 55. und 65. Lebensjahr. Zum Großteil betrifft es daher postmenopausale Frauen, aber kann auch in seltenen Fällen in einem jüngeren Alter auftreten.
Welche Ursachen und Risikofaktoren hat ein Eileiterkarzinom?
Bisher sind keine bestimmten Ursachen eines Eileiterkarzinoms bekannt. Wie bei den meisten Krebserkrankungen, gibt es verschiedene Faktoren, die das Risiko zu erkranken begünstigen. Jedoch handelt es sich in den meisten Fällen um spontane genetische Mutationen, die ohne erkennbaren Auslöser auftreten und zur Entstehung eines Tumors führen.
Der bedeutendste Risikofaktor ist eine Mutation in den Tumorsuppressorgenen BRCA1 oder BRCA2. Diese Mutationen erhöhen das Lebenszeitrisiko für die Entstehung von Brust-, Eileiter- und Eierstockkrebs. Daher empfiehlt es sich generell, bei familiärer Häufung der genannten Krebserkrankungen eine genetische Beratung einzuholen. Sollte diese Mutation bekannt sein, so haben Betroffene Anspruch auf frühe und engmaschige Vorsorgeuntersuchungen um mögliche Tumoren so früh wie möglich zu erkennen.
Weitere Risikofaktoren, die mit einem erhöhten Risiko für Tumore der Eileiter assoziiert sind, sind unter anderem:
- Kinderlosigkeit
- Frühe erste Regelblutung und späte Menopause
- Langfristige Hormonersatztherapie
- Chronische Entzündungen der Eileiter
- Endometriose
- Übergewicht
Welche Symptome und ersten Anzeichen verursacht das Tubenkarzinom?
Das Tubenkarzinom verursacht in frühen Stadien meist keine oder sehr unspezifische Beschwerden. Typische Symptome, bei denen es sich in jedem Fall empfiehlt, einen Frauenarzt aufzusuchen, sind ein abnormaler vaginaler Ausfluss oder unregelmäßige Blutungen außerhalb der Regelblutung beziehungsweise nach der Menopause, die weiterer Abklärung bedürfen. Weitere Symptome können außerdem unspezifische Unterleibschmerzen oder Allgemeinbeschwerden wie Nachtschweiß, Gewichtsverlust und Abgeschlagenheit sein.
Ein charakteristisches Symptom für das Tubenkarzinom ist ein plötzlicher vaginaler Abgang einer großen Menge wässriger Flüssigkeit aus der Scheide. Dieses Phänomen nennt sich auch Hydrops tubae profluens und tritt aufgrund einer plötzlichen Entleerung des angestauten Eileiters auf.
Wie wird Eileiterkrebs erkannt und diagnostiziert?
Die größte Herausforderung, den Eileiterkrebs frühzeitig zu erkennen, wird durch die meist späten oder sehr unspezifischen Symptome leider erschwert. Die wichtigsten Schritte bei der Diagnose beginnen mit einer gynäkologischen Untersuchung und einem transvaginalen Ultraschall, mit dem sich strukturelle Veränderungen des Eileiters darstellen lassen.
Zusätzlich können auch sogenannte Tumormarker wie das CA-125 im Blut bestimmt werden. Diese eignen sich jedoch mehr als Verlaufsparameter und reichen als alleiniger Wert nicht für eine Diagnose aus. Die endgültige Diagnose kann ausschließlich mit einer Gewebeprobe (Biopsie) bestätigt werden, meist im Rahmen einer Operation oder Laparoskopie. In der Regel wird auch ein CT oder MRT des Beckens und Abdomens durchgeführt, um die Tumorausdehnung zu beurteilen und nach Fernmetastasen zu suchen.
Welche Stadien gibt es und wo bildet das Tubenkarzinom Metastasen?
Die Stadieneinteilung des Tubenkarzinoms erfolgt nach der sogenannten FIGO-Klassifikation und gliedert die Erkrankung in vier Stadien:
- Stadium I: Das Karzinom ist auf den Eileiter begrenzt
- Stadium II: Das Karzinom hat sich auf andere Organe innerhalb des Beckens ausgebreitet, wie die Gebärmutter oder die Eierstöcke
- Stadium III: Die Bauchhöhle (Peritoneum) oder die regionalen Lymphknoten sind vom Tumor befallen
- Stadium IV: Fernmetastasen in entfernten Organen wie Leber, Lunge oder Milz sind vom Tumor befallen
Da die Eileiter eng an der Gebärmutter und den Eierstöcken anliegen, breitet sich der Tumor relativ schnell in die benachbarten Strukturen aus. Somit wird ein Großteil der Karzinome erst in einem fortgeschrittenen Stadium (FIGO III oder IV) diagnostiziert.
Wie wird Eileiterkrebs behandelt?
Die Therapie des Eileiterkrebs hängt von mehreren individuellen Faktoren ab. Darunter sind am bedeutendsten das Stadium der Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose sowie der allgemeine Gesundheitszustand und die individuellen Behandlungswünsche der Patientin.
Eine Heilung ist grundsätzlich nur dann möglich, wenn der gesamte Tumor operativ entfernt werden kann. Somit stellt die Operation die einzige kurative Option dar. Ähnlich wie beim Ovarialkarzinom werden oft die Gebärmutter, beide Eierstöcke und Eileiter entfernt. Im Anschluss erfolgt eine Chemotherapie, um potenziell verbliebene Tumorzellen zu zerstören und das Rückfallrisiko zu minimieren.
Wenn eine vollständige Heilung nicht möglich ist, steht die palliative Behandlung im Vordergrund. Das heißt, dass sich das Ziel auf die Verlängerung der Lebenszeit und die Linderung der Beschwerden verschiebt. Die palliative Therapie wird individuell auf die Patientinnen abgestimmt und kann verschiedene Therapien beinhalten, die darauf abzielen die Lebensqualität zu verbessern.
Ist Eileiterkrebs heilbar? Heilungschancen, Prognose und Lebenserwartung
Die Prognose und Heilungschancen hängen in erster Linie vom Stadium der Erkrankung ab und davon, ob der Tumor operabel ist. In frühen Stadien, in denen der Tumor auf die Eileiter und Beckenorgane begrenzt ist, sind die Heilungschancen gut, da es noch möglich ist den Tumor vollständig zu entfernen. In frühen Stadien kann die 5-Jahres-Überlebensrate bis zu 90 Prozent erreichen.
In fortgeschrittenen Stadien, in denen der Tumor sich aufgrund der Ausbreitung nicht mehr vollständig entfernen lässt, sinkt die 5-Jahres-Überlebensrate auf unter 30 Prozent. Da die Erkrankung häufig erst in späten Stadien erkannt wird, ist die Prognose insgesamt ungünstig. Jedoch spricht das Tubenkarzinom meist besser auf eine Chemotherapie an als das Ovarialkarzinom.
Welche Ärzte und Kliniken sind Spezialisten für Eileiterkrebs?
Die Spezialisten für die Diagnose und Behandlung von Eileiterkrebs sind in erster Linie Fachärzte für Frauenheilkunde (Gynäkologie) mit dem Schwerpunkt gynäkologische Onkologie. Diese arbeiten eng mit Fachärzten der Onkologie zusammen und erstellen ein multimodales Behandlungskonzept. Die Gynäkologen verfügen über die operative Expertise für die Tumoroperationen der weiblichen Geschlechtsorgane, während die Onkologen für die Planung der adjuvanten Chemotherapien oder sonstigen Krebstherapien zuständig sind.
Da das Tubenkarzinom eine insgesamt sehr seltene Erkrankung ist, sollte die Behandlung ausschließlich in spezialisierten Einrichtungen mit einem Schwerpunkt in der gynäkologischen Onkologie erfolgen. Den höchsten Standard bieten in Deutschland zertifizierte Krebszentren. Unsere gelisteten Fachärzte und Kliniken wurden sorgfältig auf ihre Erfahrung und Expertise im Bereich des Eileiterkrebses überprüft und erwarten Ihre Anfrage.
Quellen:
- Amboss GmbH. Tubenkarzinom. AMBOSS. 2026. Verfügbar unter: www.amboss.com/de/wissen/tubenkarzinom
- Kommission Ovar der AGO. Diagnostik und Therapie maligner Ovarialtumoren, einschließlich Tubenkarzinom und primärem Peritonealkarzinom. S3-Leitlinie, AWMF-Registernummer 032/035OL. 2024.
- Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF). Diagnostik, Therapie und Nachsorge maligner Ovarialtumoren. Kurzversion 1.0, 2024.





