Wer bietet die beste Versorgung?


Zahnimplantate

Der erste Ansprechpartner für Patientinnen und Patienten mit Zahnproblemen ist die Hauszahnärztin oder der Hauszahnarzt. Für komplexe Zahnimplantat-Behandlungen sollte allerdings eine Fachärztin oder ein Facharzt zu Rate gezogen werden, empfiehlt Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Hendrik Terheyden, Chefarzt der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der DRK Kliniken Nordhessen in Kassel.

Interview: Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

 

Mit welchen Zahnproblemen sollten Patientinnen und Patienten direkt zur Oralchirurgin bzw. zum Oralchirurgen oder zur Mund-Kiefer-Gesichtschirurgin/ -chirurgen gehen, statt zu ihrer Hauszahnärztin oder ihrem Hauszahnarzt?

Prof. Terheyden: „Bei Zahnimplantaten unterscheiden wir Standard- und Komplex-Versorgung. Die Zahnärztin oder der Zahnarzt übernimmt häufig Fälle auf dem Niveau der Standardversorgung. Die anspruchsvolle Versorgung, die darüber hinausgeht, beispielsweise umfangreiche Knochenaufbauten, gehört eher in die Hände von Spezialistinnen und Spezialisten. Das gilt auch für Zahnimplantat-Versorgungen nach Krebserkrankungen und Unfällen, Fehlbildungen, die multiple Nicht-Anlage von Zähnen sowie ausgeprägter Knochenverlust. Und auch wenn die gesundheitlichen Voraussetzungen für die Versorgung mit Implantaten nicht ideal sind, sollte eine Fachzahnärztin oder ein Fachzahnarzt für Oralchirurgie oder eine Mund-Kiefer-Gesichtschirurgin bzw. ein -chirurg beratend hinzugezogen werden.“

In welchen Fällen sollte die Implantatversorgung durch eine Fachärztin/einen Facharzt vorgenommen werden?

Prof. Terheyden: „Die Grenze ist fließend und vom Einzelfall abhängig. Knochen ist der wichtigste Erfolgsfaktor für Implantate. Diesen kann man oft zeitgleich mit den Zahnimplantaten ergänzen. In schweren Fällen erfolgt zunächst ein Knochenaufbau und erst 4 Monate später die Zahnimplantate und der eigentliche Zahnersatz. Diese Fälle gehören eher in fachärztliche Hände. Viele Patientinnen und Patienten und die behandelnden Zahnärztinnen und Zahnärzte weichen der höheren Komplexität durch Kompromisslösungen aus, um operative Eingriffe oder den Gang in eine Facharztpraxis zu vermeiden. Es werden beispielsweise besonders kurze oder Mini-Implantate empfohlen. Oder aber es wird zu klassischen Teilprothesen geraten, wenn eine Implantatversorgung zu schwierig oder zu aufwändig erscheint. Das ist oft der sinnvolle Weg und sollte vom der Hauszahnärztin oder dem Hauszahnarzt in Ruhe mit den Patientinnen und Patienten besprochen werden. “

Warum ist die Versorgung mit Zahnimplantaten schwieriger als die traditionelle Zahnheilkunde?

Prof. Terheyden: „Die Versorgung mit Zahnimplantaten hat sich erst seit etwa 20 Jahren etabliert. Dadurch sind neue Anforderungen an die Zahnärzteschaft gestellt worden. Denn um Implantate zu verankern, muss der Körper chirurgisch eröffnet werden. Die Zahnärztin oder der Zahnarzt ist also im Gegensatz zu früher im Inneren des Körpers tätig. Die klassische materialwissenschaftliche Expertise in der zahnärztlichen Tätigkeit ist durch biologisches und medizinisches Wissen zu ergänzen, beispielsweise bei Gesundheitsrisiken oder Medikamentengaben. Schwierige operative Eingriffe gehören eher in die Hände von dafür ausgebildeten Chirurginnen und Chirurgen. Eine Ärztin oder ein Arzt für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie hat ein doppeltes Studium Zahnmedizin und Medizin absolviert, nach dem Medizinstudium folgt die mindestens 5-jährige Facharztausbildung, speziell für die Mundchirurgie. Eine Fachzahnärztin oder ein Fachzahnarzt für Oralchirurgie hat ein Zahnmedizinstudium und eine 3-jährige Fachausbildung für die Mundchirurgie absolviert. Patienten, die Zahnimplantate wünschen und keine idealen Voraussetzungen mitbringen, sollten auf diese Qualifikationen achten. Im Zweifelsfall ist es nie falsch, sich eine Zweitmeinung einzuholen, wie sie vor jedem größeren Eingriff ratsam ist. Die Bezeichnung ‚Implantologin‘ oder ‚Implantologe‘ ist keine anerkannte Zusatzqualifikation.“

Ist für den Besuch bei einer Oralchirurgin oder einem Oralchirurgen bzw. einer Mund-Kiefer-Gesichtschirurgin oder einem -chirurgen eine Überweisung erforderlich?

Prof.Terheyden: „Nein, ein kassenrechtliches Überweisungsformular existiert in der Zahnheilkunde nicht. Im Regelfall rät die niedergelassene Hauszahnärztin oder der Hauszahnarzt seinen Patientinnen und Patienten, eine spezialisierte Chirurgin oder einen Chirurgen oder eine Klinik aufzusuchen. Dort findet dann der chirurgische Teil der Behandlung statt. Danach erfolgt die Zahnersatzbehandlung und die weitere Nachsorge in der Regel wieder bei der Hauszahnärztin oder dem Hauszahnarzt. Allerdings kann auch jede Patientin bzw. jeder Patient direkt ohne Überweisung eine Fachärztin oder einen Facharzt in einer Praxis oder Klinik aufsuchen.“

Ist die Hemmschwelle, bei Zahnproblemen eine Klinik aufzusuchen, nicht sehr groß?

Prof. Terheyden: „Wir beobachten leider häufig, dass wir an den Kliniken erst dann zurate gezogen werden, wenn bereits Komplikationen eingetreten sind und es eigentlich zu spät ist. Daher haben wir in Kassel versucht, den Patientinnen und Patienten ein niedrigschwelliges Angebot zu machen. Wir halten zusätzlich ein ambulantes Implantatzentrum, verbunden mit einer fachärztlichen kieferchirurgischen Praxis, auf dem Klinikgelände für Kassen- und Privatpatientinnen und -patienten vor. Dieses ist barrierefrei im doppelten Sinne: Gut zu erreichen, auch für bewegungseingeschränkte Menschen, und weit genug vom normalen Klinikbetrieb entfernt, um Ängste zu nehmen.“

Übernehmen die Krankenkassen auch die Kosten für Oralchirurginnen/ -chirurgen oder Mund-Kiefer-Gesichtschirurginnen und -chirurgen?

Prof. Terheyden: „Alle Ärztinnen und Ärzte unterliegen einer Gebührenordnung, so dass die Behandlung entgegen einem weiteverbreiteten Irrtum bei einer Fachärztin/einem Facharzt oder einer Professorin oder einem Professor nicht teurer ist als bei normalen Zahnärztinnen und Zahnärzten. Im Gegenteil, dadurch dass Fach- und Klinikärztinnen und -ärzte jeden Tag in hoher Fallzahl operieren, können sie oft kostengünstiger arbeiten als solche Institutionen, die eher selten operieren. Grundsätzlich rangiert in der Versorgungspyramide in Deutschland die Allgemeinzahnärztin/der Allgemeinzahnarzt vor der Fachärztin/dem Facharzt und die niedergelassene Praxis vor dem Krankenhaus. In Spezialdisziplinen wie der Kieferchirurgie besteht aber sehr häufig Bedarf für die spezialisierten Kolleginnen und Kollegen. Ich würde mir daher wünschen, dass die Zahnbehandlung von den Patientinnen und Patienten, den betreuenden Zahnärztinnen und Zahnärzten, den Zahntechnikerinnen und -technikern und der Fachärzteschaft als partnerschaftliches Teamwork betrachtet wird – zum Wohle der Patientinnen und Patienten.“

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