Wunschkaiserschnitt: Zu Unrecht noch wenig anerkannt


Wunschkaiserschnitt

In Europa entscheiden sich etwa 25 Prozent der werdenden Mütter für einen geplanten Kaiserschnitt ohne medizinische Gründe. Ein Wunsch, der in unserer Gesellschaft noch wenig anerkannt ist. Zu Unrecht, sagt Prof. Dr. med. Christian Breymann, Spezialist für Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie Leiter der Gynäkologie & Geburtshilfe Seefeld und des Institut Perinatal Zürich in der Schweiz.

Interview: Susanne Amrhein, Primo Medico

Aus welchen Gründen entscheiden sich werdende Mütter bewusst für einen Kaiserschnitt?

Prof. Breymann - Wunschkaiserschnitt

Prof. Breymann: „Ich weiß, dass sich das Gerücht der sogenannten ‚Blackberry-Kinder’ hartnäckig hält. Also Geburten, die angeblich nach dem engen Terminplan der vielbeschäftigen Business-Mütter geplant werden. Aber die wahren Gründe, die ich in meinen Sprechstunden höre, sind ganz andere. Frauen, die einen Wunschkaiserschnitt erwägen, haben große Sorgen und Angst um das ungeborene Kind und auch vor Komplikationen.

Häufig sind es Frauen, die nach Fehlgeburten oder künstlicher Befruchtung (In-vitro-Fertilisation, IVF) nur unter großen Schwierigkeiten schwanger geworden sind und die sicherstellen möchten, dass dem Kind bei der Geburt nichts passiert. Andere kommen mit Erfahrungen von schwierigen Geburten aus ihrem Umfeld und möchten diese für sich selbst ausschließen. Und ein Teil der Frauen hat natürlich auch Angst vor Verletzungen des eigenen Körpers, die bei einer natürlichen, vaginalen Geburt auftreten könne, wie z.B. Dammrisse, spätere Beckenbodenbeschwerden und Inkontinenz. Auch bei Frauen, die gesundheitliche Probleme haben und z.B. unter Herz-Kreislauf-Beschwerden oder Gerinnungsstörungen leiden, ist ein geplanter Kaiserschnitt eine gute Option, weil er anders als eine Spontangeburt gut vorbereitet und überwacht werden kann.“

Wie beraten Sie Frauen, die mit dem festen Vorsatz eines Wunschkaiserschnitts zu Ihnen kommen?

Geburtshilfe Zürich - Prof. Dr. med. Christian Breymann

Prof. Breymann: „Ich berate grundsätzlich nicht direktiv, also mit der Absicht, die Frauen in eine bestimmte Richtung zu lenken. Wenn Frauen mit dem Wunsch an mich herantreten, ihr Kind mit einem geplanten Kaiserschnitt zur Welt zu bringen, interessieren mich natürlich die Gründe.

Aber meiner Meinung nach hat jede Frau das Recht zu entscheiden, wie ihr Kind auf die Welt kommen soll. Es ist ihr Körper, ihr Kind. Das Risiko, jemanden umstimmen zu wollen, möchte ich nicht eingehen. Wenn diese Frau dann eine schwere Geburt erlebt und vielleicht sogar ihr Leben lang unter den Folgen leidet, wäre ich verantwortlich. Umgekehrt würde ich aber auch einer 40-jährigen Frau, die sich eine Spontangeburt wünscht, nicht zu einem Kaiserschnitt raten, nur weil sie in der offiziellen Statistik als ‚Risikoschwangere’ gilt. Das ist immer eine individuelle Entscheidung der werdenden Mutter.“

Frauen, die einen Wunschkaiserschnitt bevorzugen, werden häufig belächelt oder sogar für ihren angeblichen ‚Egoismus’ verachtet – bereiten Sie die Frauen auf diese Reaktionen vor?

Prof. Breymann: „Ich habe tatsächlich von Müttern gehört, dass ihre Entscheidung bei Geburtsvorbereitungskursen oder auch in Hebammengesprächen kritisiert oder herabgewürdigt wurde. Ich selbst bin in verschiedenen Kliniken tätig und erlebe zum Glück das Gegenteil: Gerade die Hebammen halten sich mit Wertungen sehr zurück. Im vergangenen Jahr hat sich eine Doktorarbeit mit der Zufriedenheit nach einer Wunsch-Sectio beschäftigt. Das Ergebnis war, dass die Frauen sowohl kurz nach dem Kaiserschnitt als auch nach einem längeren Zeitraum extrem zufrieden waren. 88,1 Prozent haben angeben, dass der Kaiserschnitt gemäß ihren Vorstellungen verlaufen ist. Ich kann nur dafür plädieren, die Frauen und ihren Wunsch nach einem geplanten Kaiserschnitt bzw. ihre Ängste ernst zu nehmen.“

Wie reagieren die Partner der werdenden Mütter auf den Wunsch, das Kind bei einem geplanten Kaiserschnitt zur Welt zu bringen?

Prof. Breymann: „Da gibt es nur ganz selten unterschiedliche Meinungen. Die Frauen heutzutage sind intellektuell, aufgeklärt und leben ihr Recht, eigene Entscheidungen zu treffen. Die Männer und Partner akzeptieren das.“

Welche Risiken bestehen bei einem Wunschkaiserschnitt?

Prof. Breymann: „Im Rahmen des Beratungsgespräches gehe ich mit den Frauen einen Aufklärungsbogen durch, in dem der Eingriff genau beschrieben wird und auch mögliche Komplikationen aufgeführt sind. Natürlich entsteht eine kleine Narbe, allerdings gut versteckt direkt oberhalb der Schambehaarung. Bei schwierigen anatomischen Voraussetzungen, wie z.B. Verwachsungen, kann es in seltenen Fällen vorkommen, dass die Blase, der Harnleiter oder der Darm während des Eingriffs verletzt werden.

Der Blutverlust ist deutlich geringer als bei einer vaginalen Geburt. Insgesamt werden sämtliche Risiken aber durch die Planbarkeit des Kaiserschnitts und natürlich auch die Erfahrung des Operateurs minimiert. Anders als allgemein behauptet ist es zudem durchaus möglich, nach einem erfolgten Kaiserschnitt bei einer weiteren Schwangerschaft eine spontane Geburt zu wählen. Hier besteht zwar das Risiko, dass die Narben der Gebärmutter während der Wehen reißen. Aber generell ist es durchaus möglich.“

Wie lange müssen Frauen nach einem Wunschkaiserschnitt in der Klinik bleiben?

Prof. Breymann: „Normalerweise bleiben meine Patientinnen fünf bis sechs Tage zur Ausheilung und Überwachung im Spital. Im Vergleich dazu ist die Rekonvaleszenz deutlich schwieriger, wenn der Versuch einer vaginalen Geburt doch mit einem Kaiserschnitt beendet werden muss. Aufgrund der Erschöpfung der Mutter ist hier meist ein längerer Klinikaufenthalt notwendig.“

Wer trägt die Kosten bei einem Wunschkaiserschnitt?

Prof. Breymann: „Im Aufklärungsprotokoll werden als mögliche Gründe z.B. Sorge der Mutter wegen Geburtsschmerzen und Angst vor Schädigungen des Kindes aufgeführt. Diese Gründe akzeptieren auch die Krankenkassen für die Kostenübernahme.“

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