Schonende und schmerzarme Nasen-OP


Septorhinoplastik

Bei vielen Eingriffen an der Nase können sowohl die Funktion, als auch die äußere Form verbessert werden, erklärt Prof. Dr. med. Omid Majdani, Spezialist für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde und Chefarzt der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, plastische Kopf- und Halschirurgie im Klinikum Wolfsburg.

Interview: Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

Was genau versteht man unter einer Septorhinoplastik?

Prof. Majdani: „Dabei handelt es sich um eine Kombination aus einer Operation der Nasenscheidewand (Septumplastik), und einer Korrektur des äußeren Erscheinungsbildes der Nase (Rhinoplastik). Bei der Septumplastik steht die ungestörte Funktion der Nasenatmung im Vordergrund. Hier geht es darum, eine schiefe Nasenscheidewand zu richten, die ihrerseits die Nasenmuscheln zur Seite drängt und in einigen Fällen damit in der Nebenhöhle einen Sekretstau und Entzündungen verursachen kann.

Die Rhinoplastik ist in vielen Fällen eine reine Schönheitsoperation zur Korrektur einer Höckernase, einer großen Spannungsnase, einer Schiefnase oder einer Sattelnase. In einigen Fällen ist allerdings die äußere Nasenform die Ursache für funktionelle Probleme. Zum Beispiel dann, wenn sie sehr schmal und lang ist oder sehr breit und kurz. In diesen Fällen ändert man die äußere Form nicht nur aus ästhetischen Gründen, sondern um die Funktion zu verbessern.“

Was sind typische Eingriffe, die sich gut mit einer ästhetischen Korrektur vereinbaren lassen?

Prof. Majdani: „Falls zusätzlich die Nasenscheidewand schief ist und Probleme bereitet, macht es häufig Sinn, auch die äußere Nasenform zu korrigieren, weil die Nasenscheidewand sonst durch die äußeren Strukturen sofort wieder schief gezogen würde. Allerdings muss man von Fall zu Fall entscheiden, ob beides in einem Eingriff erfolgen kann oder es in zwei Schritten sinnvoller ist.“

Gibt es Ausschlusskriterien für eine gleichzeitige ästhetische Korrektur der Nase?

Prof. Majdani: „Es kommt natürlich auf die Ausprägung der Erkrankung an. Aber sofern eine Entzündung vorliegt, würde ich eine äußere Korrektur erst in einem zweiten Schritt vornehmen. Grundsätzlich würde ich immer erst versuchen, die Entzündung einzudämmen, ehe ich die äußere Form der Nase operiere. Bei einigen Eingriffen der Nasennebenhöhlen kommt es zu Blutungen, die die Einlage von Mehrfach-Tamponaden erfordern. Diese Tamponaden drücken nach außen und würden eine neu-modellierte Nase sofort wieder deformieren. In diesem Fall sollte die ästhetische Korrektur besser in einem zweiten Schritt erfolgen.“

Bleiben bei Nasenoperationen sichtbare Narben?

Prof. Majdani: „Nein, wir operieren standardmäßig durch die Nase. Von außen sieht man in den meisten Fällen gar nichts. Selbst bei Schönheitsoperationen, bei denen wir Nasenhöcker abtragen oder die Nase verschmälern, operieren wir von innen. Bei Korrekturen am Knorpel der Nasenspitze reicht ein winziger, 2 bis 3 mm langer Schnitt unterhalb des Nasenstegs.“

Wie kann eine Stent-OP bei wiederholten Nasennebenhöhlenentzündungen helfen?

Prof. Majdani: „Stents werden in Deutschland erst seit etwa 5 Jahren verwendet. Ich habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich setzte sie gerne ein, wenn bei Operationen der Nebenhöhlen Narben entstehen können, die durch ihre Verdickung den Sekretfluss behindern könnten. Der Zugang zur Stirnhöhle ist ein besonders enger Kanal. Wenn dort zum Beispiel Polypen entfernt werden müssen, macht es Sinn, einen Stent einzusetzen, der den Kanal offen hält. Die Stents geben zudem Kortison zur Entzündungshemmung ab und lösen sich nach einiger Zeit von selbst auf. Typischerweise werden Stents bei Revisionseingriffen verwendet, wenn erneut Polypen auftreten, bzw. Narben oder andere Verengungen Probleme bereiten.“

Gehört eine ästhetische Korrektur bei Tumor-OPs der Nasennebenhöhle automatisch dazu?

Prof. Majdani: „Falls durch die Entfernung der Tumore ästhetische Probleme entstehen, werden sie selbstverständlich korrigiert. Dies gilt für die gesamte Tumorchirurgie im Kopf- und Halsbereich. Häufige Probleme verursachen Basaliome (Basalzellkarzinome). Der sichtbare Bereich dieser Hauttumore ist oft nur ein Bruchteil dessen, was sich in den Unterschichten der Haut befindet. Ich operiere Basaliome daher gerne in zwei Schritten: Zunächst entferne ich großzügig den Tumor und lasse in der Pathologie überprüfen, ob das Randgewebe frei von Tumorzellen ist. Währen dieser Zeit bedecke ich die Wunde mit einem Verband oder einer künstlichen Haut. Erst wenn sicher gestellt ist, dass der Tumor vollständig entfernt wurde, verschließe ich die Wunde mit Eigenhaut, die wir an einer anderen Körperstelle entnehmen. Am Nasenflügelrand, an der Nasenspitze oder am Nasenhöcker können wir die vorhandene Haut einfach über den Defekt ziehen, da sie sehr dehnbar ist. Nur bei sehr großen Defekten müssen wir auf Prothesen zurückgreifen.“

Die Nase ist sehr empfindlich – wie schmerzhaft sind diese Eingriffe für die Patienten?

Prof. Majdani: „Die Heilung ist in der Regel unproblematisch, da die gesamte Gesichtsregion sehr gut durchblutet ist. Eine gute Durchblutung fördert den Heilungsprozess. Schmerzen erleiden die Patienten nicht. Die Eingriffe erfolgen meist in Vollnarkose, zum Teil sogar nur in Lokalanästhesie. Wenn überhaupt, klagen Patienten über das Gefühl einer verstopften Nase durch die Schwellung oder falls Tamponaden notwendig sind. Wir bemühen uns daher, die Tamponaden oder Schienen möglichst rasch, zwischen dem ersten und dritten Tag nach der OP, wieder zu entfernen.“

Wie lange sind Patienten nach diesen Eingriffen krankgeschrieben?

Prof Majdani: „Das ist individuell verschieden und auch abhängig von der Art des erfolgten Eingriffs. Bei einer einfachen Begradigung der Nasenscheidewand und Verkürzung der Nasenmuscheln können die meisten Patienten nach einer, spätestens nach zwei Wochen wieder zur Arbeit gehen. Bei anderen Nasennebenhöhlenoperationen dauert die Wundheilung zwei Wochen oder etwas länger. Hinzu kommt, dass die Patienten sich – wie erwähnt – manchmal etwas ‚verschnupft’ fühlen und daher für zwei bis drei Wochen krankgeschrieben sind. Bei einer reinen Rhinoplastik kann es durch die Neuformung der Nase zu Schwellungen und Verfärbungen durch Blutergüsse kommen. Hier warten die meisten Patienten etwa zwei bis drei Wochen, ehe sie wieder in die Öffentlichkeit bzw. zur Arbeit gehen.“

Wer trägt die Kosten für die funktionellen und ästhetischen Operationen?

Prof. Majdani: „Operationen zum Erhalt oder dem Wiederherstellen der Nasenfunktion tragen die Krankenkassen. Aber sie sind natürlich nicht bereit, Schönheitskorrekturen zu finanzieren. Diese Anteile zahlt der Patient aus eigener Tasche.“

Sie sind auch in der Forschung aktiv: Welche Entwicklungen erwarten Sie für die kommenden Jahre?

Prof. Majdani: „Wir verwenden aktuell bereits mikroskopische und endoskopische Operationsverfahren. Ich erachte eine Kombination als äußerst sinnvoll. Allerdings benötigt man für das Endoskop immer eine Hand, um dieses zu halten. Hier ist ein Roboterarm zur Halterung und Führung sehr hilfreich. Die Steuerung erfolgt beispielsweise über einen Fußschalter. So kann ich beidhändig operieren und trotzdem die Optik des Endoskops nutzen. Diese Technik wird sich sicher in Zukunft noch weiter durchsetzen. Zudem werden bereits intraoperative Navigationssysteme eingesetzt, die sowohl die Präzision als auch die Sicherheit während Operationen deutlich verbessern. Basis ist ein CT-Bild, das auf einem Monitor wie auf einer Straßenkarte anzeigt, an welcher Stelle sich gerade die Spitze des Instruments befindet. Es ist eine gute Entscheidungshilfe bei der Frage, wie radikal ich während der Operation Gewebe entfernen kann, ohne andere Strukturen zu verletzen. Dies ist gerade in der HNO-Chirurgie im heiklen Bereich in der Nachbarschaft der Augen, des Gehirns und der Zähne äußerst hilfreich.“

 

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