Operationen für ein besseres Hören


Mittelohrchirurgie

Erkrankungen des Ohres verursachen häufig eine Einschränkung des Hörvermögens. In vielen Fällen kann eine einfache Operation Abhilfe schaffen, erklärt Prof. Dr. med. Serena Preyer, Spezialistin für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde und Klinikdirektorin der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie und plastische Gesichtschirurgie der St. Vincentius-Kliniken und des Diakonissenkrankenhauses Karlsruhe.

Interview: Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

 

Bei welchen Erkrankungen des Mittelohrs muss operiert werden?

Prof. Preyer: „Das ist zum einen der Fall bei Löchern im Trommelfell, die bei einer akuten oder chronischen Mittelohrentzündung entstehen oder durch einen Unfall verursacht sind, zum Beispiel durch einen Schlag aufs Ohr. Auch bei einer Mittelohr-Schwerhörigkeit oder chronischen, eitrigen Entzündungen hilft eine Operation.“

Was versteht man unter minimal-invasiver Mittelohrchirurgie?

Prof. Preyer: „Lange Zeit musste ein Schnitt hinter oder vor dem Ohr gesetzt werden, um das Mittelohr zu erreichen. Heutzutage operieren wir minimal-invasiv durch den Gehörgang selbst, so dass äußerlich am Kopf kein Schnitt erforderlich ist.“

Inwiefern hilft eine Operation bei häufigen oder chronischen Mittelohrentzündungen?

Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

Prof. Preyer: „Wenn das Trommelfell perforiert ist, also ein Loch hat, ist der sterile Raum dahinter anfällig für das Eindringen von Luft und Wasser. Damit können auch Verschmutzungen in das Mittelohr eindringen und Entzündungen verursachen. Im Rahmen einer kleinen Operation verschließen wir das Loch im Trommelfell. Häufig entfernen wir gleichzeitig wucherndes, wildes Fleisch, welches wie bei einer Wunde Sekret produziert. Dieser Ausfluss wird auch als ‚Ohrenlaufen’ bezeichnet. Wird das wilde Fleisch entfernt, beruhigen sich die Schleimhäute wieder. Einige Wucherungen verlegen zudem die Eustachische Röhre, die Verbindung vom Mittelohr zum Nasen-Rachen-Raum. Ist dieser Belüftungsweg blockiert, kann das Mittelohr nicht heilen. Die Entfernung des wilden Fleisches stellt die natürlich Belüftung wieder her.“

Können Mittelohrentzündungen auch ohne Operation behandelt werden?

Prof. Preyer: „Bei akuten Mittelohrentzündungen kann die Gabe von Antibiotika helfen. Das Loch im Trommelfell bei der chronischen Mittelohrentzündung verschließt sich allerdings nicht von selbst. Auch bei sogenannten ‚Cholesteatomen’, einer Mischform aus gutartigem Tumor und Entzündung, ist es absolut notwendig, diese zu entfernen, damit die Entzündung sich nicht weiter ausbreitet, z.B. Richtung Gehirn.“

Wie häufig sind Tumore im Mittelohr?

Prof. Preyer: „Echte Tumore des Mittelohrs sind sehr selten. Sie machen nur etwa 0,6 Prozent aller Kopf-Hals-Tumore aus. Die meisten Tumore des Mittelohrs, wie das Paragangliom, sind gutartig.“

Wie werden Mittelohrtumore diagnostiziert?

Prof. Preyer: „ Die Patienten selbst spüren häufig ein pulsierendes Ohrgeräusch. Das ist ein typisches Warnsignal. Bei einer Ohruntersuchung sieht man sie häufig durch das Trommelfell. Anschließend würde man eine Kernspintomografie (Magnetresonanztomographie, MRT) des Kopf-Hals-Bereiches zur genaueren Diagnose vornehmen.“

Wie werden Mittelohrtumore behandelt?

Prof. Preyer: „Da es sich, wie gesagt, meist um gutartige Tumore handelt, ist eine Operation die erste Wahl. Nur bei sehr großen und nicht operablen Tumoren würde man eine Strahlentherapie durchführen, um das Tumorwachstum zu stoppen. Durch das Wachstum der Tumore und der damit einhergehenden Raumforderung drohen ansonsten multiple Nervenausfälle. Aber die meisten kleineren Tumore, die auf das Mittelohr beschränkt sind, lassen sich sehr gut operativ entfernen.“

Wie wird eine Mittelohrschwerhörigkeit festgestellt?

Prof. Preyer: „Der Patient selbst merkt nur, dass er schlecht hört. Wir müssen dann im Rahmen der Diagnostik feststellen, wo genau die Ursache der Schwerhörigkeit liegt. Dazu kontrollieren wir das Trommelfell und machen einen Stimmgabeltest. Anschließend folgt die sogenannte Audiometrie, die Prüfung des Gehörs mit Messgeräten. Dabei wird zum Beispiel getestet, ob der Schall durch die Luft oder über den Knochen besser hörbar ist. Durch die Auswertung der verschiedenen Messergebnisse können wir bestimmen, woher genau die Schwerhörigkeit kommt.“

Wie hilft eine Operation bei Mittelohrschwerhörigkeit?

Prof. Preyer: „Das Mittelohr ist ein passives System. Der Schall trifft zunächst auf das Trommelfell und wird von dort auf die Gehörknöchelchen übertragen. Der Steigbügel wiederum setzt die Innenohrflüssigkeiten in Bewegung. Ein möglicher Fehler in diesem Bereich kann eine unterbrochene Verbindung vom Trommelfell zum Innenohr sein. Oder die Gehörknöchelchen sind aufgrund von Verkalkungserscheinungen oder Otosklerose nicht mehr beweglich genug. Um diese Störungen zu beheben, gibt es verschiedene Operationsverfahren. Eine Möglichkeit ist, den Kalk abzutragen, so dass die Gehörknöchelchen wieder normal schwingen können. Wenn die Verbindung zwischen Trommelfell und Gehörknöchelchen unterbrochen ist, können die Gehörknöchelchen entnommen, abgeschliffen und erneut eingesetzt werden. Oder wir ersetzen die fehlenden oder funktionslosen Knöchelchen durch Titanfäden, damit die Schwingung und Schallweiterleitung wieder funktioniert. Diese Titanfäden werden als passive Mittelohrimplantate bezeichnet.“

Was versteht man unter aktiven Mittelohrimplantaten?

Prof. Preyer: „Aktive Hörimplantate beinhalten immer einen aktiven Impulsgeber und benötigen eine Energiequelle, eine Batterie. Um eine Fehlfunktion des Innenohrs auszugleichen, werden aktive Mittelohrimplantate direkt an die Gehörknöchelchen oder die Gehörschnecke angekoppelt. Sie erzeugen Vibrationen, die dann die erforderlichen Schwingungen im Innenohr auslösen. Um ein geschädigtes Mittelohr zu ersetzen, können Knochenleitungshörsysteme unter die Haut implantiert werden. Sie übertragen den Schall über den Knochen direkt ins Innenohr.“

Wie aufwändig ist das Einsetzen von Mittelohrimplantaten?

Prof. Preyer: „Eine Steigbügelprothese ist gerade mal 4,5 mm lang und 0,4 mm dick. Sie lässt sich problemlos im Rahmen einer Mittelohroperation in örtlicher Betäubung einsetzen. Dies hat den Vorteil, dass die Funktion der Implantate noch während des Eingriffs durch einen Hörtest überprüft und notfalls der Sitz des Implantates korrigiert werden kann. Bei aktiven Mittelohrimplantaten ist der Aufwand etwas größer. Für den Verstärker mit der Batterie und dem Magneten schälen wir eine kleine Mulde in den Schädelknochen direkt hinter dem Ohr und schaffen so ein Knochenbett. Dieser Eingriff wird in Vollnarkose vorgenommen.“

Wie groß sind die Erfolgsaussichten?

Prof. Dr. med. Serena Preyer, Spezialistin für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde

Prof. Preyer: „ Es sind sehr erfolgreiche Eingriffe: Besonders die passiven Mittelohrimplantate halten eine Leben lang. Hier verfügen wir mittlerweile über Erfahrungswerte aus rund 60 Jahren. Aktive Mittelohrimplantate sind etwas jünger, werden aber ständig weiter entwickelt. Hier ist der Erfolg abhängig vom Zustand des Innenohrs. Es gibt allerdings klare Indikationen, wann aktive Mittelohrimplantate medizinisch sinnvoll sind. Bei zu schlechten Voraussetzungen im Innenohr würde man auf sogenannte ‚Cochlea-Implantate’ ausweichen. Sofern der Hörnerv noch intakt ist, bietet diese Hörprothese auch für gehörlose oder ertaubte Menschen gute Ergebnisse.“

Wie schmerzhaft sind Operationen am Mittelohr?

Prof. Preyer: „Sie sind sehr gut tolerierbar. Die Eingriffe selbst werden unter Vollnarkose oder Lokalanästhesie durchgeführt, zum Teil auch kombiniert. Danach reichen in der Regel frei verkäufliche Schmerzmittel, die auch sonst bei Kopfschmerzen verwendet werden. Nach 24 Stunden sind die Beschwerden in der Regel vorbei.“

Welche Risiken gibt es bei Operationen am Mittelohr?

Prof. Preyer: „Die seltenen Komplikationen ergeben sich aus der speziellen Anatomie des Mittelohrs und den individuellen Gegebenheiten des Patienten. Dazu gehören eine Gehörverschlechterung bis hin zur Ertaubung sowie das Auftreten von Schwindel und Ohrgeräuschen. Fatale Komplikationen wären Verletzungen des Geschmacksnervs oder der Gesichtsnerven, die zu Lähmungen führen können. Letztere können beispielsweise bei Tumoroperationen auftreten. Allerdings würde eine Untätigkeit in vielen Fällen zu noch größeren Komplikationen führen, so dass im Vorfeld immer eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Abwägung erfolgen sollte.“

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