Schonende Behandlungsverfahren der modernen Radiologie


Interventionelle Radiologie

Eingang Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie

Radiologie kann viel mehr als Bilder machen: Bei Gefäß- und Tumorerkrankungen sind minimal-invasive Eingriffe unter bildgebender Steuerung erfolgversprechende und schonende Verfahren, erklärt Univ.-Prof. Dr. Dr. med. Thomas J. Vogl, Spezialist für Radiologie und Direktor im Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie im Universitätsklinikum Frankfurt.

Interview: Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

 

Was ist interventionelle Radiologie?

Prof. Vogl: „Bei uns in Deutschland besteht die Radiologie aus zwei Teilbereichen: Das ist zum einen die diagnostische Radiologie, bei der es mit Hilfe verschiedener bildgebender Verfahren darum geht, eine mögliche Erkrankung festzustellen und zu bestimmen. Der zweite, noch recht junge Teilbereich ist die Interventionelle Radiologie. Hier werden bildgebende Verfahren genutzt, um Erkrankungen zu behandeln, z.B. bei minimal-invasiven Eingriffen unter bildgebender Steuerung.“

Bei welchen Erkrankungen wird die Interventionelle Radiologie eingesetzt?

Minimal-invasive Eingriffe unter bildgebender Steuerung

Prof. Vogl: „Zwei große Einsatzgebiete der Interventionellen Radiologie sind Gefäßerkrankungen und Tumorerkrankungen. Bei Gefäßerkrankungen können mit Hilfe der Bildgebung und eines Katheters Gefäßverengungen (Stenosen), Gefäßverschlüsse (Embolien) und Aussackungen der Blutgefäße (Aneurysmen) behandelt werden. Bei Krebserkrankungen können wir mit unter bildgebender Steuerung Gewebeproben entnehmen (Biopsie), eine lokale Chemotherapie oder eine lokale Bestrahlung des Tumors ausführen bzw. thermische Verfahren anwenden, um das Tumorwachstum zu bremsen.“

Ist die Interventionelle Radiologie als Alleintherapie geeignet?

Prof. Vogl: „Das ist unterschiedlich und abhängig von der Art der Erkrankung. Bei gutartigen Tumorerkrankungen wie z.B. Myomen der weiblichen Gebärmutter hat eine Embolisation, ein Verschluss der Myom-versorgenden Blutgefäße, eine ausreichende Wirkung als Alleintherapie. Auch bei gutartigen Prostatavergrößerungen gelingt es mit Hilfe der Embolisation, das Tumorwachstum zu unterbinden. Wir sehen uns allerdings als Teil eines Teams verschiedener Fachrichtungen. In Gefäß-, Brust- oder Prostatazentren werden verschiedene Behandlungsverfahren angeboten, aus denen das jeweils beste für den Patienten empfohlen wird. Falls mehrere Behandlungsmethoden in Frage kommen, entscheidet der Patient.“

Welche radiologischen Verfahren kommen bei den verschiedenen Gefäß- und Tumorerkrankungen in Frage?

Live-Bildgebung von Univ.-Prof. Dr. Dr. med. Thomas J. Vogl

Prof. Vogl: „Bei den Gefäßerkrankungen geht es darum, den Blutfluss zu ermöglichen bzw. zu erhalten. Die Gefahr bei einem Aneurysma, einer Aussackung eines Blutgefäßes, besteht darin, dass dieses platzen kann. Um dem vorzubeugen, führen wir einen Katheter unter Live-Bildgebung direkt an die Stelle des Aneurysmas und verschließen dieses z.B. mit einer Spule  (Coil) oder einem Stent (Gefäßstütze). Gefäßverschlüsse können lebensgefährliche Auswirkungen haben. Wir können sie mit Hilfe eines Lasers oder durch Stoßwellen öffnen. Eine Gefäßverengung (Stenose) kann ebenfalls durch einen minimal-invasiven Eingriff mit dem Katheter durch eingeführte Ballons geweitet oder durch Stents offen gehalten werden. Auch bei vaskulären Verfahren zur Tumorkontrolle erreichen wir das Geschwulst über das Gefäßsystem. Wir können so eine lokale Chemotherapie durchführen, die Blutzufuhr des Tumors durch Verschluss der Gefäße unterbrechen oder mit Hilfe radioaktiver Kügelchen den Tumor von innen bestrahlen. Eine weitere Behandlung ist durch die sogenannten thermischen Verfahren möglich. Durch die Hitzewirkung von Lasern, Mikrowellen- oder Hochfrequenzverfahren oder durch Kältezufuhr im Rahmen einer Kryotherapie können Tumorzellen zerstört oder zumindest am Wachstum gehindert werden.“

Was passiert bei einer HIFU-Behandlung?

Prof. Vogl: „Die relativ neue HIFU-Technologie steht für Hochintensiven Fokussierten Ultraschall. Sie wird zur Zeit vor allem bei gutartigen Tumoren der Gebärmutter und der weiblichen Brust eingesetzt. Grundsätzlich ist die HIFU-Therapie auch bei bösartigen Tumoren, wie z.B. Leberkarzinomen oder Bauchspeicheldrüsenkrebs möglich. Allerdings gibt es hierzu noch keine Langzeit-Studien.“

Welche Vorteile hat die Interventionelle Radiologie im Vergleich zu anderen Gefäß- bzw. Tumortherapien?

Gantry am Institut Diagnostische / Interventionelle Radiologie Uniklinikum Frankfurt

Prof. Vogl: „Die Stärke liegt ganz klar darin, dass die Interventionelle Radiologie in der Regel ambulant erfolgen kann, bzw. nur mit einem kurzen Klinikaufenthalt verbunden ist. Dadurch ist sie auch in Zeiten der COVID Pandemie gut durchführbar. Die minimal-invasiven Eingriffe sind es sehr schonende Verfahren, die für  die Patienten kaum eine Belastung darstellen. Während Frauen z. B. nach einer Operation aufgrund von Gebärmuttertumoren wochenlang ausfallen können, sind sie bei einer radiologischen Behandlung nach wenigen Tagen wieder arbeitsfähig. Auch Gefäßverschlüsse z.B. bei einem Raucherbein, können ambulant behandelt werden. Patienten, die vorher kaum in der Lage waren, die Klinik auf eigenen Füßen zu erreichen, spazieren anschließend eigenständig nach Hause. Die Verfahren der Interventionellen Radiologie können daher gut als vorgeschaltete Behandlung erfolgen. Bleibt der gewünschte Erfolg aus, können immer noch andere Verfahren zur Anwendung kommen.“

Welche Risiken gibt es bei den Verfahren der Interventionellen Radiologie?

Prof. Vogl: „ Jede Therapie, die am menschlichen Körper durchgeführt wird, hat ihre Risiken. Natürlich können bei dem Einstich in die Blutgefäße und durch das Vorschieben des Katheters Verletzungen entstehen. Die Gefahr, dass dies tatsächlich passiert, ist aber überschaubar.“

Wird die Interventionelle Radiologie in Zukunft eine größere Rolle spielen?

Minimal-invasive Eingriffe unter bildgebender Steuerung sind erfolgversprechend und schonend

Prof. Vogl: „Ich bin sicher, dass sie verstärkt in den Fokus rücken wird. In den Gefäßzentren sind die Verfahren bereits gut etabliert. Im Rahmen der Tumorbehandlung ist noch Luft nach oben. Das liegt natürlich auch daran, dass niemand direkt zu einem interventionellen Radiologen geht. Die Therapie erfolgt vorwiegend in großen Kliniken und Zentren. Es gibt zudem nicht viele Radiologen. Hinzu kommt, dass es zu den noch recht jungen Verfahren erst wenige Studien gibt. Aber ich bin sicher, dass der Stellenwert der Interventionellen Radiologie aufgrund ihrer schonenden und effektiven Verfahren in den kommenden Jahren steigen wird.“

 

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