Pulsatiler Tinnitus - Ohrgeräusche, die nicht im Ohr entstehen


Pulsatile Tinnitus

Anders als bei einem Tinnitus mit Dauerpfeifton, treten Ohrgeräusche beim pulssynchronen Tinnitus gleichzeitig mit dem Herzschlag auf. Die Ursache sollte unbedingt abgeklärt werden, rät Prof. Dr. med. Isabel Wanke, Spezialistin für Neuroradiologie im Swiss Neuro Radiology Institute (SNRI) in Zürich.

Interview: Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

Wie entsteht ein pulssynchroner Tinnitus?

Spezialisten für NeuroradiologieProf. Wanke: „Diese seltenere Form des Tinnitus entsteht nicht im Ohr, sondern meist in der Nähe des Ohres. Die betroffenen Patienten nehmen ihn als rhythmisches Geräusch im Ohr oder im Kopf wahr. Zugrunde liegt häufig eine Störung in den Blutgefäßen, eine vaskuläre Ursache. Diese kann unter anderem durch eine Engstelle (Stenose), einen Tumor oder eine unerwünschte Kurzschluss-Verbindung des arteriellen und venösen Systems, eine sogenannte AV-Fistel, ausgelöst werden.“

Wie gefährlich ist ein pulssynchroner Tinnitus?

Prof. Wanke: „Ein pulssynchroner Tinnitus erfordert keine Notfallbehandlung, sollte aber zeitnah von einem Arzt abgeklärt werden. Wenn er durch eine Fistel verursacht wird, kann diese zu einer Überlastung der venösen Gefäße und zu einer Hirnblutung führen. Dies gilt es natürlich zu verhindern. Viele Patienten wählen als ersten Ansprechpartner zunächst einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt, da das Geräusch am Ohr auftritt, oder einen Neurologen.“

Wie wird ein pulssynchroner Tinnitus diagnostiziert?

Prof. Wanke: „In einigen Fällen kann der untersuchende Arzt das Ohrgeräusch durch Auflegen eines Stethoskops hinter dem Ohr wahrnehmen. In der Regel erfolgt ein Ultraschall der zu- und abführenden Hirngefäße. Um die Ursache zweifelsfrei aufzudecken, sind oft Routineverfahren der Radiologie nötig, die zur genaueren Lokalisierung und Einschätzung des Blutungsrisikos angewandt werden. So wird unter Umständen eine Magnetresonanztomographie (MRT) mit dynamischer MR-Angiographie, eine Computertomographie (CT) und ggf. eine Katheterangiographie ergänzt.“

Kommt es vor, dass keine klare Ursache ermittelt werden kann?

Prof. Wanke: „Ja, in einigen Fällen gibt es Befunde, die nicht krankhaft sind. Das können beispielsweise Gefäßanomalien sein. Oder es liegt eine Sensibilität vor, durch die einige Patienten die Geräusche ihres Gefäßsystems ungewöhnlich deutlich wahrnehmen. Aber auch diesen Patienten hilft eine Untersuchung, weil sie sich ernst genommen fühlen und ihnen attestiert wird, dass sie sich das Geräusch nicht einbilden.“

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei einem pulssynchronen Tinnitus?

Prof. Dr. med. Isabel Wanke, Spezialistin für Neuroradiologie

Prof. Wanke: „Wenn der Tinnitus durch eine potentiell gefährliche Gefäßveränderung wie eine AV-Fistel ausgelöst wird, sollte dieser Kurzschluss behoben werden. Dies ist durch einen minimal-invasiven Eingriff per Katheter möglich. Der Katheter wird meist über die Leiste in das Gefäßsystem eingeführt und ein Mikrokatheter bis zur Fistel vorgeschoben. Anschließend wird diese mit einem Embolisat verschlossen, um den Blutfluss zu normalisieren. Einige Stenosen (Gefäßverengungen) können auch medikamentös behandelt werden, so dass die störenden Geräusche schwächer werden oder aufhören.“

Wie belastend ist die Behandlung für die Patienten?

Prof. Wanke: „Es ist ein unkomplizierter aber wirkungsvoller Eingriff in Vollnarkose. Der Klinikaufenthalt beschränkt sich in der Regel auf 2 bis 3 Nächte. Und die Patienten sind danach äußerst dankbar, weil die zermürbenden Ohrgeräusche verschwunden sind.“

Wie groß sind die Erfolgsaussichten?

Prof. Wanke: „Die Erfolgsaussichten sind sehr gut und die Gefahr, dass der pulssynchrone Tinnitus erneut auftritt, ist gering. Allerdings raten wir unseren Patienten zu einer hämatologischen Abklärung, um herauszufinden, was letztendlich die Gefäßstörung verursacht hat. Nicht selten ist eine unentdeckte Thrombose, ein Gefäßverschluss, vorausgegangen. Daher sollte unter anderem die Gerinnungsneigung überprüft werden. Einige Patienten müssen daher zur Vorbeugung Medikamente nehmen.“

 

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