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Was ist ein vesikoureteraler Reflux?
Ein vesikoureteraler Reflux (VUR) beschreibt einen Rückfluss, medizinisch bezeichnet als Reflux, von Urin aus der Harnblase in die Harnleiter. Das Harnsystem besteht aus den Nieren, Harnleitern, der Blase und der Harnröhre. Die Niere filtert das Blut und produziert Urin, der dann durch die Harnleiter in die Blase fließt. Die Blase speichert den Urin, bis er durch die Harnröhre entleert wird beim Wasserlassen.
Normalerweise fließt der Urin nur in eine Richtung von den Nieren über die Harnleiter in die Blase. An der Mündung von den Harnleitern in die Blase, sind spezielle Klappen die einen Rückfluss verhindern. Bei einem primären VUR ist diese Funktion der Klappen gestört. Meistens handelt es sich um eine angeborene Dysfunktion, weshalb der primäre VUR vor allem bei Kindern auftritt.
Bei Erwachsenen tritt meist ein sekundärer VUR auf. Das liegt meistens an einer Harnabflussstörung im Bereich der Prostata oder Harnröhre, die einen Reflux verursacht. Beide Formen zeichnen sich durch wiederkehrende Harnwegsinfektionen aus, die langfristig die Niere schädigen können. Daher ist eine frühzeitige Diagnose und Behandlung wichtig, um solche Komplikationen zu vermeiden.
Formen und Ursachen des Harnrückflusses
Der Harnrückfluss wird nach seinen Ursachen eingeteilt: in die primäre und sekundäre Form. Der primäre VUR ist eine angeborene Fehlfunktion der Klappen am vesikoureteralen (vesiko = Blase, Ureter = Harnleiter) Übergang. Diese Klappe agiert als ein Ventil, das Urin zwar von dem Harnleiter in die Blase lässt, aber einen Rückfluss bei gefüllter Blase verhindert. Das hat meistens was mit einer Fehlentwicklung im Mutterleib zu tun, sodass diese Fehlfunktion sich im Säuglings- oder frühen Kindesalter anhand von wiederkehrenden Harnwegsinfekten erkennbar macht.
Die sekundäre VUR ist die erworbene Form, die vorzugsweise im Erwachsenenalter auftritt. Sie entsteht durch eine Harnabflussstörung unterhalb der Blase und kann mehrere Ursachen haben. Dazu gehören Verengungen der Harnröhre (Uretherstriktur) durch eine vergrößerte Prostata, Blasenentleerungsstörungen oder andere Erkrankungen, die den normalen Urinfluss behindern. Dadurch entsteht ein hoher Druck in der Blase, der die Klappen schädigt und zu einem Rückfluss von Urin führt. Aber auch Harnleiterverengungen und Fehlbildungen können einen Reflux begünstigen.
Typische Symptome und mögliche Folgen
Die primären und sekundären Formen des VUR tragen beide ein erhöhtes Risiko für wiederkehrende fieberhafte Harnwegsinfekte, weil der Rückfluss den Eintritt von Bakterien in die Harnleiter erleichtert. Erwachsene weisen typische Harnwegs-Symptome auf wie Flankenschmerzen, Schmerzen beim Wasserlassen und Harndrang.
Säuglinge und Kleinkinder zeigen dagegen oft unspezifische Symptome, wie Fieber, Unwohlsein und Reizbarkeit. Bei älteren Kindern können zusätzlich Symptome wie Inkontinenz oder häufiges Wasserlassen auf eine VUR hinweisen.
Unbehandelt kann VUR langfristig durch die wiederkehrenden Harnwegsinfektionen Vernarbungen des Nierengewebes verursachen. Das wird auch als Refluxnephropathie bezeichnet. Diese Schäden beeinträchtigen die Nierenfunktion und können bei anderen begleitenden Erkrankungen sogar zu einem Nierenversagen führen. Besonders bei Kindern und Erwachsenen mit vielen Vorerkrankungen ist eine frühzeitige Diagnose und Behandlung wichtig, um permanente Nierenschäden zu vermeiden.
Wie wird der vesikoureterale Reflux diagnostiziert?
Die Diagnose eines vesikoureteralen Reflux beginnt stets mit einer ausführlichen Anamnese über die Beschwerden. Dabei sind vor allem wiederkehrende Harnwegsinfektionen mit Fieber, Schmerzen beim Wasserlassen und Harndrang wegweisende Hinweise für den Arzt. Insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Symptome häufig sehr unspezifisch. Daher sollte bei Fieber unklarer Genese immer an einen vesikoureteralen Reflux gedacht werden.
Nach der Anamnese folgt eine körperliche Untersuchung und eine Urinprobe wird meist analysiert, um einen Harnwegsinfekt zu bestätigen. Bei Infektionen zeigen sich hier oft erhöhte Entzündungszeichen. Außerdem kann man mithilfe eines Bakteriogramms feststellen, welche Bakterien den Harnwegsinfekt verursachen und die Antibiotika entsprechend anpassen. Zur weiteren Abklärung gehört ein Ultraschall der Nieren und Harnwege, um nach krankhaften Veränderungen zu schauen.
Der Goldstandard zur Diagnostik eines vesikoureteralen Refluxes ist die Miktionszystourethrografie (MUG). Hierbei handelt es sich um eine Art von Röntgenuntersuchung, bei der ein Kontrastmittel über einen Blasenkatheter in die Harnblase eingebracht wird. So kann man feststellen, ob das Kontrastmittel mit dem Urin aus der Blase zurück in die Harnleiter fließt.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Das Hauptziel der Behandlung ist es in erster Linie eine Schädigung der Nieren durch Vernarbungen zu verhindern. Das geht nur, indem man wiederkehrende Harnwegsinfektionen stoppt. Bei der primären Form des vesikoureteralen Refluxes wird aber immer versucht abzuwarten, da sich der Reflux mit dem Wachstum von selbst einstellt. Daher versucht man so gut es geht von invasiven Behandlungen vorerst Abstand zu nehmen. Zu der konservativen Therapie gehört eine niedrig dosierte Antibiotikaprophylaxe und regelmäßige Kontrollen beim Arzt.
Bei stark ausgeprägtem Reflux oder unzureichender konservativer Therapie, müssen operative Verfahren in Erwägung gezogen werden. Dazu gehört die endoskopische Injektion eines speziellen Gels um den Harnleitereingang herum, um Rückfluss zu verhindern. Das wird schonend mit einem dünnen Schlauch mit einer Kamera (Zystoskop) gemacht, der über die Harnröhre in die Blase eingeführt wird. Die Behandlung kann ambulant in einer Kurznarkose durchgeführt werden und dauert meist nur 20-30 Minuten.
Eine weitere Methode ist die offene oder laparoskopische Antirefluxplastik. Dabei wird der Harnleiter operativ in die Blase weiter vorgeschoben und neu eingepflanzt. Das Vorschieben führt dazu, dass die Muskulatur den Harnleiter beim Blasenfüllen zudrückt, sodass die Ventilfunktion wiederhergestellt wird. Bei dem offenen Eingriff wird ein ca. 5 cm Bauchschnitt gemacht, während bei der laparoskopischen Methode nur 3 minimale Hautschnitte für eine Kamera und 2 Werkzeuge gemacht werden. Beide Optionen zeigen ausgezeichnete Ergebnisse.
Prognose und Langzeitverlauf
Die Prognose eines primären VUR ist insgesamt sehr gut. Geringgradige Refluxe heilen in den meisten Fällen durch konservative Therapien bis zum Schulalter spontan aus, ohne bleibende Schäden im Erwachsenenalter.
Schwere Formen eines VUR heilen wiederum seltener spontan aus und tragen ein höheres Risiko für langfristige Nierenschäden, verursacht durch wiederholte Niereninfekte. Daher empfiehlt sich in hochgradigen VUR-Fällen eine operative Versorgung, insbesondere da die Prognose nach solchen Eingriffen ausgezeichnet ist. Langfristig sinkt das Risiko von Harnwegsinfektionen, womit Nierenschäden verhindert werden können.
Welche Ärzte & Kliniken sind Spezialisten für vesikoureteralen Reflux?
Die Diagnose und Behandlung eines vesikoureteralen Reflux werden in der Regel durch Fachärzte der Kinderurologie durchgeführt. Diese verfügen über besondere Erfahrungen in der Betreuung und Behandlung von angeborenen Erkrankungen der Harnwege und können eine individuell angepasste Therapie einleiten. Bei der operativen Behandlung eines VUR arbeiten Kinderurologen eng mit Fachärzten in der Kinderchirurgie zusammen.
Wir unterstützen Sie dabei, für Sie oder Ihr Kind den passenden Spezialisten oder die geeignete Klinik zu finden. Alle hier gelisteten Ärzte und Kliniken wurden aufgrund ihrer Spezialisierung in der Diagnostik und Behandlung des vesikoureteralen Refluxes ausgewählt und erwarten Ihre Anfrage.
Quellen:
- AMBOSS. Vesikoureteraler Reflux [Internet]. Hamburg: AMBOSS GmbH; 2025 [cited 2026 January 30]. Available from: www.amboss.com/de/wissen/vesikoureteraler-reflux/.
- Tiselius HG, Alken P, Beckmann S, et al. EAU-Leitlinien Urologie. In: Die Urologie. 3rd ed. Stuttgart: Thieme; 2022. Kapitel Vesikoureteraler Reflux.
- Holschneider AM, et al. Kinderchirurgie. 8th ed. Stuttgart: Thieme; 2021. Kapitel Vesikoureteraler Reflux.

