Wernicke-Korsakow-Syndrom

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Was ist das Wernicke-Korsakow-Syndrom?

Das Wernicke-Korsakow-Syndrom ist eine schwere neurologische Erkrankung, die im Rahmen einer langjährigen Alkoholabhängigkeit entsteht. Die Erkrankung entsteht durch einen chronischen Mangel an Vitamin B1, auch Thiamin genannt. Dabei handelt es sich um zwei klinisch verwandte Krankheitsbilder, die ineinander übergehen können.

Die Wernicke-Enzephalopathie ist die akute Phase der Erkrankung, die zuerst auftritt. Sie äußert sich mit einer Kombination aus Verwirrtheit, Augenbewegungsstörungen und Gleichgewichtsproblemen. Es handelt sich um einen medizinischen Notfall, der sofort behandelt werden muss. Das Korsakow-Syndrom hingegen ist die chronische Folge einer Wernicke-Enzephalopathie. Es zeichnet sich durch schwere Gedächtnisstörungen aus und kann zu dauerhaften und irreversiblen Hirnschäden führen. 

Ursachen: Warum entsteht ein Wernicke-Korsakow-Syndrom?

Das Wernicke-Korsakow-Syndrom entsteht durch einen schweren und dauerhaften Mangel an Vitamin B1 (Thiamin). Thiamin ist ein lebenswichtiges Vitamin, das eine zentrale Rolle im Energiestoffwechsel im Gehirn spielt. Der Körper kann das Vitamin nicht eigenständig herstellen und ist daher vollständig auf die Zufuhr über die Nahrung angewiesen. Fehlt Thiamin über einen längeren Zeitraum, können die Zellen im Gehirn nicht mehr ausreichend mit Energie versorgt werden und es kommt zu bleibenden Schäden.

Die häufigste Ursache ist eine langjährige, unbehandelte Alkoholabhängigkeit. Aber auch andere Erkrankungen, die mit einer dauerhaften Mangelernährung einhergehen können einen solchen Vitaminmangel auslösen. Bei anderen Grunderkrankungen verläuft der Thiaminmangel jedoch meist weniger schwer, da die Betroffenen im Gegensatz zu Alkoholabhängigen häufig besser sozial eingebunden sind und dadurch den Mangel früher erkennen und behandeln lassen.

Welche Rolle spielen Alkohol und Vitamin-B1-Mangel?

Alkohol beeinträchtigt den Thiamin-Haushalt auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Vitamin B1 kann nicht vom Körper hergestellt werden, sondern muss ausschließlich über die Nahrung aufgenommen werden. Alkohol hemmt die Aufnahme von Thiamin im Darm, sodass bei ständiger Alkoholzufuhr selbst eine ausreichende Nahrungszufuhr nicht mehr ausreichend ist. Hinzu kommt, dass sich Alkoholabhängige häufig sich sehr unregelmäßig und einseitig ernähren, was den Mangel zusätzlich verstärkt. 

Gleichzeitig erhöht ein chronischer Alkoholkonsum den Eigenbedarf an Thiamin, da der Körper mehr Energie aufwenden muss, um den Alkohol wieder abzubauen. Das bedeutet, dass das ohnehin schon vermindert aufgenommene Thiamin noch schneller verbraucht wird und größere Mengen benötigt werden. Diese Konstellation aus erhöhtem Bedarf, verminderter Aufnahme und mangelnder Ernährung macht Alkoholabhängige besonders anfällig für das Wernicke-Korsakow-Syndrom.

Welche Symptome treten beim Wernicke-Korsakow-Syndrom auf?

Die Symptome des Wernicke-Korsakow-Syndroms lassen sich in zwei Phasen unterteilen, die häufig fließend ineinander übergehen. Die Wernicke-Enzephalopathie ist die akute Phase der Erkrankung und äußert sich mit einer klassischen Trias aus:

  • Verwirrtheit und Bewusstseinsstörungen: Die Betroffenen sind stark desorientiert
  • Augenbewegungsstörungen: unkontrolliertes Zittern bis hin zu Lähmungen der Augenmuskeln
  • Gleichgewichtsstörungen: Betroffene schwanken beim Gehen und sind sehr sturzgefährdet

Die akute Wernicke-Enzephalopathie zählt als medizinischer Notfall, der sofort behandelt werden muss. Ohne Thiamin verhungert das Gehirn auf zellulärer Ebene, was zum Absterben von Hirnzellen und bleibenden Hirnschäden führt.

Das Korsakow-Syndrom stellt die chronische Phase der Erkrankung dar und entsteht, wenn die akute Phase nicht rechtzeitig behandelt wird. Der Thiaminmangel führt zu dauerhaften Gedächtnisstörungen. Betroffene können sich keine neuen Informationen mehr merken und füllen unbewusst Erinnerungslücken mit erfundenen Inhalten, den sogenannten Konfabulationen.

Behandlung: Wie wird das Wernicke-Korsakow-Syndrom therapiert?

Das Wernicke-Korsakow-Syndrom sollte umgehend behandelt werden, da mit jeder Verzögerung das Risiko für dauerhafte Hirnschäden steigt. Die akute Phase, also bei Auftreten einer Wernicke-Enzephalopathie, muss diese sofort mit einer hochdosierten intravenösen Infusion von Thiamin behandelt werden. Eine orale Gabe reicht in einem solchen Zustand nicht länger aus und muss direkt durch die Vene erfolgen.

Parallel sollte natürlich auch die Behandlung der eigentlichen Erkrankung, der Alkoholabhängigkeit, im Rahmen eines Alkoholentzugs durchgeführt werden. Nur so kann die Entstehung eines Wernicke-Korsakow-Syndroms verhindert werden. Nach der akuten Behandlung folgt eine langfristige Thiaminsubstitution, um die Energiezufuhr dauerhaft zu stabilisieren. 

Das Korsakow-Syndrom selbst ist leider nicht heilbar, denn bereits abgestorbene Hirnzellen können nicht mehr regeneriert werden. Daher zielt die Therapie eher auf den Erhalt der verbliebenen kognitiven Fähigkeiten ab und weniger auf eine vollständige Heilung. Dazu gehören beispielsweise häusliche Gedächtnisübungen und ergotherapeutische Maßnahmen. 

Verlauf und Lebenserwartung beim Wernicke-Korsakow-Syndrom

Der Verlauf des Wernicke-Korsakow-Syndroms hängt davon ab, in welchem Stadium und wie früh die Erkrankung erkannt und behandelt wird. Wird eine akute Wernicke-Enzephalopathie frühzeitig mit hochdosiertem Thiamin behandelt, können sich die Symptome vollständig oder zumindest teilweise zurückbilden.

Geht die Erkrankung in das chronische Korsakow-Syndrom über oder wird sie zu spät behandelt, so können die Hirnschäden nur sehr begrenzt therapiert werden. Die Lebenserwartung in solchen Fällen ist deutlich reduziert. Insbesondere wenn die zugrundeliegende Alkoholabhängigkeit nicht behandelt wird, da sie zahlreiche andere Organe parallel schädigt. 

Leben mit Wernicke-Korsakow-Syndrom: Pflege, Alltag und Unterstützung

Ein fortgeschrittenes Wernicke-Korsakow-Syndrom geht häufig mit schweren kognitiven Einschränkungen einher, die den Alltag deutlich beeinflussen. In schweren Fällen, gerade beim Korsakow-Syndrom, sind die Betroffenen nicht mehr in der Lage, eigenständig zu leben und sind auf eine dauerhafte pflegerische Unterstützung angewiesen.

Im Alltag helfen den Betroffenen vor allem klare Strukturen im Tagesablauf, vertraute Routinen und eine ordentliche häusliche Umgebung. Sie beugen Überforderungen vor und helfen, die verbliebenen kognitiven Fähigkeiten zu erhalten. Auch die Angehörigen spielen eine wichtige Rolle. Sie sind oft die wichtigste Stütze im Alltag der Betroffenen und leisten meist einen entscheidenden Beitrag zur Lebensqualität und Motivation. Da die Pflege jedoch körperlich als auch emotional sehr belastend sein kann, sollten auch Angehörige professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen. 

Welche Ärzte & Kliniken sind Spezialisten für das Wernicke-Korsakow-Syndrom?

Spezialisten für die Diagnose und Behandlung des Wernicke-Korsakow-Syndroms sind in der Regel Fachärzte für Neurologie oder Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie. Da das Syndrom häufig im Zusammenhang mit einer langjährigen Alkoholabhängigkeit auftritt, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Neurologen und Psychiatern mit suchtmedizinischer Erfahrung besonders wichtig.

Für die Behandlung eignen sich spezialisierte neurologische Fachabteilungen oder psychiatrische Kliniken mit einer Suchtabteilung besonders gut. Wichtig sind eine sofortige Behandlung sowie eine rund um die Uhr überwachte stationäre Betreuung. Unsere gelisteten Fachärzte und Kliniken wurden sorgfältig auf ihre Erfahrung und Expertise im Bereich des Wernicke-Korsakow-Syndroms überprüft und erwarten Ihre Anfrage. 

Quellen:

  • AMBOSS. Wernicke-Enzephalopathie [Internet]. Berlin: AMBOSS GmbH; 2026 Mar 5 [cited 2026 May 3]. Available from:
  • Wernicke-Korsakow-Enzephalopathie [Internet]. Stuttgart: Georg Thieme Verlag; 2022 Sep 2 [cited 2026 May 3]. Available from:
  • National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism (NIAAA). Wernicke-Korsakoff Syndrome [Internet]. Bethesda (MD): National Institutes of Health; 2024 Dec 31 [cited 2026 May 3]. Available from: www.niaaa.nih.gov/publications/brochures-and-fact-sheets/wernicke-korsakoff-syndrome