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Informationen zum Bereich Alkoholentzug
Was ist ein Alkoholentzug?
Ein Alkoholentzug entsteht, wenn Menschen nach längerem, regelmäßigem Alkoholkonsum plötzlich deutlich weniger oder gar keinen Alkohol mehr trinken. Der Körper hat sich in dieser Zeit an die dauerhafte Wirkung des Alkohols gewöhnt – insbesondere das Gehirn und das Nervensystem.
Wird die Alkoholzufuhr abrupt reduziert oder beendet, kann dieses Gleichgewicht gestört werden. Die Folge sind Entzugserscheinungen, die von innerer Unruhe, Zittern, Schwitzen und Schlafstörungen bis hin zu schweren Komplikationen wie Krampfanfällen oder einem Delir reichen können. Deshalb sollte ein Alkoholentzug nicht ohne ärztliche Begleitung erfolgen, sondern – je nach Schwere der Abhängigkeit – medizinisch überwacht werden.
Wann ist ein Alkoholentzug in einer Klinik sinnvoll?
Ein stationärer Alkoholentzug in einer Suchtklinik ist dann sinnvoll, wenn ein hohes Risiko für Entzugskomplikationen besteht. Das trifft insbesondere auf Patienten mit einer langjährigen, schweren Alkoholabhängigkeit oder bei vorangegangen Entzugskrämpfen zu. Auch bei bestehenden körperlichen und psychischen Begleiterkrankungen empfiehlt sich ein stationärer Entzug.
Weitere Gründe sind unter anderem, wenn das soziale Umfeld der Betroffenen nicht ausreichend unterstützend ist oder ambulante Versuche bereits probiert und gescheitert sind. In einer Entzugsklinik werden die Betroffenen für die gesamte Dauer des Entzugs rund um die Uhr überwacht, sodass potenzielle Komplikationen sofort behandelt werden können und die Patienten bestmöglich unterstützt werden.
Welche Symptome treten beim Alkoholentzug auf?
Die Symptome des Alkoholentzugs beginnen in der Regel schon wenige Stunden nach der letzten Zufuhr von Alkohol. Die Ausprägung der Entzugserscheinungen ist von Patient zu Patient unterschiedlich und schwer einzuschätzen. Jedoch gilt folgende Faustregel: Je höher die Abhängigkeit und der Alkoholkonsum, desto höher das Risiko für einen schweren Verlauf.
Zu den häufigsten Entzugssymptomen gehören:
- Zittern der Extremitäten
- Schwitzen
- Herzrasen
- Übelkeit und Erbrechen
- Innere Unruhe und Angstgefühle
- Reizbarkeit und Aggression
- Schlafstörungen
In schweren Fällen kann es auch zu Halluzinationen und schweren neurologischen Komplikationen kommen, darunter Epilepsien und Delir. Besonders kritisch sind die ersten 48 Stunden, da das Risiko für solche Komplikationen am höchsten ist.
In welchen Phasen verläuft ein Alkoholentzug und wann ist das Schlimmste vorbei?
Der Alkoholentzug kann in 3 Phasen eingeteilt werden, die ineinander fließend übergehen. Die Dauer und Intensität hängt dabei stets von der Schwere der Alkoholabhängigkeit ab und dem Verlauf des Entzugs.
Die erste Phase wird als Frühentzug bezeichnet und betrifft die ersten 24 Stunden nach dem letzten Konsum. Die ersten Entzugserscheinungen können bereits nach wenigen Stunden eintreten. Hier gerät der Körper aus dem Gleichgewicht und es kommt zu vegetativen Symptomen wie Herzrasen, Schwitzen, Zittern und Übelkeit. In dieser Phase ist auch das Risiko für epileptische Anfälle am höchsten.
Die zweite Phase ist der Akutentzug, bei dem die Symptome ihren Höhepunkt erreichen. In der Regel tritt diese Phase zwischen 24-72h nach dem letzten Konsum ein. Diese Phase ist aus medizinischer Sicht die kritischste, da es zu Halluzinationen oder einem Delirium tremens kommen kann.
Die dritte und letzte Phase des Alkoholentzugs ist die Abklingphase. Das „Schlimmste“ mit dem höchsten Risiko für Komplikationen ist in der Regel nach dem dritten bis vierten Tag überstanden. Die akute körperliche Gefahr nimmt deutlich ab und die Betroffenen verspüren eine deutliche Erleichterung.
Welche Komplikationen können beim Alkoholentzug auftreten?
Besonders in den ersten 48-72h können schwere und ernsthafte Komplikationen während des Alkoholentzugs auftreten. Daher sollte ein Entzug ausschließlich unter medizinischer Betreuung durchgeführt werden.
Epileptische Anfälle entstehen durch eine plötzliche Übererregung des Nervensystems. Chronischer Alkoholkonsum hat eine dämpfende Wirkung auf das Nervensystem und wirkt wie eine Bremse. Wird nach jahrelanger „Bremsung“ diese plötzlich entzogen, reagiert das Nervensystem mit einer unkontrollierten Überaktivität. Diese akute Entladung der Nerven löst häufig einen epileptischen Entzugsanfall aus.
Die schwerwiegendste Komplikation stellt jedoch das Delirium tremens dar. Dabei handelt es sich um ein akutes Verwirrtheitsyndrom mit starker Desorientierung, Halluzinationen und schweren Herz-Kreislauf-Problemen. Ohne sofortige medizinische Maßnahmen kann es lebensbedrohlich werden.
Während des Entzugs kann es zu Herz-Kreislauf-Komplikationen kommen. Durch die Überaktivität des Nervensystems schüttet der Körper vermehrt Stresshormone wie Adrenalin aus. Das führt zu einem erhöhten Puls sowie Bluthochdruck, was für das Herz sehr belastend sein kann.
Außerdem treten häufig im Rahmen des Entzugs psychische Komplikationen wie schwere Angststörungen, Panikattacken, Depressionen und in manchen Fällen sogar Halluzinationen auf. Daher ist eine engmaschige psychiatrische Betreuung erforderlich.
Welche Medikamente, Tabletten und Behandlungen helfen beim Alkoholentzug?
Während des Alkoholentzugs kann es zu schweren Komplikationen kommen, die sofortige medizinische Maßnahmen erfordern. Jedoch lassen sich die meisten Komplikationen heutzutage mit Hilfe von Medikamenten gut behandeln und sogar vorbeugen.
Dazu gehören folgende Medikamente:
- Benzodiazepine oder Clomethiazol: Sie sind das erste Mittel der Wahl beim Entzug. Sie wirken psychisch beruhigend und haben eine dämpfende Wirkung auf das überreaktive Nervensystem. Somit beugen sie auch epileptische Anfälle vor.
- Carbamazepin: ein Antiepileptikum, das zusätzlich bei hohem Risiko oder bereits erlebten epileptischen Anfällen verabreicht wird.
- Beta-Blocker oder Clonidin: können verabreicht werden zur Stabilisierung des Kreislaufs
- Antipsychotika: können verabreicht werden, wenn Wahnsymptome oder Halluzinationen auftreten
Wer trägt die Kosten für einen Alkoholentzug und wie lange ist man krankgeschrieben?
Die Kosten für einen Alkoholentzug werden in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, da die Alkoholabhängigkeit eine anerkannte medizinische Erkrankung darstellt. Auch die weiterführende Entwöhnungstherapie wird übernommen.
Während des stationären Entzugs gelten die Patienten grundsätzlich als arbeitsunfähig und sind somit krankgeschrieben. Die Dauer hängt von dem individuellen Fall und der Schwere der Abhängigkeit ab. Der Entzug selbst ist meist mit einem stationären Aufenthalt von ein bis zwei Wochen verbunden, kann aber bei Komplikationen oder besonderen Entwöhnungstherapien länger ausfallen.
Was ist nach einem Alkoholentzug zu erwarten?
Nach einem abgeschlossenen Entzug folgt die Abklingphase. Aus körperlicher Sicht ist die schwerste Phase überstanden, jedoch beginnt für einen Großteil die eigentliche Herausforderung danach. Initial kann man mit einer starken Erschöpfung rechnen, da der Entzug eine große Stressreaktion für den Körper ist.
Viele Betroffene erleben in den ersten Wochen nach dem Entzug weiterhin Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen und eine Antriebslosigkeit. Auch das Verlangen nach Alkohol gilt als normal und somit sind die Betroffenen in dieser Phase besonders rückfallgefährdet. Deshalb sind eine anschließende ganzheitliche Entwöhnungstherapie und Psychotherapie entscheidend um die Patienten auf ihrem Weg in die Abstinenz bestmöglich zu begleiten und unterstützen.
Welche Ärzte und Kliniken sind Spezialisten für den Alkoholentzug?
Für die Durchführung eines Alkoholentzugs sind Fachärzte für Psychiatrie mit Schwerpunkt auf Suchtmedizin zuständig. Sie arbeiten in spezialisierten suchtmedizinischen Kliniken und Entzugsstationen, die rund um die Uhr eine medizinische Überwachung gewährleisten. Diese Einrichtungen verfügen über ein interdisziplinäres Team aus Psychiatern, Psychologen, Sozialarbeitern und spezialisiertem Pflegepersonal. Sie erarbeiten zusammen einen individuellen Behandlungsplan und begleiten den Patienten durch alle Phasen des Entzugs.
Bei der Wahl der geeigneten Klinik soll darauf geachtet werden, dass das Therapiekonzept neben dem Entzug auch die Vorbereitung auf eine weiterführende Entwöhnungstherapie einschließt. Unsere gelisteten Fachärzte und Kliniken wurden sorgfältig auf ihre Erfahrung und Expertise in der Durchführung von Alkoholentzügen überprüft und erwarten Ihre Anfrage.
Quellen:
- AMBOSS. Alkoholbezogene Störungen [Internet]. Berlin: AMBOSS GmbH; 2026 Feb 9 [cited 2026 Apr 27]. Available from: www.amboss.com/de/wissen/amboss-pflegewissen-alkoholbezogene-storungen
- Thieme. Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol [Internet]. Stuttgart: Georg Thieme Verlag; 2020 [cited 2026 Apr 27]. Available from:
- Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie e.V. (DG-SUCHT). Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen [Internet]. AWMF-Register Nr. 076-001. Aktualisierte Version 2020 [cited 2026 Apr 30]. Available from: register.awmf.org/assets/guidelines/076-001l_S3-Screening-Diagnose-Behandlung-alkoholbezogene-Stoerungen_2025-01-verlaengert.pdf
